Südostanatolien: Mardin 04/18


Mardin, die Zauberhafte; Mardin, die am Hang hochgebaute Schönheit.

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Mardin, 1.325 m hoch im Taurus, nahe der Grenze zum durch Stellvertreterkriege zerstörten Syrien. Des Reiseführers Lyrik spricht von seiner fantastischen Umgebung, seinen antiken Bauwerken usw. und dass Mardin auf keiner Reise durch Südanatolien fehlen dürfe.

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Meine Frau war schon zweimal in Mardin und erzählte mir von den Schönheiten der Altstadt Mardins, große Vorfreude. In einem der drei Busse vor uns von Alanya Kent Konsey wurde eine Frau sehr krank. Meine Liebste hatte – natürlich – auch das lindernde Mittel. Was bedeutet Durchfall im Deutschen, ein Niederländer fragt interessiert. Ähem, Dünnschiss. Natürlich. Ein heftiger Knuff von rechts, vom Sitz meiner Frau, du kannst das auch höflicher als Diarrhoe erklären.

Vielleicht kommt es daher, dass  Montezumas Rache besonders hart ausfiel, am Abend im Bus. Noch fünfzig Meilen bis Buffalo. Noch 20 Minuten bis zum Hotel. Die Peristaltik ist ganz anderer Meinung. Bus vier an Bus eins: Mayday mayday! Nothalt, die Rettungsgasse frei, Sprung hinter den Busch. Die Ouvertüre von mehreren Akten.

Halt vorm Hotel, Spurt hinein, ein getretener Fuß, ein strauchelnder Rollkoffer, ein Aufprall auf den Türsteher. Der fackelt nicht und wendet Unheil ab, er bahnt mir den Weg in die Kabine, Rettung in letzter Sekunde. Eine ziemlich lebhafte Nacht und einen folgenden Tag im Bett geht das. Mardin blieb unbesucht, aber es besuchte mich während der Pausen. Zwei der unzähligen neuen Fünfzehnstöcker schauten über den Balkon.

Von Mardin habe ich mit Muße nur die herrlichen handgearbeiteten und verzierten Möbel im Foyer des Hotels bewundern können. Sie stammen aus dem Nachlass der Großeltern des Hotelbesitzers. Mehr vielleicht ein nächste Mal, Inshallah. Was haben wir gelernt daraus, lästere nie über andere und erkläre selbst einem Holländer, das ein Durchfall aus einer Diarrhoe besteht und rede nicht von einem D…….is.

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Es gibt noch viele Erlebnisse von der Gemeinschaftsreise mit Alanya Kent Konsey nach Anatolien, von offenbar kompetenter Kommentierung als Karawane apostrophiert.  Festgehalten auf dem Plattfisch – und durch den falsch gedrückten Knopf in den Orkus verschüttet.  Nun rekonstruiert aus dem Kahlkopf heraus, in ca. sechs Beiträgen.

  • alle Bilder von meiner Frau . . .

 

 

Jeister? Et jibt se noch . . .


Jeister? Et jibt se noch . . .

Vom Mittwoch auf diesen Donnerstag ganz genau um 24:15 Uhr strecken wir die wehen Knochen beim Ausstieg aus dem Bus, packen die Hackenporsches und ersteigen den tief schwarzen Berg hinauf zu unserer Mahalle hinter dem wild schäumenden Dimcay. Mitten drin ein schwirrender schwarzer Schatten quer hinüber. Nachteule? Eher eine verspätete Reiterin auf dem Besen. Schließlich ist es die Walpurgisnacht.

Iyi yolculuklar! Auf dem tiefdunklen Dreiviertelaufstieg schlägt Hundhund an, hosh geldiniz Komshular. Aus dem tiefsten Dunkel springt Katzekatze meine Frau an und lässt sie die ganze Nacht nicht mehr los. . .

Wir sind wieder da, zurück aus Anatolien!

