Oh, wie schön war es – vordem


mit dem Hören von Unterhaltendem und Bildendem aus dem Radio. Sieht man einmal von der unsäglichen Göbbelsschnauze au Bakelit ab. Die hatte nur einen Knopf  für An und Aus. Sonst nichts. Der wurde bemüht, wenn Lügenjöbke den totalen Endsieg hergeilog.

Sonst gab es das stoffbespannte Riesenmöbel, mit einem magischen Auge, das dich anblinzelte, wenn du eine der Tasten drücktest.  Drinnen hatte es Röhren, je mehr, desto besser. Heute steht ein kleines quadratisches Teil auf der Fensterbank. Es hör auf den Namen Sonos. Es gibt vor, nach allen vier Seiten  sein blabla zu verbreiten.

Das Wunderding soll aus aller Welt das zu Gehör bringen, was man heutzutage als Musik bezeichnet. Du musst das über dein Taschentelefon mit diversen und mir überflüssig erscheinenden Möglichkeiten steuern. Wie man eine App, klingt schon wie Appetit, einrichtet, mühevoll erlernt.

Eine Welt tut sich auf, von Radio Castrop-Rauxel bis zu den Fidschi-Inseln kommt alles kristallklar. Schöne weite Welt. Die Mühsal beginnt, will ich Radio Berlin hörgenießen, nur zum Beispiel. Stell dich nicht so an, ist doch ganz einfach, tipp tipp tipp und schon…. Wehe mir, streikt das Internet und zwingt mich, das Procedere neu anzuleiern.

Dem Jungen schenkte  eine alte Dame einen Kristalldetektor. Antenne auf eine Bohnenstange montiert, die Kopfhörer auf und am Kristall gepopelt, und Geräusche aus dem Aether jubelnd begrüßt. Bis glasklar und rein und in die Ohren dröhnend RIAS Berlin, der amerikanische Sender hereinkam. Das war in der Zone streng verboten. Stiefmütterlein trat mein Kleinod in die Tonne.

Heute bin ich noch Lehrling im ersten Lehrjahr in Sachen Sonos und meine liebe Frau unterrichtet. Geduldig zumeist, bis sie auch mal laut wird. Lehrkräfte sind eben auch nicht mehr das,was sie mal waren. Ein probates Mittel der Wissensvermittlung war ja der Rohrstock. Oder das Lineal quer über die Pfoten, mit der harten Leiste nach unten…

Bildergebnis für Crystal Detectorcats whisker detector

 

 

Mein Freund, der Baum


Mein Freund, der Baum

Vor Jahren pflanzte ich ihn um, heraus aus der Gruppe armseliger, im Straßenreck hineingestopfter Kollegen zu wenig Licht und zu wenig Platz bekommen hat. Aus dem Wicht wurde an seinem neuen Standort ein mehrere Meter hoher Baum.

Trotz seiner Sturm- und Drangzeit hob eines dieser kernigen Windchen ihn nebst Wurzeln aus der Erde. Seine Schieflage könnte ihn auf Katzekatze und nicht minder gefährlich, auf uns, Katzekatzes Bedienstete. krachen lassen. Soll für keinen von uns sehr gesund sein.

So gesehen wurde auch aus dyem Gummibaum dickes fettes Brennholz. Nun haben die beiden Orangenbäume, seine Nachbarn, mehr Platz für sich.

Orhan hatte seine Kettensäge wohl nicht genügend gefüttert, gierig fraß sie Ast um Ast und zerlaute den Stamm. Holz macht ja zwei mal warm, mich nur einmal. Die Ernte gehört neben dem noch zu zahlenden  Nachbar Orhan.

Frühling, du könntest nun endlich auch mal das tun, was ein Frühling eigentlich schon vor vier Wochen mit der Arbeit beginnen sollte. . .

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Es gibt nicht nur die Welt, es gibt auch noch mich!


