Hoş geldiniz zwanzigneunzehn, görüşürüz zwanzigachtzehn


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Türkische Esstische halten entweder nicht viel aus, weil zu leicht gebaut, oder sie biegen sich unter der Last der Speisen. Unsere Freunde Rıza und Aynur luden zum Silvesteressen ein. In ihren Augen waren ihre beiden Gäste verhungerte Striche in der Landschaft. Getrunken wurde zu Gebratenem und Gesottenem Milch. Löwenmilch. Nur eine von uns hielt sich an Wasser.

Gute Gespräche, unbeugsame Menschen. Rıza, einen winzigen Augenblick ließ er seine Seele sehen, ehe er seine Gedanken wieder disziplinierte

Meine Liebste echauffiert uns mit dem „Phaeton“ vom leise quasselnden Obaçay hinter den wild schäumenden Dimçay. Jede Bodenwelle verursachte ein lautes Hicks – und es gab deren viele; wenn die reihern musst, halte den Rüssel weit hinaus in die Landschaft, war der charmante Rat.

Wir und unsere Tiere sind der europäischen Kultur des Böllerns und seiner Begleiterscheinungen um zwei Stunden voraus. Zwei Hotels boten dem Logenplatz auf der Terrasse je gefühlte hundertachtzig Sekunden lang ein bezauberndes Feuerwerk. Serife böllerte nicht, Hakan nicht, Hasan nicht, Taxifahrers nicht, Busbesitzer nicht zuhause.  Niemand hatte hier einen Knall. Hundhund, der hin und wieder schneeweiße Hütehund aus Georgien, steckte friedlich seinen Kopf durchs Gitter, seine Streicheleinheiten zu empfangen.

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Wir genossen eine halbe Flasche des 1979er Sasbachwaldener Roten vierzig Jahre alten Weines, nach vierzig Jahren war er dran. Einst in Sasbachwalden im Schwäbischen erworben und nun in der Wahlheimat Türkei genossen.

Prosit, junges neues Jahr! Was bringst du uns? Was sollen wir Dir liefern?

„Es freit ein wilder Wassermann auf der Burg wohl hinter dem See. Der Königin´ Tochter wollte er han“ . . .  So wild war es dann auch wieder nicht, das Knie schaute hinten aus dem Hinterkopf hervor. Und dann heiratete er sie – oder sie ihn, diese Frage blieb bis auf den heutigen Tag ungeklärt. Was will der alte Kaktus mit dieser Orchidee? All das passierte vor einem runden Vierteljahrhundert, meine Korrekturleserin berichttigt das, mit einem Grinsen im Gesicht . . .

Ein Kindlein ward uns geboren. Papi, wollen wir rotzen? Klaro. Wir standen auf der Autobahnbrücke, die Fahrräder im Blick – und rotzten. Papi, gibt es heute noch Räuber? Klaro! Aber sie lauern nicht hinter dem Busch. Sie sitzen im Finanzamt und . . . Die wache Göre unterrichtete sogleich die Unwissenden im Kindergarten. Klaro.

Lange schon verheiratet mit Torbjörn, genannt Tobba im fernen Schweden, pflegt Turbo, den Hundeopa, fotografiert, schreibt an der dritten Auflage des märchenhaften Reisebuches über ihre Wahlheimat Schweden.

Häufig genug rückte einer von uns den Haussegen wieder gerade. Lasst die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn von Erwin Grosser, meinem Ziehvater in Karlsruhe mit auf den Weg gegeben.

Er ist noch nicht zu Ende, am Ende des ersten Quartals werden wir, Trottellumme und Baßtölpel, verreisen in unserer Wahlheimat Türkei. Neues entdecken, es gibt so viel zu erleben oder Gesehenes noch einmal erleben. Inşallah!

 

Ich sehe was, was Du nicht siehst . . .


