Die Yalda-Nacht


Die Yalda Nacht ist uns erst nach fünfundvierzig Jahren gestern vor der Abreise von Aziz und seiner Begleitung bekannt geworden. „Zur Yalda-Nacht sitzen wir gerade im Flieger zurück nach Teheran. Sooo lange sind wir Freunde miteinander und erst buchstäblich vor dem Taxi erklärt Aziz uns noch fix, wie ähnlich Yalda- und Weihnachtsnacht einander sind.

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Dieser Brauch ist viel viel älter als das Christentum und seine Bräuche in der westlichen Hemnisphäre. Beide symbolisieren den Sieg des Lichtes über die Finsternis.“

In der längsten Nacht des Jahres treffen sich traditionell alle Familienmitglieder und Freunde, um das Fest gemeinsam am zentralen Wärmepunkt, den Korssi, zu erleben. Der Korssi ist ein niedriger, viereckiger Tisch, unter welchem sich eine Schale mit heißen Kohlen befindet. Daran können sich die Anwesenden die Füße beziehungsweise den ganzen Körper wärmen. Heute, im Zeitalter von zentralen und mobilen Heizungssystemen, finden sich jedoch nur noch sehr selten traditionelle Korssi in den Häusern.

Jedoch treffen sich noch immer Familie und Freunde, um gemeinsam zu feiern und sich über die nun länger werdenden Tage zu freuen. Die Gestaltung der Feier ist durch die Vielfältigkeit des Vielvölkerstaates Iran sehr von regionalen Bräuchen abhängig.

Die Yalda-Nacht gilt auch als die Nacht der Liebenden, die sich gegenseitig beschenken und gemeinsam fröhliche Lieder singen. Während einzelne Festelemente in verschiedenen Regionen des Irans variieren, gehört die Lesung und Schicksalsdeutung aus der Gedichtsammlung (persisch Diwan) des berühmten persischen Dichters Hafiz zu den unverzichtbaren Pflichten, die nicht vergessen werden dürfen.

Essen und Trinken hält auch bei den Persern Leib und Seele zusammen, Schwerpunkt ist der Granatapfel, teils zu “Weihnachtsbäumen“ gehäuft. Aus meinen Zeiten vor und nach der Revolution und später noch weiß ich um die Gewichtszunahme . . .  Fröhliche Yalda-Nacht, ihr Fröhlichen da hinten im Iran, dem uralten Persien.

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Bilder und Textteile aus Brauchwiki.de

 

 

 

 

HFIZdesHafiz

Aziz kommt! Aziz kommt wieder! Aziz kommt. . .


Aziz kommt! Aziz kommt wieder! Aziz kommt. . . 

. . . . heute Abend wieder Aus Teheran über Istanbul nach Gazıpaşa – mit dem sogenannten Lumpensammler. Freude hier – und die Fülle von Erinnerungen über Jahrzehnte. Nur mal so:

Teheran 1979. Ein Jahr nach der Revolution im Iran.

Im Jahr zuvor erlebte ich, wie hunderttausende Iraner auf den Dächern lautstark intonierten, der Schah Reza Pahlevi müsse verschwinden. Nun war er in Paris, die Dächer leer, die Straßen voller Menschen!

Mein Freund Aziz, glühender Verfechter einer neuen Zeit, Anführer einer Revolutionsgarde nahm Urlaub, extra für seinen damals noch jungen lieben Gast aus Deutschland. Wir kannten uns seit seinem Studium Maschinenbau in Hamburg, oder noch früher? Weiß nicht mehr.

Zusammen mit seinen Freunden gönnten wir uns eine jungenhaft fröhliche Auszeit am Kaspischen Meer im Hotel Hayat Regency. Sensation am Abend, ein Filmabend im Hotel.

Ein amerikanischer Filmfetzen, war wohl vergessen worden bei der großen Vernichtung.Übervoller Saal, Vergnügen wurde von den Revolutionswächtern wohl zugeteilt.