 

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Gefühlte Äonen ist es her, seit unsere Große, die, man glaubt es nicht, auch mal unsere liebe Kleine war, diese Anklage gegen uns, die Eltern, schleuderte. So zum Beispiel, wie es es hier in unserer Sarağlar Mahallesi nicht nur Katzekatze gibt! Die ist inzwischen über die engen Grenzen hinaus bekannt geworden.

Weil sie uns tagtäglich zeigt, wie sie durch Korruption, durch Können, durch Schmeicheln weiterkommt im ach so tristen Dorfdasein. Hausbesitzerin wurde sie durch schmerzlos erworbenen Hausbesitz; die Eigentümer außer Diensten stehen zur Verfügung als Hilfspersonal. Bianka, eine begnadete Künstlerin und Malerin naturnaher Tierportraits, nahm sich ihrer an, macht sie berühmt.

Katzekatze, du bist abgefeiert, es gibt nicht nur dich, es gibt neben Dir auch noch Hundhund. Hundhund ist ein weißer georgischer Hütehund, mit gekappten Ohren, damit ihm die Wölfe die Wascheln nicht lang ziehen können. Hundhund hütet jetzt den Betrieb unserer Nachbarn, steckt seinen Kopf durchs Gitter und kann niemals genug gestreichelt werden.

Vor Hundhund muss man sich hüten, besucht man seine Leute, legt er sich lang hin, los, streichel mich! Willst Du wieder gehen, geht das nicht. Das Riesenvieh setzt sich vor dich und weicht keinen Zentimeter.

Hörst du nächtens ein Wolfsgeheul, tust du gut daran, in Nachtzeug und Schlappen aufzutauchen und mit ihm philosophische Gespräche zu führen. Er sagt schon, wann genug ist und das ist es nie. Aber Ruhe ist!

Vorsicht beim Essen, ganz vorsichtig nimmt er dann auch schon mal zwei oder drei Finger mit. Es gibt ja so moderne Ersatzteile, alles halb so schlimm. Hundhund ist sein  Alias, wegen Katzekatze. Der Kreis der Ansprechpartner ist noch ausbaufähig. Probieren, hinschauen, wo man hintritt; vielleicht trifft man doch mal auf eine türkische Würgeschlange, welche Gesprächsbedarf anmeldet . Achtung, die redet mit gespaltener Zunge . .

 

Offener Brief an unsere Unken, Spökenkieker, Wettervorherseher, Wolkenversteher und die anderen mit übersinnlicher Begabung, Unheil zu riechen.


Offener Brief an unsere Unken, Spökenkieker, Wettervorherseher, Wolkenversteher und die anderen mit übersinnlicher Begabung, Unheil zu riechen.

Meistens grinse ich etwas einfältig, kommt ihr mit euren Prognosen rüber. Hiermit und nach diesem Wettergebnis es heutigen Nachmittags tue ich reumütig Abbitte. Nicht auf Knien, so weit geht das denn doch nicht. Weil ich nicht mehr mit dem . . . . . . . hochkomme und die Kiee nass wurden.

Ihr habt es echt drauf und ich giere künftig, meinen meist erfolglosen Blick in die Wetterzukunft zu verlachen, ihr habt ja so was von recht! Woher kommt eure Einsicht in die nasse nahe Zukunft? Bezahlt ihr Kirchensteuer oder füttert sonst irgend eine fromme Behörde und kriegt minutengenau die Zeit gemailt, in welcher euer Wetter losschlägt?

„ Jungs, nun zeigt doch mal, was ihr drauf habt! Macht mal die Wasserhähne und eure Augen auf. Ihr kriegt schon heraus, wo es Löchlein im türkischen Allheilmittel für Abdichtungen gibt.“ „Tamam! Machen wir, usta!“

„Zieh dir sofort die nassen Socken aus, Liebster, ich gehe der Wischundwegnässe schon zu Leibe, schreibe du nur . . .“

Noch vor dem allmorgendlichen Morgenbriefing des Herrn Steingart werde ich künftig eure Verlautbarungen inhalieren, versprochen. Und auch nur, wenn wieder Mal das Licht aus ist.  Aber nur, wenn sie das Sonderwetter in diesem Jahr bis in unsere Mahalle posaunen.