 

 


Montags. Morgens. Markt. Manavgat

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Peine und Manavgat haben ein Gemeinsames. Beide liegen im Nahbereich größerer Stadtgebilde. Peine in Niedersachsen nahe Hannover. Manavgat biedert sich bei Alanya an. Nur würde es keinem Hannoveraner einfallen, etwa nach Peine zu reisen, nur des Marktes wegen.

Ganz anders Manavgat, ein überaus geschäftiger Ort mit immer besser werdendem flair. Ein etwa in die Jahre gekommener Bus mit einem dto. Kaptan nimmt die Vergnügungssüchtigen für elf TL mitten hinein in die Stadt. Die Beschicker schicker Winterkleidung maulen vor sich hin, ihre warmen Sachen, sämtlich in € ausgepreist, wollen sich nicht von der Stange bewegen.

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Auf in den riesigen essbaren Teil – in einer neuen Markthalle, luftig in ihrer neuen Dachkonstruktion – ein Genuss. Wir hatten nicht vor, unsere Möhren und Salatblätter künftig in Manavgat zu erwerben. Es bleibt bei einer Schachtel Süßem, ohne Zuckerzusatz aus Keciboynuzu lokum, fein gemahlenem Mehl aus der Frucht des Affenbrotbraums. Gewöhnungsbedürftig. Gesund!

Nachmittags auf der Promenade am Fluss. „Unser“ Kitapkahve, dem Buchladen, in welchem es auch Kafee gibt, oder Café, vollgestopft mit Büchern, voller Sonnenanbeter.

„Kommt auf mein Schiff, ihr Beiden! Wir trinken einen Tee zusammen. Wenn ihr noch drei Mitfahrer habt, fahre ich euch auch, Probefahrt! Wenn ihr mal zehn bis fünfzehn Leute seid, dann koche und brate ich auch Leckeres, wir schippern einen ganzen Tag, immer mit erholsamen Pausen!“

Abends regnet es, was der Himmel heute so hergibt, gök gürültüsü, Himmelslärm. Aber erst. Als ein etwas in die Jahre gekommener Bus mit einem dto. Kaptan uns wieder heimbrachte und die Haustür hinter uns zufiel.

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Grüße an unsere Freunde in Manavgat in der gläsern gewordenen Belediye, an unsere Freunde in Bizim köy – und auf bald – hier oder dort!

Eine kleine Frühlingsweise . . .


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. . . nahm mein Herz mit auf die Reise – in den frühlingswarmen Sonntag einen Tag nach Karnevalsbeginn in einem Teil Deutschlands. Unsere Sonntagsreise endete geplant in der immerhin sechzig Kilometer entfernten Stadt Manavgat – wieder einmal. Die lebhafte und fast touristenfreie Stadt Manavgat liegt ungefähr auf halbem Wege zwischen Alanya und Antalya.

Selbst an einem Sonntag ist hier Leben, unser Ziel, die Bootsfahrt auf dem Fluss bis ins Mittelmeer und wieder zurück konnten wir uns abschminken. Keiner der Eigner der schönen Holzboote war bereit, nur für uns zwei Menschlein die Boote anzuwerfen. „Hat es sich noch nicht bis zu euch herumgesprochen, dass die Saison gelaufen ist? Wer zu spät kommt, den bestraft die Schifffahrt.“

Wir genossen das milde Frühlingssonnenlicht mit den farbigen Lichtern rundum, und das an einem Sonntag, am zwölften November Zwanzigsiebzehn. Zumal heute der Tag des Nichtzählens war. Sonst wird bei uns Beiden jede Kalorie wenn schon nicht auf die Goldwaage, dafür auf die bis zu einem Kilo Gewicht zählende Taschenwaage.

Heute bissen wir mit Genuss ohne Reue in die fetten süßen Kuchenteile. Ab Morgen wird wieder Kohldampf geschoben, nein, gar so schlimm isst man nun wirklich nicht. Aber die Pfunde sind verschwunden und werden nicht herumgetragen, ein gutes Gefühl!

