Türkei – Januskopf – oder viele interessante Gesichter?


„Was macht ihr noch in dieser Türkei?“ Der Tenor jener Besorgten, welche es „schon immer“ wussten: ihr macht doch alles falsch, eure Heimat nach dem Berufsleben hier zu begründen. Nun, unsere neue Heimat ist derzeit unruhig, sucht ihren weiteren Weg. Wenn dabei Menschen zu Schaden kommen, dann tut das jedem leid, der davon erfährt. Hier wirken so unterschiedliche Kräfte zwischen Politik, alles umschlingender Religion, schlichter Menschlichkeit.

Gerade eben lese ich, das Gesundheitsministerium will die ärztlich Hilfsbereiten zur Rechenchaft ziehen, weil….. Beamte finden immer Gründe für ihre oft überflüssiges Handeln.

Gestern las ich, dass ein solcher Schreibtischtäter im Beamtenstand einer freiwilligen Feuerwehr in Westfalen nächtens (!) untersagte, ihrem Partnerort in Sachsen-Anhalt Hilfe zu leisten – weil die Hilfsbereiten ihn nicht untertänigst um Erlaubnis auf dem Dienstweg baten….. Aber das gehört sicher nicht hierher, stört nur beim gemeinsamen Schimpfen auf den hiesigen Ministerpräsidenten. Ist es doch nur in Deutschland. Leichter wird einem doch nur beim Kreischen gegen die Türkei. Da kommt ein Zug der Freiwilligen Feuerwehr im Sauerland eben nicht mit….

Einer der folgenden Kurzbeiträge aus den Deutsch-Türkischen Nachrichten – und ein ausführlicher Aufsatz von Mustafa Esmer sollen die Gegensätze transparenter – und uns etwas demütiger und toleranter werden lassen.

Peter Hockenholzam 14.06.2013

Angriff auf die Pressefrei​heit: AKP schließt regierungs​kritischen Sen​der Hayat TV

  |  Veröffentlicht: 14.06.13, 16:22

Der Oberste Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) hat den Fernsehsender Hayat TV schließen lassen. Begründung: Hayat TVs Sendebetrieb sei illegal. Doch Kritiker sehen darin das Bestreben, regierungskritische Medien mundtot zu machen.

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KÜMMERT EUCH UM EURE EIGENE POLITIK!

Das Erdoğan-Bashing der deutschen Leitmedien nervt

Migazin heute

Seit Wochen berichten hiesige Medien über die Demonstrationen am Taksim-Platz in Istanbul. Angeprangert wird vor allem der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan. Unter den Türkeistämmigen sind die Meinungen geteilt, Mustafa Esmer ist genervt.

Titel wie „Türkischer Frühling“ oder „Die Wut der Türken gegen das System Erdoğan“ zeugen nicht einzig von der Inkompetenz deutscher Redakteure, sondern von eindeutiger Einmischung in die türkische Innenpolitik, durch unhinterfragte Parteiergreifung. Seit Wochen erzeugen die deutschen Medien, durch undifferenzierte Berichterstattung, ein Zerrbild des türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan. Er wird als Despot, als Diktator oder bei den ganz kreativen Redakteuren als Sultan beschrieben. Dass man damit lediglich die Zuschreibungen bestimmter oppositioneller Gruppen wiedergibt, scheint unwichtig.

VONMustafa Esmer

Der Verfasser, geb. 1976 in Remscheid, ist Sozialwissenschaftler.

Die allenthalben lautstark gepriesene Toleranz der Religionen – ein wundervolles Märchen?


Meine Lebenserfahrung: keine, wirklich keine Religion lässt Toleranz gegenüber anderen Glaubensrichtungen gelten. Alle, wirklich alle Religionen sind auf Machterweiterung und Vergrößerung ihrer Marktanteile aus! Der Lohn wird dafür in einem gar wundervollen Jenseits versprochen – und auch zugeteilt. Wer es nicht glauben mag, dem winkt dann eben die Hölle – wenn diese nicht schon hinieden schon Realität ist.  Inshallah! Peter Hockenholz am 11.08.2012

Vic Dan Sız

Schock in Istanbul: Wolkenkratzer in Flammen, Bilder wir 9/11


+++BREAKING NEWS+++

Schock in Istanbul: Wolkenkratzer in Flammen, Bilder wir 9/11

  |  Veröffentlicht: 17.07.12, 10:39  |  Aktualisiert: 17.07.12, 10:55

Die aktuellen Bilder aus Istanbul sind schockierend. Der Polat-Tower steht komplett in Flammen. Augenzeugen berichten von einer Explosion. Der Himmel über Istanbul ist mit einer Rauchdecke bedeckt. Bisher gibt es keine Meldungen über Opfer oder Verletzte.

