Hoş geldiniz zwanzigneunzehn, görüşürüz zwanzigachtzehn


IMG_20181231_181052.jpg

Türkische Esstische halten entweder nicht viel aus, weil zu leicht gebaut, oder sie biegen sich unter der Last der Speisen. Unsere Freunde Rıza und Aynur luden zum Silvesteressen ein. In ihren Augen waren ihre beiden Gäste verhungerte Striche in der Landschaft. Getrunken wurde zu Gebratenem und Gesottenem Milch. Löwenmilch. Nur eine von uns hielt sich an Wasser.

Gute Gespräche, unbeugsame Menschen. Rıza, einen winzigen Augenblick ließ er seine Seele sehen, ehe er seine Gedanken wieder disziplinierte

Meine Liebste echauffiert uns mit dem „Phaeton“ vom leise quasselnden Obaçay hinter den wild schäumenden Dimçay. Jede Bodenwelle verursachte ein lautes Hicks – und es gab deren viele; wenn die reihern musst, halte den Rüssel weit hinaus in die Landschaft, war der charmante Rat.

Wir und unsere Tiere sind der europäischen Kultur des Böllerns und seiner Begleiterscheinungen um zwei Stunden voraus. Zwei Hotels boten dem Logenplatz auf der Terrasse je gefühlte hundertachtzig Sekunden lang ein bezauberndes Feuerwerk. Serife böllerte nicht, Hakan nicht, Hasan nicht, Taxifahrers nicht, Busbesitzer nicht zuhause.  Niemand hatte hier einen Knall. Hundhund, der hin und wieder schneeweiße Hütehund aus Georgien, steckte friedlich seinen Kopf durchs Gitter, seine Streicheleinheiten zu empfangen.

IMG_20190101_000455.jpg

Wir genossen eine halbe Flasche des 1979er Sasbachwaldener Roten vierzig Jahre alten Weines, nach vierzig Jahren war er dran. Einst in Sasbachwalden im Schwäbischen erworben und nun in der Wahlheimat Türkei genossen.

Prosit, junges neues Jahr! Was bringst du uns? Was sollen wir Dir liefern?

„Es freit ein wilder Wassermann auf der Burg wohl hinter dem See. Der Königin´ Tochter wollte er han“ . . .  So wild war es dann auch wieder nicht, das Knie schaute hinten aus dem Hinterkopf hervor. Und dann heiratete er sie – oder sie ihn, diese Frage blieb bis auf den heutigen Tag ungeklärt. Was will der alte Kaktus mit dieser Orchidee? All das passierte vor einem runden Vierteljahrhundert, meine Korrekturleserin berichttigt das, mit einem Grinsen im Gesicht . . .

Ein Kindlein ward uns geboren. Papi, wollen wir rotzen? Klaro. Wir standen auf der Autobahnbrücke, die Fahrräder im Blick – und rotzten. Papi, gibt es heute noch Räuber? Klaro! Aber sie lauern nicht hinter dem Busch. Sie sitzen im Finanzamt und . . . Die wache Göre unterrichtete sogleich die Unwissenden im Kindergarten. Klaro.

Lange schon verheiratet mit Torbjörn, genannt Tobba im fernen Schweden, pflegt Turbo, den Hundeopa, fotografiert, schreibt an der dritten Auflage des märchenhaften Reisebuches über ihre Wahlheimat Schweden.

Häufig genug rückte einer von uns den Haussegen wieder gerade. Lasst die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn von Erwin Grosser, meinem Ziehvater in Karlsruhe mit auf den Weg gegeben.

Er ist noch nicht zu Ende, am Ende des ersten Quartals werden wir, Trottellumme und Baßtölpel, verreisen in unserer Wahlheimat Türkei. Neues entdecken, es gibt so viel zu erleben oder Gesehenes noch einmal erleben. Inşallah!

 

Ich sehe was, was Du nicht siehst . . .