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Siehste nix? Oder nur ein mickriges Etwas? Dann putz die Brille! Oder ich erkläre es mal kurz: es ist ein Keimling, gesät und umgesetzt in einen kleinen Einwegpott. gezogen und verzogen von Karlbindestrichheinz, meinem Freund mit dem grünen Daumen. Der Mickerling bewirbt sich um einen Kindergartenplatz in unserem Garten. Aber jetzt noch nicht, muss erst aus den Windeln heraus. Er heißt Liebstöckel, hört aber auch auf den Spitznamen Maggikraut.

Hat aber mit der braunen Brühe, sie so scheußlichbräunichschwärzlich aus der gelbroten Buddel außer dem Namen nichts gemeinsam . Auch nichts mit einer gewissen „Partei“ in deutschen Parlamenten…

Wächst und würzt dann in angenehmer Umgebung mit Basilikum, Petersilie, Bohnenkraut unter dem riesig gewordenen Aprikosenbaum –  und wird dann so! Inshallah!

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Unteres Bild aus Wikimedia

Pack die Badehose noch nicht aus . . .


Pack die Badehose noch nicht aus . . .

sonnig, sehr sonnig sogar ist die Tagestemperatur vor dem Heiligen Abend. Die Wollsachen liegen auf dem Soffa, auf dem Balkon in der Nachmittagssonne reift seit eben ein Likör aus bitteren Orangen, im Ofen der neu geborene Sauerteig. Es ist eine Freude, hier hinter dem wild schäumenden Dimcay zu leben.

Statt Tannendüften hier ein Weihnachtsgruß: es sind die gestern geschnittenen letzten  weißen Rosen aus dem Garten! Schön! Einfach schön – und erinnert an die mutigen jungen Menschen, welche einen hohen Preis bezahlten, unvergessen!

Frohe Weihnachten rundum

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Schicht im Schacht


Schicht im Schacht 

Wie nahrhaft und bekömmlich ist so eine gedämpfte Gemüsemahlzeit. Leicht geschamig, es kam lediglich  aus so einem Tempomat für Arme, hatte aber den kompletten Gutgeschmack eines echten Wuppertalers.

Satt und zufrieden kam ich meiner Arbeit nach. „Alterchen, du arbeitest so intensiv; darf ich dir bei denen Explorationsbemühungen behilflich sein? Ihr Daumen wedelt vor meinem Gesicht. Sehe ich Spott in ihrer Physignomie?

„Ähem, ich versuche doch nur, eine Probebohrung in den oberen Schächten einzubringen.“

„Gib dir keine Mühe. Du wirst keinen Erfolg mehr haben! Gestern machte die letzte Zeche dicht, Prosper in Bottrop. Den Püttmännern liefen die Tränen und der Herr Bundespräsident machte sich mit dem letzten schwarzen Brocken davon. Nicht mal in eine Plastiktüte hatten sie den Klotz für ihn gepackt und er musste sich zumindest die Finger anschwärzen lassen. Dafür sangen sie ihm das Lied vom Steiger, der kommt.

Der kommt nicht mehr, nie mehr, nache Zeche in Bottrop! Der Präsident ist wieder da hinten in Berlin und die Bergmänner müssen zusehen, wo sie bleiben. Und mein lieber Mann kommt aus dem Muspott und will noch eine Probebohrung ins Hangende setzen. Vergiss es!“

Besser da hat es der letzte dieser Kohlebarone. Der hat vorgesorgt, hat sein Deputat längst in der Schweiz, äh, im Sack und die Kohle gescheffelt. Die Stadt Bottrop bedrückt ein großes Loch im Boden – und leider auch im Stadtsäckel. Life is life, trallalalala. Wie war das doch gleich noch: Gewinne entstanden aus Aktien. Die Verluste wurden, geduldet von Parteien und Bonzen, sozusagen dem Staat übergeholfen. Sind wir nicht der Staat? Es ist zu lange her und vielleicht habe ich damals das Falsche gelernt?

So fand das Gespräch zwischen uns natürlich bis auf wenige Worte nur in meinem Kahlkopf statt. Einen überaus frohen Vierten und einen übervollen Gabentisch. Namens des Herrn, der über uns wohnt . . . . . .

