Wenn bei Kestel die rote Sonne im Meer versinkt . . .


Wenn bei Kestel die rote Sonne im Meer versinkt . . .

. . . und am Himmel die bleiche Sichel des Mondes ihren Nachtdienst noch nicht begann,und ein erstes Fischerboot weit draußen, von der Cam nicht mehr erreichbar, hinausfährt, den Çiupra und den Leverek zu kontaktieren – Wiedersehen zweiseitig gegrillt im Okyanus auf der Fischplatte . . .

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. . . dann zeigt der Himmel seine komplette Farbpalette, fesselt den Blick für eine kleine Viertelstunde zwischen dem Tag und der Nacht. Deine Sitzfläche erst feucht, dann feuchter auf dem Kies, die nimmst du nicht mehr wahr, die Farben am Horizont, das Versprechen schon für den neuen Tag.

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Der Burgberg mit ersten Lichtern, am seinem Grund der  Lichtmüll noch im Dunkeln. Wenige Angler noch erahnbar. Dann fühlst du die Hand deiner Liebsten, ihre Wärme, wenn sie dir die Aufnahmetechniken erklärt – und dir zeigt, wie aus einem Schnappschuss ein Gemälde wird.

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Ein kleines Glück? Oder ein größeres? Oder ein großer riesiger Glücksmoment. Wenn bei Kestel die rote Sonne sich verabschiedete – und neugierig macht auf den neuen Tag . . .

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Rückbau


Fünf kräftige Kerle reißen ab, was nicht zusammengehört. Nicht zusammen gehören eiserne Gerüststangen und unsere runderneuerte Hütte. In zitronigem Gelb reflektiert sie die frühherbstlichen schräg einfallenden Sonnenstrahlen.

Wir strahlen auch. Nach der sorgsamen Auswahl aus der reichlichen Farbpalette kam in den Eimern dieses Zitronige anstatt gelblich aussehender Hausschminke. Eine dieser unverhofften Abweichungen; wir sind sie gewöhnt in dieser unserer Wahlheimat Türkei.

Die Fassade war von Alters her irgendwie mit pastellähnlicher Wasserfarbe verkleistert und regelmäßig per Rotuş mehr oder weniger ansehnlich behandelt. Dabei litt ihr Teint gar sehr, wurde einem in die Pubertät gekommenen Jüngling immer ähnlicher.

Intensives Peeling, dann kamen die Mauerpicker für einige Tage. Das ging auf die Nerven, der Grund neu grundiert, gespachtelt, gemacht, getan. Mehrere Farbaufträge. „Das hält! Wie es allerdings reagiert, sollte die Erde einmal kräftiger rülpsen“ . . .

Vierzehn lange Tage haben Yildiraı und seine Mitarbeiter von morgens früh bis zum Sonnenuntergang gearbeitet und ihre Arbeit kann sich sehen lassen. So eine  Hütte hat ungezählte Ecken und Kanten, ganz wie die beiden Untermieter Luiza ve Pättärr. Denn das Gebäude hat Katzekatze okkupiert. Jetzt kommt auch die Tafel mit ihrem Konterfei bald wieder dran.

Nachdenklich und so ganz nebenbei; wir sind ja auch nicht jünger geworden und das Kaschieren am Mann ist ungleich schwieriger. „Alterchen, verreibe dir mal die Spuren der faltendeckenden Lotion auf Glatze und Visage, ehe du heute Nachmittag zu Martinas Türkisansammlung gehst.“  Komm her, ich mach das mal; die gewohnte Fürsorge.

Nun kann die Abendsonne noch möglichst lange untergehen und das Zitronenleuchten reflektieren – und ein Leuchten in unseren Augen widerspiegeln.

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An das Ferkel, das unsere dreißig Meter Gartenschlauch in der Nacht geklaut hat


Was ich mache? Nichts! Was ich machen wollte: die von meiner Frau und mir angelegte und für unsere Miteigentümer und uns gepflegte Außenanlage wässern und die Rosen darin wieder aufblühen lassenl

ABER IRGEND EIN DIEB HAT DEN INNEN AUFGEHÄNGTEN DREISSIG METER LANGEN SCHLAUCH GEKLAUT!

Dieb sollen die Griffel abfaulen. Der Schlauch soll nur Fäkalien speien – und zwar immer von vorne in die Fresse.

Dieb ekelhafter, wenn du in der kommenden Nacht den Schlauch wieder hinhängst, komm am nächsten Tag, dann kriegst du Geld für einen Schlauch von uns!

Und denke dran: Allah hat auch nachts Augen! .

