Çöp – sprich Tschöpp – Çöp ist Müll


Çöp – sprich Tschöpp – Çöp ist Müll

Besonders scheußlich ist dieser Çöp, wenn er sich am Wegesrand höher und höher auftürmt und zum Himmel stinkt. Unsere Hütte steht am Rande eines Grundstücks, das niemandem gehört, also im Staatseigentum steht.

Missverständlich, denn dort kann ein Jeglicher seinen Dreck loswerden. Ein einziges Mal lief ich da gerade herum, als eine eigentlich ganz liebe Nachbarin ihren Çöp im hohen Bogen ent-sorgte. Rennt schnell, wenn eine erwischte Türkin in hohem Diskant laut kreischend loslegt; ich türmte, Angriff scheint zur Kultur zu gehören . . .

Über wild gewordenen Tschöpp wurde ja schon häufig gejault, aber vom Jaulen geht er nicht weg. Heute auf dem etwas mühselige Aufstieg stürmt meine Liebste los vor einen Camion der Gemeinde Alanya, direkt neben dem corpus delicti, ob sie nicht – einer der drei reicht ihr sein Taschentelefon aus dem Fenster, hier, los ruf Necati an, sags ihm, wenn du das machst, dann wirkt das anders, als wenn wir –

Necati: ich komme sofort – und er kam sofort und nicht erst Stunden später, wie man es gemeinhin kennt. Drei Hilfsbereite laden auf, was sie greifen konnten; nicht ganz einwandfreie, deutlicher, vollgepiete Matratzen und sonst noch so einiges. „Morgen kommen wir noch einmal, bringen einen Greifer mit und greifen uns den übergroß gewordenen Rest auch noch.

Ein für diese heilige Adventszeit unheiliger Gedanke keimt bei mir – wenn sie doch gleich noch – nein nein, das sagt man jetzt nicht – Advent, Advent, ein Lichtlein brennt doch!
Morgen Kinder, wird´s was geben, eine saubere Straße, zumindest eine zeitlang.

Nie, nie, nie wieder werde ich ein kritisches Wort über die Behörden in Alanya loslassen, die Reihe der Hilfsbereiten ist um einen Necati ergänzt, çok tessekür ederiz, Necati bey!


Hunde, wollt ihr ewig leben? 

Natürlich wollen wir das! Nicht nur im Sommer, wenn wir wilden Köter von Mitleidigen, die ihren Urlaub hier verbringen. Sondern auch, wenn diese wieder in Europa oder sonst wo in der Welt ihrem Broterwerb nachgehen. Wir wollen unter Menschen weiter leben, die unsere Kötersprache sprechen.

Ebenso natürlich hat dieses Gespräch in dieser Form nicht stattgefunden, sondern mit Susanne und Manfred, Kenner und Übersetzer der Hundesprache, assistiert von Luna. Das Gespräch wurde nicht vorher aufgezeichnet, sondern mit dem Füller in eine Kladde gekliert.

Beide Freunde erzählten schon vor langem, dass sie sackweise Hundefutter für Straßenköter spenden; meist geht das im freundschaftlichen Austausch mit vielem Interessanten unter.  Vor zwei Tagen war die Rede erneut, dieses Mal von sieben Sack voll mit Knüddeln. Ali holt das immer bei uns ab, über Ali aber später.

Manfred und Suanne, besser und korrekter Susanne und Manfred 55 und 56, aus Hamm in Westfalen, nunmehr ebenso zu Hause wie wir, also hinter dem wild schäumenden Dimçay, wir dürfen deren Freunde sein, haben ihren Blick für das Wesentliche aus ihrer Heimat mitgebracht. Wir kennen einander aus Bombolas einst noch guten Zeiten. Unsere Frauen haben aktiv den Kleiderladen mit Schwung gemanagt, nach Jahren war das Engagement nicht mehr gefragt, fragt man sich heute noch.

