Autsch. Der Restaurantnörgler.


Autsch. Der Restaurantnörgler.

Gehen wir mir zu Dir oder zu mir? Die Frage stellt sich nicht einmal rhetorisch. Schließlich sind wir Zwei seit nunmehr neunundvierzigdreiviertel Jahren miteinander verheiratet.

Gehen wir zu Metro, nach dem Erwerb eines Kastens Äffässmalt ganz für mich alleine und essen bei den netten Menschen dort unser Kombipaket Frühstückmittagsmal oder gehen wir mal wieder in dieses Geflügellokal am Alanyum, war doch sehr sympathisch dort.

Entweder waren wir zur an diesem Sonntag zur Unzeit dort, oder vielleicht im falschen Film? Drei dem Rentenalter Nahe schlichen gebeugt von des Lebens Härte umeinander, allesamt so um die zwanzig Jahre auf dem Buckel. Außerdem schienen sie allesamt einem Schweigeorden anzugehören.

Einer der von des Lebens Härte Gebeugten stellte uns, einzigen Gästen gegen elf Uhr stillschweigend die Speisenkarte auf den Tisch. Latschte dann auf unser Bitten los, die Musike leiser zu drehen. Seufz. Die Bestellung, schweigend abgehört mit abgewandtem Blick, beeinhaltete einen kleinen Sonderwunsch, anstatt Nudeln möchte meine Liebste etwas mehr Salat. Seufz.

Schweigend, wir waren es mittlerweile gewöhnt, wurden die Sachen hingestellt. Der Nörgler nörgelte. War fast schon vorgegeben. Die Fritten waren außen zwar heiß, im Herzen hingegen tiefgekühlt. Schweigend abserviert und in die Küche geschlurft. Herrlich frische Stäbchen nach einer langen Weile, meine Frau war so gut wie abgefrühstückt, dafür war mein Fleisch in seiner Patlıçanunterlage gefühlskalt geworden.

Den beiden geschäftigen Herren aus der höheren Hierachie ging das alles nicht nahe. Die Schachtel mit der Rechnung kam, inzwischen wortlos. Entzaubert, der erste Eindruck. Muss man da wieder hin? Nö. Zumindest nicht an einem Sonntag so gegen 11 Uhr in der Frühe . . . Wäre so ein Fall für Freund Jimmy Özdel, müsste es aber mit mit einem Paukenschlag beginnen!

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Bergamot – mit kleinen Druckstellen


Bergamot – mit kleinen Druckstellen

Neben einem kleinen Park mitten in Alanya  ist das Bergamot seit zwei Jahren zu finden. Einer Empfehlung von Freunden waren wir mal da, wundervoll seit zweit Jahren ist es da. Stilsicher, alles stimmt zueinander. Der Besitzer hat in eine ganz besonders schöne Begegnungsstätte investiert.

Wir luden Freunde zu einem gemeinsamen Frühstück ein, am frühen Morgen schon so gegen zehn Uhr. Einige frische junge Mitarbeiter schienen noch einiges an Schlaf nachholen zu müssen.

Frühstücken wollt ihr? Unterdrücktes Gähnen. Frühstücken wollt ihr? Ja aber. . . Ratlosigkeit. Offenbar waren in der Küche einige Mäuse Hungers gestorben, es war nichts da. Flugs Einkauf beim genau gegenüber resididierenden Filialisten. Bis die Futeralien die PlasteundElastetüte zwecks Verspeisung verlassen durften, dauert es, aber wir fielen ja alle Viere nicht vom Fleische.

Einer de Capucini war offenbar für Linkshänder geschönt, unwichtig. Herrlich angerichtet kam das Verlegenheitsfutter aus dem Supermarkt dannn auf  den Tisch. Viele kleine Schälchen, offenbar für einen Hungrigen teilten sich zwei Frühstücker. Wir behielten unsere gute Laune, hatten genügend zum Austausch. Nur das Herausfieseln der Marmeladen, der schwarzen Schmiere, der Oliven mittels mitgelieferter Steakmesser gestaltete sich schwieriger als erwartet.

Die ersten Tomaten- und Gurkenwürfel verließen beim Service ihre angestammten Orte. Brav, wie wir sind, orderten wir nach Zuruf immer wieder das Nachfüllen der Teegläser. Das Lokal gehört der etwas gehobenen Preisklasse an, aber das A 101 Supermarktfutter rechtfertigte die Höhe der Rechnung mitnichten.

Wir gehören nicht der Zunft der Restauranttester an, das sei den ausgebildeten Fachleuten und denen, die es aneigneten überlassen. Sollten wir diesen inzwischen etwas wacher gewordenen Müden ein Zeugnis ausstellen: sie gaben sich alle erdenkliche Mühe, den Anforderungen des qualifizierten Gastgewerbes einigermaßem gerecht zu werden . . .

Liebe Leute, mault nur über den alten Kahlkopf, das hört er nicht! Aber schreibt ihm gerne eine Postkarte, wenn – ja, wenn . . . ihr einen edlen Arbeitsplatz zu schätzen wisst, wenn ihr einen schönen Ort nicht mit einer Kantine verwechselt und die spärlichen Gäste nicht mit Geschirrdonner und Besteckgranaten beschallt . . .