IMG_20181228_102125.jpg

Siehste nix? Oder nur ein mickriges Etwas? Dann putz die Brille! Oder ich erkläre es mal kurz: es ist ein Keimling, gesät und umgesetzt in einen kleinen Einwegpott. gezogen und verzogen von Karlbindestrichheinz, meinem Freund mit dem grünen Daumen. Der Mickerling bewirbt sich um einen Kindergartenplatz in unserem Garten. Aber jetzt noch nicht, muss erst aus den Windeln heraus. Er heißt Liebstöckel, hört aber auch auf den Spitznamen Maggikraut.

Hat aber mit der braunen Brühe, sie so scheußlichbräunichschwärzlich aus der gelbroten Buddel außer dem Namen nichts gemeinsam . Auch nichts mit einer gewissen „Partei“ in deutschen Parlamenten…

Wächst und würzt dann in angenehmer Umgebung mit Basilikum, Petersilie, Bohnenkraut unter dem riesig gewordenen Aprikosenbaum –  und wird dann so! Inshallah!

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/78/Liebst%C3%B6ckel.JPG

Unteres Bild aus Wikimedia

Schicht im Schacht


Schicht im Schacht 

Wie nahrhaft und bekömmlich ist so eine gedämpfte Gemüsemahlzeit. Leicht geschamig, es kam lediglich  aus so einem Tempomat für Arme, hatte aber den kompletten Gutgeschmack eines echten Wuppertalers.

Satt und zufrieden kam ich meiner Arbeit nach. „Alterchen, du arbeitest so intensiv; darf ich dir bei denen Explorationsbemühungen behilflich sein? Ihr Daumen wedelt vor meinem Gesicht. Sehe ich Spott in ihrer Physignomie?

„Ähem, ich versuche doch nur, eine Probebohrung in den oberen Schächten einzubringen.“

„Gib dir keine Mühe. Du wirst keinen Erfolg mehr haben! Gestern machte die letzte Zeche dicht, Prosper in Bottrop. Den Püttmännern liefen die Tränen und der Herr Bundespräsident machte sich mit dem letzten schwarzen Brocken davon. Nicht mal in eine Plastiktüte hatten sie den Klotz für ihn gepackt und er musste sich zumindest die Finger anschwärzen lassen. Dafür sangen sie ihm das Lied vom Steiger, der kommt.

Der kommt nicht mehr, nie mehr, nache Zeche in Bottrop! Der Präsident ist wieder da hinten in Berlin und die Bergmänner müssen zusehen, wo sie bleiben. Und mein lieber Mann kommt aus dem Muspott und will noch eine Probebohrung ins Hangende setzen. Vergiss es!“

Besser da hat es der letzte dieser Kohlebarone. Der hat vorgesorgt, hat sein Deputat längst in der Schweiz, äh, im Sack und die Kohle gescheffelt. Die Stadt Bottrop bedrückt ein großes Loch im Boden – und leider auch im Stadtsäckel. Life is life, trallalalala. Wie war das doch gleich noch: Gewinne entstanden aus Aktien. Die Verluste wurden, geduldet von Parteien und Bonzen, sozusagen dem Staat übergeholfen. Sind wir nicht der Staat? Es ist zu lange her und vielleicht habe ich damals das Falsche gelernt?

So fand das Gespräch zwischen uns natürlich bis auf wenige Worte nur in meinem Kahlkopf statt. Einen überaus frohen Vierten und einen übervollen Gabentisch. Namens des Herrn, der über uns wohnt . . . . . .

 

 

 

 

Çöp – sprich Tschöpp – Çöp ist Müll – die Zweite


Çöp – sprich Tschöpp – Çöp ist Müll – die Zweite 

Vor wenigen Tagen war es ein schöner Tag, Nach einer Viertelstunde war Alanyas Müllwagen, deren haben wir mehrere – um die stinkende Spitze eines in die Landschaft ge………. Müllberges abzutragen. Der Obermüller mit Namen Necati versprach, zügig einen Greifer nachzuliefern, der den Dreck aus dem Straßengraben entfernt.

Na, ob das klappt? Natürlich – noch – nicht!. Ob der Greifer noch nicht zugriff, weil er   noch nicht erfuhr, wo er diesen einen von Hunderten, Tausenden, wilder Kippen in und um die Stadt Alanya abgreifen soll?

