Neue Eigentümerin


Stillschweigend hat sich Katzekatze unsere Hütte unter den Nagel gerisssen und sich als die neue Eigentümerin ausgegeben. Wir sind als Untermieter, vermutlich auf Zeit, geduldet. So lange der Napf gefüllt ist und wir ständig auf den Beinen sind, sie über den Balkon oder über die Haustür abwechselnd hinaus- und auch wieder hineinlassen. Dafür „belohnt“ sie uns hin und wieder mit einer frischen Maus oder auch mal mit einem flügellahmen Spatz . . .

 

Ku(h)-ark, bitte wo steht der Ku(h)ark?


Ku(h)-ark,  bitte wo steht der Ku(h)ark? 

So hätte meine liebe Frau bei Migros korrekt fragen müssen, aber das muss man erst einmal wissen. Irrtümlich fragte sie nach dem Standort des Quarkes. Denn Migros führt seit einigem nicht Quark, sondern Ku(h)-ark.

Nun hat alle Not ein Ende, wir machen unseren Quark, nein, unseren Ku(h)-ark selber und in jeder Menge. Auch heute ist wieder Frühstückszeit pünktlich zur Mittagszeit. Wir freuen uns, denn (fast) alles ist Quark, mit frischen Frühlingszwiebeln unter anderem.

Frühstück erst am Mittag, weil Rentiers das so wollen; morgens gibt es nur Schwarzen Tee, gemischt aus unseren Sorten. Ab genau gegen zwölf Uhr gibt es das Frühstück. Bis es abends um zwanzig Uhr die Siebenuhrnachrichten des Zweiten gibt, darf gegessen werden. Natürlich nur in den selbst gewählten Grenzen. In diesen ist auch mein Abendäffäss Bestandteil.

Kauf einen Dreikilogrammeimerchen schütte alles in eine möglichst neue oder wenig gebrauchte Mullwindel und fange die Molke auf, schmeckt köstlich mit Zitrone und etwas Süßem, möglichst keinem Zucker. Fahre nach runden zwei Stunden in das Ergebnis mit dem Zeigefinger. Koche diesen dann aus, wegen der Hygiene.

Ein Bild gibt es nicht, sieht nicht so anregend aus wie der fertige Quark, nein, der Ku(h)ark, denn nur verstehen diese Türken, was du willst. Ku(h)ark – aber bitte mit Sahne . . .

img_20180523_194758.jpgBild wie meistens von Luise Hockenholz

Anatolien – 8 Antakya – Hatay


Eine Reise in den für uns ganz besonderen Teil der Türkei wirkt nach. In der letzten Nacht fallen mir die verschütteten Daten wieder ein. Eine durchfahrene Nacht von Alanya nach Antakya – Aussteigen, Zähneputzen, Gurgeln, rasch frühstücken, Wieder einsteigen, ab die Fahrt in das Museum mit den schönsten Fayencen dere Welt. Da sind sie nun, die herrlichen Mosaike aus der Zeit der Römer. Das Museum selbst ist hoch modern aus der jetzigen Zeit.

Die handwserklich unnachahmlichen Abbildungen transferieren lebendig und lustvoll das Leben der Menschen aus der Zeit. Ein Vergleich zu den Einordnungen des Beginns und des Bestandes der muslimischen Religion. Dazwischen liegen Welten. Eine Stunde für die Römer. Präsentiert mit der Beleuchtungstechnik unserer Zeit. Nachdenkenswert.

  • Erst am letzten Tag der Reise noch die obligatorische Museumsstunde im Zeugmamuseum zu Gazi Antep, von mir nur im Museumscafé wahrgenommen, die Aufnahmekapazität war erschöpft von allzu vielen Eindrücken. Antakya sollte man sehen, Das Zeugma ist ein Muss, ich muss es alsbald nachholen.

Aber noch sind wir im quirligen Hatay. Schwänzen des gemeinsamen Mittagsessen, landen wir im Ortsteil Defne=Lorbeer. Ein Pizzabäcker backt seine Leckereien auf Holzkohle. Hier kriegt ihr nichts, ich verkaufe nur über die Straße – kommt, setzt uns an den Backtisch, Packpapier als Tischdecke, wie viel wollt ihr? Wir rätseln, kommt, ich verbacke für euch jetzt ein Kilogramm Mehl, viel zu viel. Nicht für alle Hungrigen. Aus dem Gemüseladen kommen einige, der Friseur legt die Schere beiseite, einige Straßenkehrer, die Backstube ist übervoll zu einem fröblichen Futtern. Übrig blieben fröhliche satte Gesichter.