Bild könnte enthalten: Himmel, Wolken, im Freien und Wasser

Almanya sokak haber – übernommen von Klaus Kaumanns

Hoş geldiniz zwanzigneunzehn, görüşürüz zwanzigachtzehn


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Türkische Esstische halten entweder nicht viel aus, weil zu leicht gebaut, oder sie biegen sich unter der Last der Speisen. Unsere Freunde Rıza und Aynur luden zum Silvesteressen ein. In ihren Augen waren ihre beiden Gäste verhungerte Striche in der Landschaft. Getrunken wurde zu Gebratenem und Gesottenem Milch. Löwenmilch. Nur eine von uns hielt sich an Wasser.

Gute Gespräche, unbeugsame Menschen. Rıza, einen winzigen Augenblick ließ er seine Seele sehen, ehe er seine Gedanken wieder disziplinierte

Meine Liebste echauffiert uns mit dem „Phaeton“ vom leise quasselnden Obaçay hinter den wild schäumenden Dimçay. Jede Bodenwelle verursachte ein lautes Hicks – und es gab deren viele; wenn die reihern musst, halte den Rüssel weit hinaus in die Landschaft, war der charmante Rat.

Wir und unsere Tiere sind der europäischen Kultur des Böllerns und seiner Begleiterscheinungen um zwei Stunden voraus. Zwei Hotels boten dem Logenplatz auf der Terrasse je gefühlte hundertachtzig Sekunden lang ein bezauberndes Feuerwerk. Serife böllerte nicht, Hakan nicht, Hasan nicht, Taxifahrers nicht, Busbesitzer nicht zuhause.  Niemand hatte hier einen Knall. Hundhund, der hin und wieder schneeweiße Hütehund aus Georgien, steckte friedlich seinen Kopf durchs Gitter, seine Streicheleinheiten zu empfangen.

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Wir genossen eine halbe Flasche des 1979er Sasbachwaldener Roten vierzig Jahre alten Weines, nach vierzig Jahren war er dran. Einst in Sasbachwalden im Schwäbischen erworben und nun in der Wahlheimat Türkei genossen.

Prosit, junges neues Jahr! Was bringst du uns? Was sollen wir Dir liefern?

„Es freit ein wilder Wassermann auf der Burg wohl hinter dem See. Der Königin´ Tochter wollte er han“ . . .  So wild war es dann auch wieder nicht, das Knie schaute hinten aus dem Hinterkopf hervor. Und dann heiratete er sie – oder sie ihn, diese Frage blieb bis auf den heutigen Tag ungeklärt. Was will der alte Kaktus mit dieser Orchidee? All das passierte vor einem runden Vierteljahrhundert, meine Korrekturleserin berichttigt das, mit einem Grinsen im Gesicht . . .

Ein Kindlein ward uns geboren. Papi, wollen wir rotzen? Klaro. Wir standen auf der Autobahnbrücke, die Fahrräder im Blick – und rotzten. Papi, gibt es heute noch Räuber? Klaro! Aber sie lauern nicht hinter dem Busch. Sie sitzen im Finanzamt und . . . Die wache Göre unterrichtete sogleich die Unwissenden im Kindergarten. Klaro.

Lange schon verheiratet mit Torbjörn, genannt Tobba im fernen Schweden, pflegt Turbo, den Hundeopa, fotografiert, schreibt an der dritten Auflage des märchenhaften Reisebuches über ihre Wahlheimat Schweden.

Häufig genug rückte einer von uns den Haussegen wieder gerade. Lasst die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn von Erwin Grosser, meinem Ziehvater in Karlsruhe mit auf den Weg gegeben.