Hier nun kommt Ali ins Spiel – und dieser Ali macht mich sehr sehr neugierig. Er habe in Sachen Hund, die keinen Besitzer haben oder Hunde, deren Besitzer sie an die Kette legen und verkommen lässt, Vollmachten von der Stadt Alanya. Davon scheint es mehr als genug zu geben. Ali, der noch Unbekannte, kümmert sich um Kastrationen, um Streicheleinheiten, vor allem um Futter für Viele. Ali kenne aber auch keine Grenzen, wenn es zu viel wird, weil zu Viele ihren Köter loswerden wollen. Das macht ihn stinkwütend. Aber er macht auch zu. Seinen Telefonanschluss unterdrückt er, wenn ihm ein Ohr oder beide Löffel abgequatscht werden, in facebook kündigt er notwendige Pausen zur Selbstbesinnung an.

Ali, Unbekannter, der Hunde liebt und darüber nicht nur in facebook berichtet und der sich offenbar nur Wenigen zu erkennen zu geben scheint, wollen wir? Miteinander? Fragt dich ein Neugieriger

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Vorlaute neue Couch . . .


Kürzlich leisteten wir uns eine neue Sitzgelegenheit vor der Glotze, eine neue Couch. Rendite steckt da nicht mehr drin, aber der Wunsch nach einer neuen Bequemlichkeit. Vor dem Sitzen kommen die Beanstandungen, offenbar Standard in unserer Wahlheimat.

Erst schlug sie Altersfalten, etwas früh für die Neue. Leicht widerwillige Reaktion, wer lässt sich schon mangelnde Schönheit vorwerfen, schon gar nicht bei Altersfalten, welche Wellen schlugen beim Drauflümmeln.

Das eigenwillige Möbel wurde gestrafft, aufgefüllt und freudestrahlend wieder in Empfang genommen, was machen da schon einige Wochen Abwesenheit aus. Schließlich sind wir noch rüstig genug, uns von  den Polstern der Alten, natürlich der alten Couch, vom Boden zu erheben,  man gönnt sich ja sonst nichts.

Ich komme zum Punkt: die Aufgebrezelte macht Geräusche. Es klingt beim Aufstehen wie beim Hinplumpsen wie ein unanständiges Geräusch, wie ein Furz! Missbilligung aus der Ecke meiner Liebsten, ob ich . . . Nein! Ich war das nicht. Aber es klang so, der Haussegen bewegte sich leise an der Wand. Ich stehe auf, gieße mir einen zum Trost der wunden Seele ein . . . Inzwischen gewöhnten wir uns an diese Art der Soffamitsprache, grinsend uns gegenseitig bezichtigend.

Aber was sollen die Leute denken? Wenn sie schnüffelnd und strafend und missbilligend herumschauen und wir verlegen genug wegschauen, Fremdschämen.

Erster Advent im Jahre des Herrn Zweitausendachtzehn

 

 

 

Regentropfen, die an meine Fenster klopfen . . .


Regentropfen, die an mein Fenster klopfen . . .
Das war gestern! Heute ging es nächtens erst richtig los mit der Wasserverschwendung von ganz oben: Wasserflatschen, die an mein Fenster klatschen.

Ganz im Zeitalter der internationalen Gedenktage, Ausdruck von Nichttätigsein und Wegsehen zum Zeitpunkt, als es geschah, erkläre ich diesen letzten Tag im November zum Internationalen Regen- und Schlammfüßetag.

Der Regenhimmel leistete Überstunden und die vergangene Nacht und dieser nasse Tag geben den Unken recht, ich leiste Abbitte ob meines vorlauten Rechthabenwollens. Zu fortgeschrittener Abendstunde kündigte sich westwärts eine schwarze Wand an; es blieb nicht bei der Ankündigung. Heute am Morgen war das Mittelmeer weg. Kommt sicher wieder. Inshallah.

Katzekatze zeigte uns einen Vogel, als wir ihr zumuten, wie gewohnt in freier Natur zu kacken, kratzbürstig kam sie zurück – und liegt in meinem Bettchen, wehrt den Besitzer ab, bleib doch, blöde Kuh, äh, blöde Katzekatze.

Wollen ja nicht meckern, wir sitzen warm in der Hütte hinter dem wild schäumemden Dimçay an diesem vermasselten Tag. Und denken an die, auf welche das Wasser von oben heute keine Rücksicht nimmt. An die Kinder, welche vielleicht nicht in die Schule können, weil, es ist doch gleich der erste Advent und die warmen Jacken kosten nicht mehr die Welt!

Eine neue Jacke einem kalten Kind überziehen kostet keinen Aufschlag. An die, welche die Flugzeuge starten und heil hinbringen, und so weiter.