Im Stadtzentrum verlangt ein Hungriger nachhaltig Geld. Sein fixer Handgriff in Luisens Gelbörse nach einem Hunni, darunter wollte er es nicht tun, ein lautes Wort von mir – und blitzschnell waren drei junge Kerle dabei, einer klopft dem Gierkragen auf die Hand, lass die Yabanci in Ruhe, die sind Gäste hier. Der Grobian zieht ab.

Die Stadt Antakya in der Region Hatay, hart an der Grenze zum unbefriedeten Nachbarn Syrien.  Fühlt ihr euch nicht unsicher dort? Nein. Zu keiner Minute!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anatolien – 7 – Sanli Urfa


Anatolien – 7 – Sanli Urfa, die Stadt der frommen Karpfen

 Der erste Aufenthalt in Sanli Urfa, eine der interessantesten Städte in Anatoliens, er mag im Jahre 2005 gewesen sein. Mehrere Tage, Eindrücke, die unvergessen sind. Eine Nachbarin, bat uns, die Karpfen im Wasser an der Moschee in ihrem Namen zu füttern. Kauft Futter und streut es den Fischen hin, sie werden euch aus der Hand fressen. Und das bringt mir, und Euch, Glück. Diese Fische sind heilig – und wer einen davon verspeist, der wird blind.

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Ein zweites Mal war ich vor einigen Jahren mit unterwegs mit einem Spendentransport für die aus Syrien geflüchteten Menschen, drei schwere Fünfachser voll beladen mit Spenden, Kleidung Nahrungsmittel mehrere Paletten, Betten, Matratzen, Wäsche. Viele Spender aus Alanya erinnern sich wohl noch.

Ziel des Konvois sollte die Stadt Diyabarkir sein. Bis ein mir sehr mysteriös erscheinender Anruf, der Konvoi habe die Grenzstadt Suruc, ca. 40 km von Sanli Urfa anzusteuern. Unherzliches Unwillkommen, die Kleidung flog auf einen Riesenhaufen, die Paletten mit Nahrungsmitteln wurden umgeladen und irgendwo hin gefahren, vermutlich ins Nirvana. „Die Herren“ wünschten fabrikneue Herrenhemden, fabrikneu verpackte Herrenschuhe etc.

„Die Herren“ brachten uns immerhin in Sanli Urfa in einem Luxushotel unter. An anderer Stelle ist ausführlich darüber berichtet hier im blog. Nach drei Tagen flüchtete ich abends, voll der Eindrücke von und  mit den Menschen in einem der vier oder sechs Lager. Fotos waren nicht möglich, es waren doch Menschen und keine Zootiere zur Besichtigung. Roj baj – (rosch basch) heißt wohl guten Tag – und öffnete mir viele der Familien. Es ist das einzige kurdische Wort, das mir bekannt ist. Ich werde das Erlebte niemals mehr vergessen! Nun ein drittes Mal in dieser Stadt, neugierig.

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Die Hunde bellten, aber die Karavane von Alanya Kent Konsey zog erst nach Stunden weiter, wir hatten mehrere Stunden in Sanli Urfa; zu allererst zum Teich der frommen Fische. Nur noch wenige schwammen im gut durchlüfteten Karpfengewässer. Wo sind die vielen Karpfen geblieben? Vermutlich vom irdischen Himmelsmanagement fröhlich aufgefuttert. Es ist zu vermuten, dass niemand von dieser Völlerei sein Augenlicht verlor. Petrus, sitzend zur rechten Hand Gottes und Verwahrer des Schlüssels nach oben, machte mit einem Fisch viele Menschen satt.. . wir wurden es im Bazar bei Giger (sprich giyér = Leber vom Grill und zuckersüßem Eis – Gruß vom Blutzucker.

Der Gewürzhändler mischte ein wohlduftendes Fleischgewürz; wenn ihr Zitronensalz beimischt, geht das auch als Fischgewürz durch, wird probiert. Gerade eben mit dem Sonntagsessen probiert, hui, scharf. Weniger nehmen, die Mischung stammt aus Sanli Urfa!