 

 

 

 

Die Yalda-Nacht


Die Yalda Nacht ist uns erst nach fünfundvierzig Jahren gestern vor der Abreise von Aziz und seiner Begleitung bekannt geworden. „Zur Yalda-Nacht sitzen wir gerade im Flieger zurück nach Teheran. Sooo lange sind wir Freunde miteinander und erst buchstäblich vor dem Taxi erklärt Aziz uns noch fix, wie ähnlich Yalda- und Weihnachtsnacht einander sind.

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Dieser Brauch ist viel viel älter als das Christentum und seine Bräuche in der westlichen Hemnisphäre. Beide symbolisieren den Sieg des Lichtes über die Finsternis.“

In der längsten Nacht des Jahres treffen sich traditionell alle Familienmitglieder und Freunde, um das Fest gemeinsam am zentralen Wärmepunkt, den Korssi, zu erleben. Der Korssi ist ein niedriger, viereckiger Tisch, unter welchem sich eine Schale mit heißen Kohlen befindet. Daran können sich die Anwesenden die Füße beziehungsweise den ganzen Körper wärmen. Heute, im Zeitalter von zentralen und mobilen Heizungssystemen, finden sich jedoch nur noch sehr selten traditionelle Korssi in den Häusern.

Jedoch treffen sich noch immer Familie und Freunde, um gemeinsam zu feiern und sich über die nun länger werdenden Tage zu freuen. Die Gestaltung der Feier ist durch die Vielfältigkeit des Vielvölkerstaates Iran sehr von regionalen Bräuchen abhängig.

Die Yalda-Nacht gilt auch als die Nacht der Liebenden, die sich gegenseitig beschenken und gemeinsam fröhliche Lieder singen. Während einzelne Festelemente in verschiedenen Regionen des Irans variieren, gehört die Lesung und Schicksalsdeutung aus der Gedichtsammlung (persisch Diwan) des berühmten persischen Dichters Hafiz zu den unverzichtbaren Pflichten, die nicht vergessen werden dürfen.

Essen und Trinken hält auch bei den Persern Leib und Seele zusammen, Schwerpunkt ist der Granatapfel, teils zu “Weihnachtsbäumen“ gehäuft. Aus meinen Zeiten vor und nach der Revolution und später noch weiß ich um die Gewichtszunahme . . .  Fröhliche Yalda-Nacht, ihr Fröhlichen da hinten im Iran, dem uralten Persien.

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Bilder und Textteile aus Brauchwiki.de

 

 

 

 

HFIZdesHafiz

„mir gäbet nix“ . . .


„mir gäbet nix“ . . . 

So klingelt es mir aus meiner schönen Zeit in Karlsruhe in den Ohren, badisch-schwäbisch und oft genug erfuhr ich, dass das alles so, wie es klingen mag, gar nicht so gehandhabt wurde.

Heute besuchten uns wieder Ayşe und Kayhan, ihre Anoraks tropften vor Nässe, aber fröhlich und offen wie beim ersten Besuch. Beide sind Engeler, behindert also. Sie „verkaufen“ ihr Engagement für ihre Organisation positiv und ohne Druck auf die Tränendrüse. Auf unsere Fragen kamen klare Antworten.

Von morgens um zehn Uhr bis abends 17 Uhr sind die beiden Optimisten unterwegs. Gerne seien sie gesehen, wo sie klingeln oder klopfen – und nur wenige Ablehnungen erfahren die Beiden.

Schon bei ihrer ersten Kaltaquise vor Wochen und mitten im Handwerkertrubel trugen sie ihr Anliegen vor, sammeln für Behinderte, froh und überzeugend . Wie auch heute bei einem Teegespräch.IMG_20181219_131644.jpg

Wir schenken einander seit Jahren gegenseitig nichts mehr. Weil wir das so wollen und weil wir keine „Rumstehchen“ mehr brauchen und weil wir niemandem etwas beweisen müssen.

Die Weihnachtsgeschenke 2018 gingen an Menschen, welche dieses Fest gar nicht begehen. Und das ist gut so! Iyi yeni yillar, Ayşe und Kayhan!