Der schwarze Freitag mit seinen an uns völlig vorübergegangenem Hype zum Konsum liegt hinter uns, heute ist der wet Friday. Die Politiker, ach, was mir alles noch zu denen einfällt, versprechen ja das Blaue vom Himmel, siehe gerade diese allerletzte Abstimmung in der Hütte, einst dem deutschen Volke gewidmet.

Auf Regen folgt Sonne, auf Weinen wird gelacht. Das verspreche ich euch! Müsst nur fest daran glauben, ählich . . .

Wenn bei Kestel die rote Sonne im Meer versinkt . . .


Wenn bei Kestel die rote Sonne im Meer versinkt . . .

. . . und am Himmel die bleiche Sichel des Mondes ihren Nachtdienst noch nicht begann,und ein erstes Fischerboot weit draußen, von der Cam nicht mehr erreichbar, hinausfährt, den Çiupra und den Leverek zu kontaktieren – Wiedersehen zweiseitig gegrillt im Okyanus auf der Fischplatte . . .

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. . . dann zeigt der Himmel seine komplette Farbpalette, fesselt den Blick für eine kleine Viertelstunde zwischen dem Tag und der Nacht. Deine Sitzfläche erst feucht, dann feuchter auf dem Kies, die nimmst du nicht mehr wahr, die Farben am Horizont, das Versprechen schon für den neuen Tag.

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Der Burgberg mit ersten Lichtern, am seinem Grund der  Lichtmüll noch im Dunkeln. Wenige Angler noch erahnbar. Dann fühlst du die Hand deiner Liebsten, ihre Wärme, wenn sie dir die Aufnahmetechniken erklärt – und dir zeigt, wie aus einem Schnappschuss ein Gemälde wird.

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Ein kleines Glück? Oder ein größeres? Oder ein großer riesiger Glücksmoment. Wenn bei Kestel die rote Sonne sich verabschiedete – und neugierig macht auf den neuen Tag . . .

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Rückbau


Fünf kräftige Kerle reißen ab, was nicht zusammengehört. Nicht zusammen gehören eiserne Gerüststangen und unsere runderneuerte Hütte. In zitronigem Gelb reflektiert sie die frühherbstlichen schräg einfallenden Sonnenstrahlen.

Wir strahlen auch. Nach der sorgsamen Auswahl aus der reichlichen Farbpalette kam in den Eimern dieses Zitronige anstatt gelblich aussehender Hausschminke. Eine dieser unverhofften Abweichungen; wir sind sie gewöhnt in dieser unserer Wahlheimat Türkei.

Die Fassade war von Alters her irgendwie mit pastellähnlicher Wasserfarbe verkleistert und regelmäßig per Rotuş mehr oder weniger ansehnlich behandelt. Dabei litt ihr Teint gar sehr, wurde einem in die Pubertät gekommenen Jüngling immer ähnlicher.

Intensives Peeling, dann kamen die Mauerpicker für einige Tage. Das ging auf die Nerven, der Grund neu grundiert, gespachtelt, gemacht, getan. Mehrere Farbaufträge. „Das hält! Wie es allerdings reagiert, sollte die Erde einmal kräftiger rülpsen“ . . .

Vierzehn lange Tage haben Yildiraı und seine Mitarbeiter von morgens früh bis zum Sonnenuntergang gearbeitet und ihre Arbeit kann sich sehen lassen. So eine  Hütte hat ungezählte Ecken und Kanten, ganz wie die beiden Untermieter Luiza ve Pättärr. Denn das Gebäude hat Katzekatze okkupiert. Jetzt kommt auch die Tafel mit ihrem Konterfei bald wieder dran.

Nachdenklich und so ganz nebenbei; wir sind ja auch nicht jünger geworden und das Kaschieren am Mann ist ungleich schwieriger. „Alterchen, verreibe dir mal die Spuren der faltendeckenden Lotion auf Glatze und Visage, ehe du heute Nachmittag zu Martinas Türkisansammlung gehst.“  Komm her, ich mach das mal; die gewohnte Fürsorge.

Nun kann die Abendsonne noch möglichst lange untergehen und das Zitronenleuchten reflektieren – und ein Leuchten in unseren Augen widerspiegeln.

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