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Die Mahalle hinter dem wild schäumenden Dimcay hat uns zurück, Manavgat, wir kommen gelegentlich wieder! Die Sonne wärmt immer noch, aber in einer dreiviertel Stunde wird es schwarz vor Augen, nach fünfzehn Minuten ist es duster.

Eine kleine Frühlingsweise nimmt mein Herz mit auf die Reise – Richard Tauber sang es, als Deutschland sich noch nicht verdunkelte.

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Hi Nemrut, wir sehen einander wieder – Inshallah!


Hi Nemrut, wir sehen einander wieder – Inshallah!

Bildergebnis für Nemrut Türkei Bilder kostenfrei Bild Sunexpress

Expo Zweitausend in Hannover – Großes Bild des Berges Nemrut im Pavillon der Türkei – Sehnsucht.  – steiler Aufstieg – freundlicher Ruf Taksi Taksi – ein Eselchen sollte den Alten nach Oben transportieren – höflicher Empfang der steinernen Herren hoch oben auf fast dreitausend Metern – angefixt – trotz Heerscharen fotografierender Japaner – trotz leicht nässender Kälte dieser Sonnenuntergang – er wurde erlebt –  das war im Jahr zweitausendsieben.

Die Droge Nemrut wirkte ein Jahrzehnt nach. Heute, am, dreißigsten Juli 2017 Buskarten erworben für den kommenden Sonnabend abends um zwanzig Uhr für den kleinen Weg Alanya Otogar nach Adyaman. Ankunft am Sonntag gegen neun Uhr. Dann nur noch so sechzig Kilometer weiter in das Kaff am Fuß unseres Zieles. Die Erfüllung der Sehnsucht und des Wiedersehens mit dem Weltkulturerbe Nemrut. Mit von der Partie meine beiden Freunde Andreas und Deniz. Die beiden Berliner und Freunde seit sieben Jahren sind neugierig, die andere, die ursprüngliche Türkei außerhalb der ausgelatschten Touristenrouten kennen zu lernen und in die Zeit um runde achthundert Jahre v. Chr. einzutauchen.

Bildergebnis für Nemrut Türkei Bilder kostenfreiBild Göbeklil Tepe – mit der Hoffnung, den Großkopfeten mit dem ersten Sonnenstrahl unsere Aufwartung machen zu dürfen . . .

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An der Südflanke des Taurusgebirges, auf 2.159 Metern Höhe, begraben unter knapp 200.000 Kubikmeter Geröll und Felsgestein, vermuten Archäologen die Grabkammer des sagenumwobenen Herrschers Antiochos, der einst die Mythen der alten persischen Großreiche in Einklang brachte mit dem Lebensstil der Griechen und Römer.

 

Auf Euch soll´s rote Rosen regnen . . .


Auf Euch soll´s rote Rosen regnen . . .

Bild könnte enthalten: Dämmerung, Himmel, Ozean, Natur, im Freien und Wasser

Abend am Eğirdir See.
Akşam Eğirdir gölünde Foto Luise Hockenholz

Dieser See soll, neben Isparta, der einzige Hinweis auf die Geographie sein, die ein Wochenende mit uns verbracht hat. In Sachen Rosen, Rosenfest, Rosenmarmelade, Rosenschmiere für Gesicht und Hände, Rosen um die Hirne von Rosenreslis und Rosinanten gewickelt. Rosen eben.

Rosen, jene ungezähmten Ursprungs, wie sie einst der Schöpfer den Menschen zur Seite stellte, sie wachsen zu Millionen hoch oben im Taurus um die Stadt Isparta auf der Taurushochebene. Unscheinbare Blüten, die in diesen Wochen zu Millionen geerntet werden und deren Duftwunder uns erfreut. Einige Dutzend durften wir mit kalten klammen Fingern selbst ernten. Nun verduften sie allzu schnell.