Die kleinen langen Tische, an denen  jeder seit Urzeiten sein Fleisch selbst würzt, die Zwiebeln dazu und natürlich Salz und Pfeffer, sie waren schon geschlossen. Feierabend im Bazar.

Vorher ein kurzer Höflichkeitsbesuch iln Göbekli Tepe – Ausgrabungen eingestellt wurden, weshalb? Von den frei gelegten Monumenten, si sollen der Überlieferung nach Menschen symbolisch darstellen, noch weitere fünfzig „Menschen“ sollen des Ausgrabens noch zu bergen sein. Offiziell wird verlautbart, dass sie 3500 v. Chr. von Nomaden errichtet sein – und von diesen mit Erdreich wieder zugeschüttet sein sollen.

Eine unserer lieben Freundinnen sei befreundet mit einer Frau, die an den Ausgrabungen teilnahm: Die Stelen seien nicht vor 3500 Jahren, sondern vor 35000 (Fünfunddreißigtausend!) Jahren entstanden. Auf hörere Weisung seien die Ausgrabungen entstanden und man wolle nicht die ganze Geschichte umschreiben müssen. Wahrheit oder Lüge? Wer will das beurteilen?img_20180430_182754.jpg

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Eine geballte Ladung Geschichte auf unserer Reise erlebt und künftige Generationen dürften noch einige Zeit benötigen – und wären immer noch nicht „fertig“ . . .

img_20180430_192830.jpg Bilder von Luise Hockenholz

 

 

 

 

Anatolien – 6 – Midyat ud Hasan Keyf


Anatolien 6 – Midyat ud Hasan Keyf

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Die vier Reisebusse auf dem Trip von Mardin, welches ja ohne mich stattfand, halten an in Midyat, ungefähr eine gute Reisestunde: Midyat, eine Stunde Aufenthalt. Wir zwei Beiden schauen uns an, verstehen uns ohne Worte, absentieren uns und latschen drauf los.

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Eine Kirche mit dem Kreuz obendrauf, bollern an die Stahltür, ein Schwarzgekleideter mit messerscharfer Bügelfalte: kommt einfach herein, hos geldiniz. So jedenfalls klingt es, könnte aber auch ein Gruß in kurdischer Sprache sein. Jedes Wort kostet mindestens zehn TL, wir können fragen, er weicht nicht aus.

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Er ist Pastor einer syrisch-orthodoxen Kirchengemeinde mit 150 Mitgliedern. Früher seien es mehr gewesen, die Yeziden, eine deutlich aufsässigere Gruppierung, die haben noch offensiv für ihren christlichen Glauben gekämpft. Wie viele von ihnen gibt es noch? Keinen einzigen mehr – und wir müssen sehr vorsichtig sein. Im Kircheninneren der Seilzug zur Glocke. Wie viele Glocken  hat das Geläut? Eine. Die dürfen wir drei Mal in der Woche kurz für die Gottesdienste bedienen. In dem großen Innenhof springen Kinder über das Seil, warten auf den Unterricht.

Vorsichtig nimmt er mir das Seil aus der Hand, bitte nicht! Ein falscher Ton zum falschen Zeit könnte Probleme bringen. Viele Fragen, ich weiß nicht mehr alle, die notierten Texte sind auf nimmer Wiedersehen aus dem Computer verschwunden. Hinzugewonnen als neuen Freund in facebook begrüßen wir  Pastor Malfono Ayhan Gürkan.

Es gibt noch mehre syrisch-orthodoxe Kirchen in Midyat, nur in wenigen werden noch Gottesdienste zelebriert. Hier von Verkündigungsindustrie und deren Diktat zu sprechen wäre notwendig, aber nicht angeraten . . .

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Malfono Ayhan Gürkan und wir haben Freundschaft in face book geschlossen und erhalten seine Nachrichten und wir denken an ihn und seine Gemeinde. Obwohl wir gar keine Kirchensteuerzahler sind!