Frage mich, was so ein Zugreifer ist, Mensch oder Maschine mit besonders großer Klappe? Dem Unwissenden kommen da so einige nicht ganz astreine Vorstellungen; bei einer Maschine ginge man zugriffsmäßig deutlich vorsichtiger vor.

Wie an jedem Tage, welche Allah schuf, sammelte ich heute auf dem Nachhausewege wieder ein: 1 Tetrapack, der ehemals wohl irgend einen Chemietrank in sich hatte, ein Plastikgeschirr, frisch leergefr. . . . ., roch noch nach Köfte, eine vollge……… noch warme Babywindel, eine Zigarettenschachtel, zwei vollgerot…. Paiertaschentücher, entsorgt aus Autofenstern.

Stimme eines parkenden Autofahrers: Du musst Deutscher sein! ??? Najaaaa. Nur Deutsche bücken sich so oft nach çöp, wir Türken schmeißen ihn lieber auf die Straße oder in die Parks. In astreinem Hamburgischdeutsch. Ja, er habe direkt in HH die deutsche Sprache erlernt. Ich halte gegen mit dem astreinen von jeder Mundart weit gesäuberten Hannoverdeutsch. Zwei hochgereckte Daumen, Handschlag. Die gute Tat vor dem zweiten Advent. Klopfe mir selbst auf die Schulter. „Wasch dir erst mal die Vorderpfoten, Ferkel!“ . . .

Nun aber wenigstens uns allen einen schönen zweiten Advent!

 

Kesteller Rollerfahrt


Kesteller Rollerfahrt

Im fortgeschritteneren Lebensalter wackelt bei dem Einen oder dem Anderen die eine oder andere Tasse im Schrank. Diametral entgegengesetzt schränkt es das Gesichtsfeld ein. Heute früh stieselte ich den Berg hinunter, trotz vernünftigen Frühstücks von ca. 533 Kalorien, Meine Liebste rechnet mehrmals täglich so mit mir, sah ich den Fahrer nur so am Rande.

Eben noch flog er auf seinem Roller flott hinunter, drehte unten um, kam wieder den Berg hoch, Volte neben mir: Steig auf, los! Türkisch, aber die Gestik war eindeutig. Klappte während langsamen Fahrens noch Fußrasten hinunter, ab ging die Fahrt in die Zivilisation. Windgeschützt hinter dem breiten Kreuz. Fährt meinetwegen auf diesem blauen und den Fahrrädern gewidmeten Streifen vor das Busbüdchen.
Setzte mich sanft haltend dort ab, wo Einer, Zweier und der Dreier halten.
Birşe degil – die Antwort auf meinen Dank. Donnerte tieffliegend, so, wie meine Häfte das auch tut, auf die D 400.

Habe den Kerl vorher noch nie gesehen, einfach so. Danke Yurtiçi Kargofahrer, so war es auf seiner warmen Jacke geschrieben. Danke Yurtiçi Kargo, habt da einen Umsichtigen im Team!

Fröhlichen zweiten Advent!

Çöp – sprich Tschöpp – Çöp ist Müll


Çöp – sprich Tschöpp – Çöp ist Müll

Besonders scheußlich ist dieser Çöp, wenn er sich am Wegesrand höher und höher auftürmt und zum Himmel stinkt. Unsere Hütte steht am Rande eines Grundstücks, das niemandem gehört, also im Staatseigentum steht.

Missverständlich, denn dort kann ein Jeglicher seinen Dreck loswerden. Ein einziges Mal lief ich da gerade herum, als eine eigentlich ganz liebe Nachbarin ihren Çöp im hohen Bogen ent-sorgte. Rennt schnell, wenn eine erwischte Türkin in hohem Diskant laut kreischend loslegt; ich türmte, Angriff scheint zur Kultur zu gehören . . .