Neben dem Vorführgerät ein Vollbart, der gefürchtete Herr Zensor. Bei jeder Kuss-, jeder Knutschszene fuhr seine Hand vor die Linse. Nur ein Einziger verbiss sich das Lachen – und prustete unverhofft los. Aziz und sein Freund hielten hielten dem um Fassung Ringenden den Mund zu und eskortierten ihn – mich also im Eilschritt aus dem Saal: „Peter, das ist verboten! Wenn ein Zensor amtshandelt, hat das niemand lustig zu finden. Oder hättest Du gerne dreißig Peitschenhiebe also „Sofortbonus?“ Diese Leute mit ihrer frommen Polizei gibt es noch heute im Iran.

In der Morgenfrühe, so gegen fünf Uhr in der Dämmerung hämmert es an die Hotelzimmertür. Drei schwarzvermummte Damen, Marke Flintenweiber dringt ein, sie inspizieren mein schlafwarmes Bettchen, schauen in den Schrank, gehen ins Bad, riechen am Wasserglas, der Spuk verschwindet wieder. Grußlos. Aziz spielt das später herunter, das sei nur die Qualitätskontrolle gewesen. Aha? Dreißig Peitschenhiebe? Nein, fünfzig. Bettchen, Wasserglas und mein Herzlein waren porentief rein, Allah sei gedankt!

Heute so gegen Mitternacht klingt es etwas lauter von hinter dem wild schäumenden Dimçay, es sind lange schon nicht mehr die jungen Wilden von dunnemals, eher alte Säcke, Aziz bringt seine Neue m it . .

 

Von Normalnull auf Tausend in einer Stunde


Von Normalnull auf Tausend in einer Stunde

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Wandern mit Halil von Fam-Tours beginnt mit dem Auto, so ist der erste Anstieg von Alanya nach Mahmutseydi leicht geschafft.

Nach dem Besuch der alten Camı – wie oft sind wir schon dort gewesen – geht es mit flotten und noch frischen Schritten mehr bergauf wie umgekehrt. Die Tempomaten geben, wie es der Brauch ist, das Tempo vor. Die Wanderwaden kommen rasch auf Vollgas. Es bleibt hin und wieder auch Zeit, die Nase in den Wind und die Augen in die Natur zu senden.

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Die Steine selbst, so schwer sie sind, sie pieken hin und wieder in das zarte Fußfleisch, hin und wieder fasst ein stachliger Zweig an deinen Ärmel, weiter, es riecht nach Pflanzen, nach frischer Herbstluft, nach den Früchten des Waldes.

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Da gibt es Rotes vom Erdbeerbaum, köstlich. Diese aromatischen Dinger heißen tatsächlich Erdbeeren und so schmecken sie auch.

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Weiter, weiter, weiter, von den ersten Mitwandernden , mich eingeschlossen, höre ich unterdrückte Schnappatmung; niemand will ich blamiert fühlen. Fünf Kilometer werden so lang wie deren zehn. Es gibt eine natürliche Umgebung rund um Antalya, die lohnt es, entdeckt zu werden.

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Das ist Ahmets kleines Privatmuseum, sehr sehr sehenswert, leider geschlossen, Herbstes Zeit . . .

Wie, es gibt keine Wegweisungen, alles so wie es seit Jahrhunderten gedieh, einschließlich der massenhaften teils herrlichen Schwarzbauten? Es gibt Wegweiser! Sie hängen  mit Flatterbändern von den Bäumen, nicht zu übersehen. Auch hintereinander gelegte Colaetceteradosen. Sie zeigen dem Wandernden, wo es lang geht. Und sie sind nicht mit weiterem Unrat in die Wälder gekippt. Wir sehen das nur, bleiben auf steinigen Pfaden.

Leute, wandert bald, bald ist es alles mit Abfall verfüllt, scheint hierzulande ein Kulturgut zu sein!

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Halbzeit bei glühheißer Ispanakgözleme, Pause, Ausstrecken der angesäuerten Muskeln. Die Wandervögel trennen sich, die einen wandern weiter. Zweie lassen einen fahren. . . Mein Level war erreicht. Meine Liebste unter den Wandervögeln zu erreichen war nicht möglich. Ich bin in ein langes und tiefes Funkloch getreten So ein Schiet, aber immer noch besser als in einen frischen und noch dampfenden . . .