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Das große Keksgeschäft an der Ecke, Proviant für die Weiterfahrt Nebenan ein weiterer Keksbäcker, lecker sieht es darin aus. Dürfen wir probieren? Gerne, kommt herein, er öffnet alle seine Behältnisse, wir wollten nur eins probieren. Greift zu und nehmt, soviel wie in euch hineinpasst. Zwei Kekspakete rollen weiter mit nach Sanli Urfa. Ein letzter Blick in einen Weinladen, die Flaschen syrisch bedruckt. Ja, wir sind Syrer aus Aleppo, der zerschlagenen Stadt. Syrisch sieht wertvoller aus. Die Preise etwas happig – oder wir zu geizig.

Ein kurzer Halt in Hasan Keyf, Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll, aber kein Fischer saß daran, zu fischen gibt es noch nichts. Ganze Ortschaften versinken im großen neuen Wasserreservoir. Zwietracht unter den Menschen, deren Eigentum versinken wird oder schon versunken ist und den scheinbar Glücklichen, die oberhalb eine neue Bleibe erhalten, erfahren wir. An einem neuen Sakralgebäude wird eifrig gewerkelt. Künftig werden weitere Besucher noch mehr Wasser sehen . . .

Bilder auch dieses Mal wieder von Luise, DANKE

 

 

 

 

 

Anatolien 5 – der Berg Nemrut


Anatolien 5 – der Berg Nemrut und sein Geheimnis

Weltausstellung 2000 in Hannover. Pavillon der Türkei. Vielleicht schon absehbar, dass dieses Land einmal unsere Wahlheimat sein könnte? Riesiges Panoramabild des Nemrut. Sehnsucht, ihn einmal besteigen zu dürfen; große Sehnsucht.

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Das erste Mal, es mag 2005 oder 2007 gewesen sein. Quer über Stock und  Stein, hinaufgekeucht, man ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Taksi, Taksi! Ein Esel hinter uns. Ihn zu besteigen kam nicht in Frage; was sollen denn die Leute denken. Den Großkopfeten Auge in Auge gegenüber zu stehen. . . Im Louvre Jahre zuvor blinzelte mir eine der drei Grazien zu, nur mir. Ein Lichtstrahl auf Ihrem Auge. Meine liebe Frau und ich schmunzeln heute noch.

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Zeus und seine Mitgötter und Mitkönige blinzeln nicht. Sie schauen dich an – und sie treffen dich ganz innen. Spinnerei? Mag sein. Doch wenn die Abensonne sich anschickt, die andere Hälfte des Globus zu erwärmen, dann leuchten sie für Minuten in reinem Gold. Spinnerei? Natürlich.

Auf der GAP-Tour nun Nemrut die Dritte. Im letzten Jahr schon war Ordnung beim Aufstieg geschaffen, kein Taksi mehr, Fußmarsch nach oben, Auswahl, ob Ost oder Westweg gewählt wird. „Genuss“ stinkender Dieselschwaden bis zur stillgelegten Mittelstation. Aufstieg dieses Mal über die Ostroute, die ist länger. Gut ausgebaute Stufen.

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Freudiges Wiedersehen mit den Damen und Herren aus Stein. Fröhlich haben sie nicht in ihre Welt geschaut. Dieses Mal blickten sie ausgesprochen abweisend; es war ein trüber Tag mit einigen kalten Tropfen vom Himmel, fast war man versucht, Tropfen an den angebufften Nasen zu finden – und diesen abzuwischen. Selbst die Sonne war nur zu erahnen.

Die Jacken zu-, die Nasen hochgezogen der Abstieg in die Dämmerung, ohne Taksi, ohne Dieselmief, laufen wir? Klar doch, und zwar bis unten zum Ausgang. Götter sind zuweilen launisch; ob sie zürnen ob der Frage, ob sie diesen grünlichen oder rötlichen Glibber, als Götterspeise angepriesen, selbst gegessen haben?

Müde. Glücklich. Nicht zum letzten Mal. Wir kommen wieder, wenn ihr besser gelaunt seid. Inshallah . . .

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. . . „und mitten auf dem Kurfürstendamm . . .  Vor der Brücke aus römischer Zeit in der Umgebung des Nemrut sieht Luise den Lieferwagen des Hotels im Örtchen Karadut, wo Andreas, Denniz und ich im letzten Jahr wohnten – und den Sohn, der uns die Umgebung zeigte und erklärte.