Die Löscharbeiten am Polat-Tower sind in vollem Gange. (Foto:DTN)Im 42-stöckigen Hochhaus im Istanbuler Bezirk Beşiktaş ist am Dienstagmorgen ein Feuer ausgebrochen. Der komplette Polat-Tower stand zeitweise komplett in Flammen. Mittlerweile sei das Feuer wenigstens teilweise unter Kontrolle, wie die Behörden verkündeten. Mustafa Sarıgül, Bezirksbürgermeister von Şişli erklärte, es sei bisher keiner verletzt worden, was angesichts der schockierenden Bilder ein Glücksfall sein muss. Das Feuer sei vermutlich durch einen technischen Fehler in der Klimaanlaga, die sich über den gesamten Außenbereich des Towers erstreckt, ausgebrochen. Dadurch habe sich der Brand auch so schnell ausgebreitet. Augenzeugen berichten, dass sie vor dem Ausbruch des Feuers eine Explosion gehört hätten. Umliegende Gebäude, darunter ein Krankenhaus seien bereits vorsorglich evakuiert worden.

PRESSEFREIHEIT“Wer schreibt, wird eingeschüchtert“ – Die ZEIT vom 22.03.2012


Die Redaktion der ZEIT gab mir die Erlaubnis, diesen Beitrag auszugsweise hier zu publizieren; danke ZEIT! Peter Hockenholz am 27.03.2012

PRESSEFREIHEIT“Wer schreibt, wird eingeschüchtert“

Der türkische Journalist Ahmet Şik saß wegen seiner Recherchen ein Jahr im Gefängnis. Ein Gespräch über die HaftAhmet Sik (Mitte) nach seiner Freilassung in Istanbul
Ahmet Şik sitzt wieder in seinem Istanbuler Wohnzimmer, die Telefone auf dem Tisch vor sich ausgebreitet. Viele rufen an. Ein gutes Jahr saß der Journalist im Gefängnis wegen angeblicher »Unterstützung einer terroristischen Gruppe«. Kurz nach der Verhaftung von Şik im März 2011 wurde das Manuskript seines Buches »Die Armee des Imams« beschlagnahmt. Darin beschreibt der 41-Jährige, wie die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen (siehe auch Chancen, S. 69) auf die türkischen Sicherheitsbehörden Einfluss nimmt. Şik ist wegen seiner Arbeit Prozesse gewohnt. Er schrieb über Putschpläne der Armee und über kriminelle Netzwerke im »tiefen Staat«, wie die Verflechtung von Politik, Sicherheitskräften und Organisiertem Verbrechen genannt wird. Auch deshalb stand er vor Gericht. Recherchen wie diese führten zur Enthüllung der mutmaßlichen Untergrundorganisation Ergenekon.

DIE ZEIT: Herr Şik, Ihr Prozess geht weiter, aber Sie sind vorerst frei. Erleichtert?

Ahmet Şik: Nein, ich bin nicht erleichtert, weil noch so viele Journalisten im Gefängnis sitzen.

ZEIT: Ihr Buch über die Armee des Imams wurde konfisziert. Was wirft man Ihnen vor?

Şik: Dies ist ein politischer Prozess, befeuert von Rachegelüsten. Die Akten

Ahmet Şik: Nein, ich bin nicht erleichtert, weil noch so viele Journalisten im Gefängnis sitzen.

ZEIT: Ihr Buch über die Armee des Imams wurde konfisziert. Was wirft man Ihnen vor?

Şik: Dies ist ein politischer Prozess, befeuert von Rachegelüsten. Die Akten zeigen, dass es hier nicht um Terrorismus geht, wie behauptet, sondern um Politik. Niemand präsentiert Beweise, sondern nur Belege vom Hörensagen. Ich halte nicht die ganze Polizei für verantwortlich, sondern Teile von ihr. Ich glaube auch, dass nur einige Mitglieder der Gülen-Bewegung dahinterstecken.

ZEIT: Sie saßen im Hochsicherheitsgefängnis Silivri bei Istanbul …

Şik: … ein Bau aus Beton und Eisen. Alles so glatt und hart, es war, als würde mein Atem wie ein Echo von der Wand zurückgeworfen.

ZEIT: Wie hat man Sie dort behandelt?