 

Es war eine Strecke und eine Wegführung, auf der einem das fröhliche Liedlein und das Hutschwenken erspart blieb. Umwerfend schön, aber die morschen Knochen – aua. Das faltbare dritte Bein hängt wieder im Schrank. Eine Traumstrecke, aber für eine jüngere Liga. Halil, du bist so voller Ideen, vielleicht, wenn mich der Hafer stechen sollte, könnte ich doch noch mal wieder – oder ich höre auf die Kanzlerin: WIR SCHAFFEN DAS!

Side! Alle fünf Jahre ein Besuch – mal gucken . . .


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Side! Alle fünf Jahre ein Besuch – mal gucken . . .

  •  Side hat sich rundum modernisiert, insoweit es bei seiner ruhmreichen Vergangenheit schöner werden konnte und – oder – moderner. Zu Side verbindet uns etwas Besonderes.
  • Vor runden 25 Jahren auf unserer ersten Reise in die Türkei landeten wir unverhofft dort. Ein freundlicher Türke rettet uns vor den Geiern, die hier Taksi heißen; wollt ihr mit nach Side? Wir wollten.

Die Unterkunft war gerade so akzeptabel, unsere Zehen stießen beim Baden an halb versenkte Artefakte aus römischer Zeit, einen Hafen gab es überhaupt nicht, die Budenbesitzer aufdringlich bis  handgreiflich, eben Side dunnemals.

Alle fünf Jahre schauten wir nach, wie Side sich veränderte. Heute, am 07.10.2018 war Side wieder dran. Der Apollontempel steht, viele Säulen sind wieder auferstanden, die Stadt wurde menschlicher, die Verkaufshyänen weniger aufdringlich.  Liegt es an der Müdigkeit nach einer allzu erfolgreichen Saison?

Viele Bauten aus römischer Zeit modern ergänzt. Geradezu baulich so intensiv neu, als wolle man den Bauherren der damaligen Zeiten zeigen, wıe rechtes Bauen geht. Der Rundgang wie immer anregend – so weit die müden Füße tragen konnten.

Die Preise etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man aus der übrigen Türkei in Side anlangt. Uns war nicht bekannt, dass Side der Europäischen Zahlungs-Union anzugehören scheint, das Zahlungsmittel ist der Euro und so gut wie alle Anbieter von Dienstleistungen oder Waren oder Genußmitteln zeichnen in Euro aus. In der nur ungern genommenen türkischen Lira kostet dann so ein Eis mit Schokoladendeckel obendrauf eben TL 10.– (in Worten: zehn TL). Das nur am Rande.

Freundliche Deutsche riefen ihr Töchterchen laut mit ihrem Namen: Şantalı; klingt besser als in deutsch. Tschüß Side, wir sehen einander 2023 wieder,. Inshallah!

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Es blaut nicht mehr so blau


Es blaut nicht mehr so blau in Alanya, am Himmel ist weniger Verkehr

blauer Roller

Meine liebe Frau fliegt nicht mehr tief mit ihrem blauen Rennroller. Der wird seit gestern von einem jugendlichen Liebhaber des Rollerseniors gefahren. Er riss, wie sie mir sagt, ihr den Roller fast aus der Hand, um ihn künftig bewegen zu dürfen. Der Alte sieht eben sehr sehr jugendlich aus, hat nur wenige Schrammen, noch den ursprünglichen Lack. Der Lack ist noch nicht ab!

Wie oft wurde Luiza unterwegs angesprochen: verkauf mir den! Nun haben behördliche Besonderheiten in unserer Wahlheimat Türkei das notwendig gemacht. Der neue mit gerade mal dreizehn Kilometer auf dem Tachometer wird noch eingefahren. Schick sieht er aus, die Zusatzleuchten des Alten sind überflüssig geworden, die sechs Volt Batterie leuchtete – na jaaaa, der Berg hinauf in die Saraglar Mah. tauchte die Schlaglöcher in sanftes, doch gefährliches Dunkel. Das neue Zwölfvoltlicht macht die Dunkelheit eben heller.