Bilder wieder von Luise

 

 

 

Anatolien 04/80 – Diyarbakir


Ich hab´ mein Herz in Diyarbakir verloren! Diyarbakir. D-i-y-a-r-b-a-ki-r-? Ganz genau da. Simmel stellte einst fest, dass es nicht immer Kaviar sein müsse. Es muss ganz gewiss auch nicht immer dieses Heidelberg sein. Auch nicht Amasya, das Heidelberg unserer Wahlheimat Türkei. Dort kommen die dicksten, die rotesten, die schmackhaftesten Äpfel der Welt her, direkt vom yesil irmak, dem grünen Fluss, ein Traumziel.

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Warum nun Diyatbakir, dieser geschundenen und derzeit mehr oder wenigr zwangsbefriedeten Stadt, der Hauptstadt der Kurden. Ich kann es nicht erklären, diese Stadt hat etwas! Gräulicher nasser Regentag. Die Kapuzen der Regenbekleidung bis obenhin verschnürt, schnüren wir, während die runden zweihundert Anderen abgefüttert werden, durch die Stadt.

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Im Innenhof einer vermutlich früheren Karavanserei schiebe ich gedankenlos die gefüllte Zuckerschale unter das tropfende Dach. Der Ober – pardon – zieht uns samt Tisch ins Trockene und trocknete den Zucker, vorwurfsvoller Blick, recht hat er! Nachmittags die obligatorische Führung durch den Sachkundigen. Ob er es kürzer macht? Dyarbakir hat so sehr viel zu bieten! Wir haben einen weiten Weg vor uns!

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Das Herz waidwund, abgerissen und teils wieder aufgebaut, offenbar mit Luxushäusern, ungeeignet sein sollend gegen künftigen derzeit schlafenden, sicher irgendwann wieder aufbrechenden angestachelten Hass der Ethnien gegeneinander im Häuserkampf. Straßen noch ohne Pflaster, mit Ansätzen zur Modernität. Der Innenhof der ehemaligen Karavanserei, heutigem Hotel, noch in der Vorbereitung für eine kommende Saison. Schöne grauweiße Fassaden, nicht ohne Blessuren.

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Orientalische Geschäftigkeit in Bazar und Stadtzentrum signalisieren selbstverständlich sein sollendes normales Leben. Vielfältig beobachtet von wohl hunderten Soldaten der Jandarma vor gepanzerten und stahlgeschützten Polizeistationen und auf der ständigen Wacht auf den Ein- und Ausfallstraßen. Freundliche Ratlosigkeit der jungen Soldaten, fragst du sie. Immer die höfliche und freundliche Auskunft, man wisse nicht, man sei hier selbst fremd . . . Man sei derzeit froh, durch die Präsenz hier zur Befriedung beizutragen, so ein Mehrsterniger.

Der lokale Reiseführer führt uns auch durch die weniger attraktiven Gegenden der Altstadt, Müll zuhauf, merkwürdige und wenig Vertrauen weckende Herumlungerer. Mitten drin öffnet sich eine Stahltür, der Eingang zum unvermeidlichen Museum. Der Eingang passierbar durch die neugierige Schleuse.

Ich bleibe draußen, eines der doppelten Herzen ist unverträglich gegen die Elektronik. Wenige Minuten später kommt einer der Bewacher heraus zu mir, lädt ein. Problem yok, komm mit, Yabanci, räumt einiges Gerümpel beiseite und ich genieße das Privileg, den elektronischen Wächter als vermeintlicher VIP umgehen zu dürfen – und wieder tote Steine bestaunen zu müssen, ja, zu müssen, es sind zu viele Museen und religöse Niederlassungen zu bestaunen auf dieser Tour..

Türkische Gastfreundschaft? Kurdische Gastfreundschaft?

Ich werde wieder nach Dyjarbakir reisen, um das verlorene Herz wiederzufinden und hoffentlich kommt Luise mit und hilft beim Suchen und beim Entdecken. Die Frage, warum Diyarbakir, ausgerechnet, heute ist sie nicht zu beantworten. Ist es nicht so bei uns Menschen, dass jeder Pott seinen Deckel findet, der kleine Dicke seine große Dürre, der Farbige seine blonde Angebetete und der Neugierige sein Diyarbakir. . .

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Bilder wie immer von Luiza