Şik: Ein Jahr lang habe ich nur zwei Mitgefangene gesehen. Meine Frau durfte mittwochs kommen. Es war eine Art Isolationshaft, sie nannten das privilegierte Behandlung. Sie traktierten uns mit grotesken Vorschriften. Wir durften nur drei T-Shirts haben, aber dafür zwei Anzüge, als ob wir dauernd auf Hochzeiten gingen. Meine Baumwollsocken durfte ich nicht tragen, nur die Anstaltssocken aus Kunstfaser. Blaue Kugelschreiber waren erlaubt, rote verboten. Zugang zu Computern wurde strikt begrenzt – auf neun Stunden im Monat. Das Abendessen kam immer um 14 Uhr und wurde kalt bis zum Abend. Aufwärmen verboten. Sie brachten das Essen auf einem Wagen mit furchtbar lärmenden Rädern. Manchmal nachts. Ich schlug vor, die Räder auszuwechseln. Sie antworteten, das ginge nicht, weil man das

Zugang zu Computern wurde strikt begrenzt – auf neun Stunden im Monat. Das Abendessen kam immer um 14 Uhr und wurde kalt bis zum Abend. Aufwärmen verboten. Sie brachten das Essen auf einem Wagen mit furchtbar lärmenden Rädern. Manchmal nachts. Ich schlug vor, die Räder auszuwechseln. Sie antworteten, das ginge nicht, weil man das dann in allen Gefängnissen machen müsste.

ZEIT: Wie erklären Sie sich, dass Sie als einer, der vor Jahren die Umtriebe radikalsäkularer krimineller Netzwerke im Staat aufdeckte, zusammen mit diesen Kriminellen angeklagt sind?

Şik: Sie haben mich mit den Neonationalisten, Putschisten und Faschisten aus dem Ergenekon-Netzwerk eingesperrt, die ich verabscheue und gegen die ich kämpfe. Die Prozesse gegen diese Verschwörer sind völlig aus dem Ruder gelaufen. Die Justiz verhaftet Leute aus dem tiefen Staat und jene, die darüber recherchieren. Das machen sie, um die Gesellschaft einzuschüchtern und Oppositionelle mundtot zu machen.

ZEIT: Warum sitzen in der Türkei über 100 Journalisten hinter Gittern?

Şik: Es sind nicht nur Journalisten, die sitzen. Derzeit sind rund 600 Studenten im Gefängnis, weil sie Freiheit der Ausbildung und der Universitäten gefordert haben. Dorfbewohner werden verhaftet, wenn sie gegen Kraftwerke protestieren. Meinungsfreiheit war schon immer ein Problem in der Türkei.

Selçuklu´dan Günümüze – Von den Seldschuken bis zu unseren Tagen


Fahri Yiğit

Selçuklu´dan Günümüze – Von den Seldschuken bis zu unseren Tagen 

Eine Zeitreise von und mit Fahri Yiğit

Ich kannte bis vor wenigen Tagen das Buch von Fahri Yiğit nicht – und kenne nach wie vor die türkische Sprache nur in Fragmenten. Es sei mir erlaubt, diese Besprechung seines Buches mit meinem Nichtkennen und Nichtkönnen zu beginnen.

Fahri überreichte mir sein gewidmetes Werk am einen Tag vor Weihnachten 2011. Der Sprachmuffel orientierte sich anhand der Abbildungen und diese vereinnahmten ihn von der ersten bis zur letzten der rund 180 Seiten.

Die Verständnislücken schloss Fahri persönlich in einer privaten Session mit den Fakten, die er über einen Zeitraum von dreißig Jahren recherchiert und zusammengetragen hat.

Mehr als nur die meistens als trockene  Wiedergabe geschichtlicher Fakten beginnt er mit mit uralten und über Generationen mündlich überlieferter unterschiedlicher Gesänge aus den verschiedenen Regionen Alanyas. Fahri ging hin zu den alten Menschen, welche ihm die alten Weisen vorgesungen haben. Über die Generationen veränderten sich Melodien und Texte. Er zeichnete Melodien und Texte auf, um sie zu erhalten. Ein ihm Bekannter aus Pforzheim, dokumentierte die Noten dazu, Proben davon Fahri Yiğits Werk. Nicht zuletzt auch, so betont er, um sie alten und auch den neuen Einwohnern von Alanya zugänglich zu machen  und zu erhalten. Im Jahr 1968 gründete Fahri Yiğit eine Musikgruppe, welche teilweise auch heute noch das alte Liedgut zu Gehör bringt. 1993 besuchte Fahre alte türkische Stämme; die Geschichte war dadurch sehr lebendig.

Zu den Türkstämmen gehören Kirgisen, Uzbeken, Kasachen, Tartaren, Uiguren u. a.