Der Neue leuchtet hinten wie vorne überzeugend hell. Zwei schicke Backentaschen hat er auch. In die passt viel Futter – auch für mich. Mit dem Alten, das bin nicht ich, pflegte sie über Verkehrshindernisse einfach hinwegzufliegen. „Ehe diese Autofahrer bei Grün ihre Augen öffnen, bin ich längst am Ziel!“

Iyy yolculuklar, meine Liebste, immer gute Fahrt. Komm immer gesund zurück nach Hause und verschütte in den neuen Backentaschen keinen Yoghurt!

neuer Roller

 

 

Südostanatolien: Mardin 04/18


Mardin, die Zauberhafte; Mardin, die am Hang hochgebaute Schönheit.

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Mardin, 1.325 m hoch im Taurus, nahe der Grenze zum durch Stellvertreterkriege zerstörten Syrien. Des Reiseführers Lyrik spricht von seiner fantastischen Umgebung, seinen antiken Bauwerken usw. und dass Mardin auf keiner Reise durch Südanatolien fehlen dürfe.

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Meine Frau war schon zweimal in Mardin und erzählte mir von den Schönheiten der Altstadt Mardins, große Vorfreude. In einem der drei Busse vor uns von Alanya Kent Konsey wurde eine Frau sehr krank. Meine Liebste hatte – natürlich – auch das lindernde Mittel. Was bedeutet Durchfall im Deutschen, ein Niederländer fragt interessiert. Ähem, Dünnschiss. Natürlich. Ein heftiger Knuff von rechts, vom Sitz meiner Frau, du kannst das auch höflicher als Diarrhoe erklären.

Vielleicht kommt es daher, dass  Montezumas Rache besonders hart ausfiel, am Abend im Bus. Noch fünfzig Meilen bis Buffalo. Noch 20 Minuten bis zum Hotel. Die Peristaltik ist ganz anderer Meinung. Bus vier an Bus eins: Mayday mayday! Nothalt, die Rettungsgasse frei, Sprung hinter den Busch. Die Ouvertüre von mehreren Akten.

Halt vorm Hotel, Spurt hinein, ein getretener Fuß, ein strauchelnder Rollkoffer, ein Aufprall auf den Türsteher. Der fackelt nicht und wendet Unheil ab, er bahnt mir den Weg in die Kabine, Rettung in letzter Sekunde. Eine ziemlich lebhafte Nacht und einen folgenden Tag im Bett geht das. Mardin blieb unbesucht, aber es besuchte mich während der Pausen. Zwei der unzähligen neuen Fünfzehnstöcker schauten über den Balkon.

Von Mardin habe ich mit Muße nur die herrlichen handgearbeiteten und verzierten Möbel im Foyer des Hotels bewundern können. Sie stammen aus dem Nachlass der Großeltern des Hotelbesitzers. Mehr vielleicht ein nächste Mal, Inshallah. Was haben wir gelernt daraus, lästere nie über andere und erkläre selbst einem Holländer, das ein Durchfall aus einer Diarrhoe besteht und rede nicht von einem D…….is.

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Es gibt noch viele Erlebnisse von der Gemeinschaftsreise mit Alanya Kent Konsey nach Anatolien, von offenbar kompetenter Kommentierung als Karawane apostrophiert.  Festgehalten auf dem Plattfisch – und durch den falsch gedrückten Knopf in den Orkus verschüttet.  Nun rekonstruiert aus dem Kahlkopf heraus, in ca. sechs Beiträgen.

  • alle Bilder von meiner Frau . . .

 

 

Jeister? Et jibt se noch . . .


Jeister? Et jibt se noch . . .

Vom Mittwoch auf diesen Donnerstag ganz genau um 24:15 Uhr strecken wir die wehen Knochen beim Ausstieg aus dem Bus, packen die Hackenporsches und ersteigen den tief schwarzen Berg hinauf zu unserer Mahalle hinter dem wild schäumenden Dimcay. Mitten drin ein schwirrender schwarzer Schatten quer hinüber. Nachteule? Eher eine verspätete Reiterin auf dem Besen. Schließlich ist es die Walpurgisnacht.

Iyi yolculuklar! Auf dem tiefdunklen Dreiviertelaufstieg schlägt Hundhund an, hosh geldiniz Komshular. Aus dem tiefsten Dunkel springt Katzekatze meine Frau an und lässt sie die ganze Nacht nicht mehr los. . .

Wir sind wieder da, zurück aus Anatolien!