Er ist noch nicht zu Ende, am Ende des ersten Quartals werden wir, Trottellumme und Baßtölpel, verreisen in unserer Wahlheimat Türkei. Neues entdecken, es gibt so viel zu erleben oder Gesehenes noch einmal erleben. Inşallah!

 

Ich sehe was, was Du nicht siehst . . .


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Siehste nix? Oder nur ein mickriges Etwas? Dann putz die Brille! Oder ich erkläre es mal kurz: es ist ein Keimling, gesät und umgesetzt in einen kleinen Einwegpott. gezogen und verzogen von Karlbindestrichheinz, meinem Freund mit dem grünen Daumen. Der Mickerling bewirbt sich um einen Kindergartenplatz in unserem Garten. Aber jetzt noch nicht, muss erst aus den Windeln heraus. Er heißt Liebstöckel, hört aber auch auf den Spitznamen Maggikraut.

Hat aber mit der braunen Brühe, sie so scheußlichbräunichschwärzlich aus der gelbroten Buddel außer dem Namen nichts gemeinsam . Auch nichts mit einer gewissen „Partei“ in deutschen Parlamenten…

Wächst und würzt dann in angenehmer Umgebung mit Basilikum, Petersilie, Bohnenkraut unter dem riesig gewordenen Aprikosenbaum –  und wird dann so! Inshallah!

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/78/Liebst%C3%B6ckel.JPG

Unteres Bild aus Wikimedia

Schicht im Schacht


Schicht im Schacht 

Wie nahrhaft und bekömmlich ist so eine gedämpfte Gemüsemahlzeit. Leicht geschamig, es kam lediglich  aus so einem Tempomat für Arme, hatte aber den kompletten Gutgeschmack eines echten Wuppertalers.

Satt und zufrieden kam ich meiner Arbeit nach. „Alterchen, du arbeitest so intensiv; darf ich dir bei denen Explorationsbemühungen behilflich sein? Ihr Daumen wedelt vor meinem Gesicht. Sehe ich Spott in ihrer Physignomie?

„Ähem, ich versuche doch nur, eine Probebohrung in den oberen Schächten einzubringen.“

„Gib dir keine Mühe. Du wirst keinen Erfolg mehr haben! Gestern machte die letzte Zeche dicht, Prosper in Bottrop. Den Püttmännern liefen die Tränen und der Herr Bundespräsident machte sich mit dem letzten schwarzen Brocken davon. Nicht mal in eine Plastiktüte hatten sie den Klotz für ihn gepackt und er musste sich zumindest die Finger anschwärzen lassen. Dafür sangen sie ihm das Lied vom Steiger, der kommt.

Der kommt nicht mehr, nie mehr, nache Zeche in Bottrop! Der Präsident ist wieder da hinten in Berlin und die Bergmänner müssen zusehen, wo sie bleiben. Und mein lieber Mann kommt aus dem Muspott und will noch eine Probebohrung ins Hangende setzen. Vergiss es!“

Besser da hat es der letzte dieser Kohlebarone. Der hat vorgesorgt, hat sein Deputat längst in der Schweiz, äh, im Sack und die Kohle gescheffelt. Die Stadt Bottrop bedrückt ein großes Loch im Boden – und leider auch im Stadtsäckel. Life is life, trallalalala. Wie war das doch gleich noch: Gewinne entstanden aus Aktien. Die Verluste wurden, geduldet von Parteien und Bonzen, sozusagen dem Staat übergeholfen. Sind wir nicht der Staat? Es ist zu lange her und vielleicht habe ich damals das Falsche gelernt?

So fand das Gespräch zwischen uns natürlich bis auf wenige Worte nur in meinem Kahlkopf statt. Einen überaus frohen Vierten und einen übervollen Gabentisch. Namens des Herrn, der über uns wohnt . . . . . .