Sie treten die Aufrüstung mit Füßen


Sie treten die Aufrüstung mit Füßen

Die Akustik da draußen ist gewöhnungsbedürftig, aber das auszuhalten, das ist unser Beitrag zum Gelingen. Vier Tapfere treten das Gerüst mit Füßen und hämmern auf die Wände ein. Sage mir niemand mehr, Türken vermögen nicht zu arbeiten, das Quartett haut ran und füllt die Flatschen, die abfallen, gleich wieder auf!

Es sieht schlimmer aus, als es ist, die Männer um ihren usta Yildirei Karakurt arbeiten sorgfältig – und sie nehmen ihre Abfälle auch wieder mit, noch einige Tage, dann sehen wir die Wirkung! Yildirei, zweisprachig in Türkisch und Deutsch, hat jahrelang in D im Fach gearbeitet! Schaut mal in facebook!

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Ikamet auf Flügeln


Ikamet auf Flügeln

Der pausbäckige Engel kam nicht direkt vom Himmel, eher mit irdischer Bodenhaftung direkt mit dem gelben Roller von der PTT. Erwartet erst in einigen Wochen mit dem neuen Ikamet. In schwarz-güldener Hülle und mit deutscher Gebrauchsanweisung. Erleichterung beim Sprachmuffel. Nun hat  alle Not wieder ein Ende.

Ablauf des alten Dokumentes am heutigen 28.09.2018. Alle zwei Jahre the same procedure. Weil unsere LKH keine Repräsentanz in unserer Wahlheimat hat. An diesem sonnigen Septemberfreitag steht der Pausback vor der Tür: unterschreib mal!

Freude über Freude, denn die Ausländerbehörde gab im August erst einen Termin für den 24.09.; das klappt nie, so der Pessimist in Sachen Behörde. Völlig falsch! Am vierundzwanzigsten alles auf dem Schreibtisch in diesem richtig schön restaurierten Amtsbau. Am Achtundzwanzigsten frei Haus geliefert. Haste Töne? Ja!!!!

Meistens wird ja umgekehrt aufgerechnet und davon wieder meistens, wunderbare deutsche Bürokratie gegen eine miese solche in der Türkei. Bislang können wir nicht besser klagen; ob Finanzamt oder andere Behörden, die Freundlichkeit hier . . .

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Der Ruck nach rechts


Der Ruck nach rechts

„Rutsch mal nach rechts!“ „Noch weiter rechts? Dann sitze ich ja fast auf Frau Weidels Schoß und dieser, wie heißt er doch gleich, hat was mit deutschen Gauen zu tun, atmet mir ins linke Ohr!“

„Stell dich nicht so an, ich will doch nur an deinen linken Arm, nachmessen, ob du noch Blutdruck hast!“ Die Morgenroutine an einem schmal gewordenen Frühstückstisch hier oben in der Saraglar Mahalle.

Der Teufel hat den Schnaps gemacht …


Der Teufel hat den Schnaps gemacht, um uns zu verderben, warnte einst Reinhard May in einem seiner Lieder. Gehört die Schnapsbrennerei zu seinen Aufgaben, dann gibt es dagegen Möglichkeiten, ihm das Geschäft zu vermiesen, richtig? Dem Boss der Unterwelt, nicht dem Reinhard May. Totale Abstinenz gehört dazu, glaubt man den Heiligen – und jenen, welche sich für solche halten.

Fehlanzeige bei mir. Der Alte gönnt sich des abends ein Gläschen, gelegentlich auch ein zweites neben diesem Äffässmalt. Vielleicht sterben dabei einige der ohnehin nicht so zahlreichen grauen Zellen ab, was soll´s. Wenn es den Typen der Finsternis gibt, wie die Verkündigungsindustrie, es auch 2018 ff vermittelt, dann gibt es auch die Engel, welche eine gar nicht vermisste Buddel mit angesetzten Rosinen wiederfindet.

„Alterchen, beim Aufräumen eines Küchenfaches habe ich eine Deiner Flaschen gefunden!“ „Ist nicht die meinige“. „da ich keinen trinke, weiß ich nicht, wem sie sonst gehören könnte.“ Ich kniee nieder: „sehe nichts!“ Kriege aufgeholfen, ein Griff meiner Liebsten: “ hier ist sie schon! Natürlich ist das meine Buddel, im Jahre des Herrn zwanzigfuffzehn mit edlen  Rosinen angesetzt, ist ein relativ Edler Cognac draus geworden.

Die Jahre nehmen ihren Lauf, alte Kinderlieder tauchen wieder auf, aber meine Telefonnummer muss ich vom Blatt singen. „Vergiss deinen Kopf nicht, wenn wir heute in Sachen Ikamet zur Verlängerung antreten müssen! Kopflosigkeit ist dabei unangebracht.“

Darauf einen … Weil ein Engel meine Rosinen drei Jahre lang zu einem Genuss reifen ließ und meine Liebste zu Hilfe nahm.  Sherife.