Über wild gewordenen Tschöpp wurde ja schon häufig gejault, aber vom Jaulen geht er nicht weg. Heute auf dem etwas mühselige Aufstieg stürmt meine Liebste los vor einen Camion der Gemeinde Alanya, direkt neben dem corpus delicti, ob sie nicht – einer der drei reicht ihr sein Taschentelefon aus dem Fenster, hier, los ruf Necati an, sags ihm, wenn du das machst, dann wirkt das anders, als wenn wir –

Necati: ich komme sofort – und er kam sofort und nicht erst Stunden später, wie man es gemeinhin kennt. Drei Hilfsbereite laden auf, was sie greifen konnten; nicht ganz einwandfreie, deutlicher, vollgepiete Matratzen und sonst noch so einiges. „Morgen kommen wir noch einmal, bringen einen Greifer mit und greifen uns den übergroß gewordenen Rest auch noch.

Ein für diese heilige Adventszeit unheiliger Gedanke keimt bei mir – wenn sie doch gleich noch – nein nein, das sagt man jetzt nicht – Advent, Advent, ein Lichtlein brennt doch!
Morgen Kinder, wird´s was geben, eine saubere Straße, zumindest eine zeitlang.

Nie, nie, nie wieder werde ich ein kritisches Wort über die Behörden in Alanya loslassen, die Reihe der Hilfsbereiten ist um einen Necati ergänzt, çok tessekür ederiz, Necati bey!


Hunde, wollt ihr ewig leben? 

Natürlich wollen wir das! Nicht nur im Sommer, wenn wir wilden Köter von Mitleidigen, die ihren Urlaub hier verbringen. Sondern auch, wenn diese wieder in Europa oder sonst wo in der Welt ihrem Broterwerb nachgehen. Wir wollen unter Menschen weiter leben, die unsere Kötersprache sprechen.

Ebenso natürlich hat dieses Gespräch in dieser Form nicht stattgefunden, sondern mit Susanne und Manfred, Kenner und Übersetzer der Hundesprache, assistiert von Luna. Das Gespräch wurde nicht vorher aufgezeichnet, sondern mit dem Füller in eine Kladde gekliert.

Beide Freunde erzählten schon vor langem, dass sie sackweise Hundefutter für Straßenköter spenden; meist geht das im freundschaftlichen Austausch mit vielem Interessanten unter.  Vor zwei Tagen war die Rede erneut, dieses Mal von sieben Sack voll mit Knüddeln. Ali holt das immer bei uns ab, über Ali aber später.

Manfred und Suanne, besser und korrekter Susanne und Manfred 55 und 56, aus Hamm in Westfalen, nunmehr ebenso zu Hause wie wir, also hinter dem wild schäumenden Dimçay, wir dürfen deren Freunde sein, haben ihren Blick für das Wesentliche aus ihrer Heimat mitgebracht. Wir kennen einander aus Bombolas einst noch guten Zeiten. Unsere Frauen haben aktiv den Kleiderladen mit Schwung gemanagt, nach Jahren war das Engagement nicht mehr gefragt, fragt man sich heute noch.

Hier nun kommt Ali ins Spiel – und dieser Ali macht mich sehr sehr neugierig. Er habe in Sachen Hund, die keinen Besitzer haben oder Hunde, deren Besitzer sie an die Kette legen und verkommen lässt, Vollmachten von der Stadt Alanya. Davon scheint es mehr als genug zu geben. Ali, der noch Unbekannte, kümmert sich um Kastrationen, um Streicheleinheiten, vor allem um Futter für Viele. Ali kenne aber auch keine Grenzen, wenn es zu viel wird, weil zu Viele ihren Köter loswerden wollen. Das macht ihn stinkwütend. Aber er macht auch zu. Seinen Telefonanschluss unterdrückt er, wenn ihm ein Ohr oder beide Löffel abgequatscht werden, in facebook kündigt er notwendige Pausen zur Selbstbesinnung an.

Ali, Unbekannter, der Hunde liebt und darüber nicht nur in facebook berichtet und der sich offenbar nur Wenigen zu erkennen zu geben scheint, wollen wir? Miteinander? Fragt dich ein Neugieriger

IMG_20181202_175908.jpg