Vier Kilogramm Rosen sind vonnöten, um ein einziges Gramm kostbaren Rosenöls zu erlangen. Die Werkanlagen, in welchen die Kostbarkeit gewonnen wird, nichtssagende kühle Technik. Sehens- und hörenswert, wenn Osman bey, Herrscher über die  Damaszener Rose, ihre Herkunft und ihre Ausbeute berichtet. Im Herbst sei die Freundschaft  erneuert und für das  Frühjahr eines hoffentlich neuen Jahres verspricht er uns vorgezogene Stecklinge der optisch so unscheinbaren Sorte, die  so unendlich gut duftet.

Der Abend am Eğirdir See, er soll der zweitgrößte Binnensee unserer Wahlheimat Türkei sein, war der Höhepunkt nach dessen Umrumdung. Lichtkristalle auf dem Wasser, Sonnen- und Schattenspiele an schroffen Felsformationen, Blüten, die Aufnahme jeder Faser an Eindrücken. Kleine Pausen fast im Minutentakt, halt  mal, guck mal da den Stein, die Blüte, den Eindruck. Klaudias Finger am Knopf der Kamera angeklebt, hier wächst ein neues Fotobuch heran.

Die Bedürfnisse des Alten erheblich näher am Boden. Ist erst alles wieder korrekt verpackt, sieht er das Naheliegende,  Wachsende. Frische nach Natur duftende Wacholderbeeren auf Augenhöhe. Sie konservieren sich selbst und warten auf Futter, das nach Wacholder schmecken soll. Hmmm…

Alte und verdrießlich gewordene Kerle sind abhold einer jeglichen neuen Freundschaft. Abendliche Gänge in der Dämmerung und in der Dunkelheit veränderten die Sichtweise. Knut und ich erklärten einander die Welt auf der nächtlichen Rückkehr von einer missratenen Lokalempfehlung. Unsere Welten lagen gar nicht so weit auseinander… Riecht und schmeckt nach mehr! Abschied zwischen Dreitage- und Vollbartkontakt rechts und links, nicht politisch umdeutbar. Knut, Knuhuut, machen wir bald weiter in Sachen Freundschaft zwischen Bizim köy und Sarağlar Mahallesi? Grüße und Dank!

 

 

Reise-inspirations by Otogar


Frühling wird es allerorten, heute hier hinter dem wild schäumenden Dimçay kommt er mit sonnigem doch eiskaltem Brausen, bläst die Krümel des letzten Winderschlafes aus den Augen. „Wo hin in unserer Wahlheimat Türkei fahren wir denn?“ Meine Liebste insistiert; wo hin ich denn gerne … Grunzen über den Frühstücksteebechern, meine zugegeben unhöfliche Antwort:

Da, wo ich hin, oder gerne nochmals reisen würde: şanlı Urfa, noch einmal zu den Großkopfeten hoch auf dem Berge Nemrut, nach Karamanmaraş, noch lieber nach Dayarbarkır ins noch unbekannte und und und, alles belegt mit Bedenken, derzeitigem Bedenken.

„Warum fahren wir nicht einfach – so, wie vor über zwanzig Jahren aus Deutschland: in die Türkei? Wir latschen einfach zum Otogar, lassen uns von den vielen Anbietern und ihren Aushängen inspirieren? Oder wir trotteln an den abfahrbereiten Fernbussen vorbei – wer fährt wann wohin – und buchen zwei Plätze im abfahrbereitesten Bus und dann schaun wir mal … es ist fast überall so schön, so interessant in unserer Wahlheimat – und überall auf unseren vielen Reisen trafen wir interessante Menschen und die für die Türkei bekannte Gastfreundschaft. Ein Bettchen finden wir überall…Ob wir schon mal probeweise auf dem otogar flanieren, frisches zimmit auf der Faust….

Aber nun reist meine Liebste morgen gleich sehr früh am Morgen mit der Lehrergewerkschaft für mehrere Tage in ein Thermalhotel – iyi yolculuklar, Luiza! Schließlich hast du mir das Tiefkühlfach lecker vollgekocht …