Fahri eilt in sein Büro und präsentiert dem angefixten Neugierigen Bücher von Ethel G. Stewart, einer Kanadierin. Sie hat ebenfalls ermittelt, dass Türken einst über die zugefrorene Beringstraße nach Kanada auswanderten und dass  der Forschung nach 75 % der DNA zwischen Indianern und Türken übereinstimmen. So sei die sogenannte Mittelmeerkrankheit auch bei den Indianern nachweisbar. Auch die Gene Elvis Presleys seien indianisch und gleichermaßen türkisch angelegt gewesen.

Der Rote Turm am Hafen hieß früher Mädchenturm. Mädchentürme gab es und gibt es noch überall im türkischstämmigen Raum. Der Rote Turm/Mädchenturm in Alanya hatte einen direkten Zugang zum Mittelmeer, der sei aber zugemauert. Über diesen wasserseitigen Zugang wurden Waffen, Trinkwasser, Nahrungsmittel für den Sultan und seine Mannen zugeliefert.

Der Name Mädchenturm war ein Symbol für Mädchen und junge Frauen, welche der  eigenen Ehre und selbige ihrer Sippe verlustig gegangen sein sollen.

Bis 1922 lebten auch in Alanya Griechen und Türken, welche der christich-orthodoxen Religion angehörten. Durch den Bevölkerungsaustausch mussten auch christlich orientierte Türken das Land verlassen.

Früher war es noch üblich, dass die Bewohner, der Yaiyalı, der Dörfer um Alanya, ihre Waren mit Kamelen in die Stadt gebracht haben. Erst in der jüngeren Zeit ersetzten Geländefahrzeuge die Wüstenschiffe.

Fahri dehnt die Zeit bis in die Jahre 1040 – 1194, die Zeit der Seldschuken, aus und sieht Alanya als Teil der Seldschukenzeit, mit glänzenden Augen übrigens, in die große Zeit der Turkvölker. Als es noch gegen die Arber, Perser, Mongolen, die Schamanen insgesamt ging.

Er fand durch seine Forschung heraus, dass durch den Schamanismus Indianer und Türken quasi eine völkische Verwandschaft bildeten. Die abgebildeten Kelims aus indianischer und aus türkischer Herkunft weisen dieselben Symbole auf. Auch die jeweiligen Sprachen und Dialekte haben viele Wörter gemeinsam. Ebenso taucht der Kurt, der Wolf in beiden Kulturen gleichermaßen auf. Auf einem Geldschein sind das  Konterfei des Staatsgründers und der Wolf gemeinsam  zu sehen.

Am Krieg der Türken gegen die Bulgaren nahm Fahris Großvater teil. Durch Verrat wurden die Türken vollkommen niedergemetzelt. Eine Schmach, die bis heute im Bewusstsein der Türken wach ist.

Fahri wechselt aus den Zeitläuften vor uns wieder in die Gegenwart, spricht begeistert von der deutschen Stadt Gladbeck und den guten Kontakten dorthin. Wohl schon begründet in seiner Zeit als Bürgermeister der Stadt Alanya von 1989 – 1997. Seit 16 Jahren ist er Vorsitzender des türkisch-deutschen Freundschaftsvereins „Hür Türk“ und trug und trägt nach wie vor aktiv zum friedlichen Nebeneinander der Kulturen bei, in Einzelfällen ist daraus auch ein aktives Miteinander geworden. Ergänzend sei auch erwähnt, dass er sich mit Deutschen in Konstanz nach Kräften gerauft hat –  im Ringerverein in Konstanz/Bodensee. nachgewiesen in Urkunden aus 1990. Der Stolz ist ihm im Gespräch anzumerken. Auch darüber, dass dieser Verein eine große türkische Nationalfahne besitzt, die bei entsprechenden Anlässen auch gehisst wird. Er merkt allerdings auch an, dass das blutrote Symbol der Türkei mehr als einmal geschändet worden sei. Er habe aber immer wieder prompt für Ersatz gesorgt.

In seinem Buch findet er kluge und positive Worte für die vielen Nationen, die in Alanya friedlich zusammen leben, bei den Zuwächsen allerdings haben die Russen die Deutschen zahlenmäßig längst überholt. So zogen im Jahr 2010 = 3.734 Deutsche neu nach Alanya, gegenüber 4.375 Russen.

Lesenswert! Ansehenswert! Sollte man haben! MUSS man haben!!

Fahri Yiğit – Selçuklu´dan Günümüze Alanya

ISBN 978-975-8428-21-2 – TL 20.—in jeder Buchhandlung

Peter Hockenholz am 21. Januar 2012