Fresh bergamot citrus fruits from Reggio Calabria Italy.

 

 

 

 

 

 

 

Rheinischer Butterkohl


Rheinischer Butterkohl – ist er echt eine Pflanze des Rheinlandes? Oder haben die Frohnaturen die Samen einst im echteren Ursprungsland Türkei geklaut? Denn  wir müssen umdenken: alles Gute war einst Kulturgut unserer Wahlheimat Türkei. Nun kehrte er zurück.

Vor zwei Jahren brachte ein Hobbygärtner mir ein Tütchen mit Sämereien mit, Rheinischer Butterkohl. Im ersten Jahr mundeten die Sprößlinnge den Vöglein. Im zweiten Jahr gedieh auf einem Quadratmeter eben Rheinischer Butterkohl. Vorgestern gab es bei Hockies Rheinisches Butterkohlgemüse. Schmeckt es dir? Najaaaa, hst viel daran zu kauen. Ist eben al dente zubereitet. Wir wollen doch nicht herumfletschern. N – ein …

Gestern wurde dieser Aldentekohl durch den Multimix für Arme für Arme zwecks Verkleinerung zur Rheinischerbutteerkohlsuppe veredelt. Natürlich schwamm  ein Mettentchen drin, schön in Scheiben. Das mundete. Sehr. Afiet olsun. Es  ist noch Suppe da. Rheinischebutterkohlmettentchensuppe.

Kein Bild von diesem Edelgemüse gefunden . . .

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. . . ich hatte das Gemüse und die daraus resultierende Rheinischebutterkohlsuppe, Luiza lieferte eben das Bild . . .

 

 

Dort, wo der Lavendel erfunden wurde . .


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Dort, wo der Lavendel erfunden wurde. ganz genau dort, wo wir seit bald zwei Jahrzehnten leben – in der Türkei nämlich  – wurde er erfunden, wie so viel anderes auch.  Das war, als in Grasse in Frankreich und in Köln am Rhein die Menschen noch ihre Hintern an den Föhren scheuerten, so weit der Stolz der Türken. Vermutlich hatte ein Türke seine liebe Ehefrau mit einem Lavendelbesen . . .

Oder war es umgekehrt, eine Beherzte nahm den Lavendel; eine Duftwolke von gerade unglaublicher Süße brachte sie auf die Idee. Der gestrige Sonntag brachte uns nach einigen Jahren wieder nach Lavendelhausen, das Dorf Kuyucak. Damals war es ein mieses mehr als sehr armes Kaff.  Zu scheußlich, auch nur einen Abend, geschweige denn eine Nacht in Kuyucak über Kecibolu hinter Isparta zu verbringen. Flucht vor Betten, welche auf Pygmäenkörper zusammengenagelt, aber nicht für lange Berliner,  unsere Gäste damals, konzipiert waren.

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Ob im Himmel Jahrmarkt stattfindet, mögen Geistliche in den Moscheen ermitteln, im Lavantadorf, Name schon wieder vergessen, war Jahrmarkt, Lavantamarkt. Ob deselbst auf dem einzigen renovierten stillen Örtlein notwendige Benutzungskomfort lila eingefärbt war, ich weiß es nicht. Alle Großmütter von Lavendelhusen montierten am Straßenrande  Kränze aus Lavanta, Verschönerungsversuche auf Unterbauten, die stabil genug waren.  In der Metropole Kuyucak ging es heißer her als auf Istanbuls Boulevards, Busfahrer versuchten ein Fortkommen zu erzwingen, wo das Dorfsträßlein Platz für einen Eselskarren vorsah. Die Fassaden, die Fassaden also, verbrämt mit einladenden verkaufsfördernden Schildern. In vielen Augen keine Dollar-, keine Eurozeichen, noch reichte die türkische Lira aus, Wohlstand zu signalisieren. Ein einziger Anbieter hatte gut gezogene gut gewässerte Lavantasetzlinge, machte bei den zehn Stück einen guten Preis – und half mir, diese einen runden Kilometer zum Bus zu tragen. Riet mir ab, von den drögen Setzlingen der Ispartarosen zu erwerben, komm wieder, wenn es herbstet, jetzt ist nicht die Zeit, Damaszener Rosen zu verpflanzen.

Gerne sei erwähnt, dass die Frauen des Dorfes diesen Hype erdacht, umgesetzt und geschäfttüchtigen Wohlstand in das Kaff brachten.

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Bilder – natürlich wieder – von Luiza

 

 

 

 

 

 

Guten Morgen und vielen Dank!


Guten Morgen und vielen Dank! Seit vielen Jahren schreibt dieser blog über die Türkei – Leben und Reisen. Viele Tausend Leser, kein einziger Tag ohne einen Klick! Dieses ist – vorerst – vielleicht – sein letzter Beitrag, ich schließe hockenholz.net.

Technologien ändern sich und mit ihr die Menschen und die Situationen. Nach einer Pause, am kommenden Sonnabend fahren wir in die Lavendelgegend hier in der Türkei, den Duft atmen, die intensive Farbe genießen, dann sieht man weiter. Das entschlackt. Inshallah . . . Dank an meine Administratorin über viele Jahre, wenn die Technik wieder mal wieder anders wollte.

Peter Hockenholz