Wir sind deine Soldaten, Mustafa Kemal!


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Wir sind deine Soldaten, Mustafa Kemal! Gedenktag für Atatürk am Sonntag, 19. Mai in Alanya

„Nimm deine Ohren raus und steck sie in die Schachtel, es wird laut!“ Meine Liebste achtet wie immer auf das Wohlergehen ihres Ehegesponses, das bin ich. Die golden Ladies, die meinige ist ein Teil davon – und so durfte ich mit auf die abendliche Demonstration zu Ehren des Gründers der modernen Türkei. Demonstrationen sind, waren, mein Ding nicht, und dieses seit mehr als siebzig Jahren. Die Lügen des Zonenregimes haben mich empfindlich gemacht.

Die überdimensionierten Lautsprecher am Denkmal wummerten, runde dreizehntausend Menschen, mindestens eben so viele Fahnen und Fähnlein im fackelgeführten Zug. Nanu? Das kann doch nicht sein? Die Dreizehntausend begangen zu tanzen, zu singen – Sprechgesänge, gute Laune, fröhlicher Austausch. Luise übersetzt dem Sprachmuffel – und der, das bin ich, denkt, er sei im falschen Film! Der zu ehrende Politiker reformierte diese Wahlheimat Türkei, er ist seit Jahrzehnten nicht mehr. Und soviel Empathie; ich kann es nicht glauben.

Abendliche Gäste in der Stadt klatschen Beifall, Autos hupen, es war ein fast unheimliches Event zum Lobe einer Ausnahmeerscheinung in der Politik; Tausende allein in dieser Stadt skandieren. Es werden Lieder gesungen, welche Alleinherrschern übel in die Gehörgänge gegangen sein müssen. Der lange Marsch zum Hafen und zurück ging ohne Umweg in die Beine – und tief ins Herz. Vor der Verabschiedung Händedrücken, manches Mal beidhändig und Dank Fremder für unsere Teilnahme.

Ins Stammbuch geschrieben allen, die ihre Informationen in der Ferne aus grob gestrickter Presse und/oder aus Medien beziehen, deren Schwerpunkt in angesagten Lokalitäten besteht. Alanya, unsere Wahlheimat, ist kritisch, ist wach. Seine Menschen sind nur in Ansätzen manipulierbar. Tausende blicken nach Izmir, nach Istanbul, nach überall hin und es wird ihnen nichts entgehen . . .

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Goldhochzeit – und der nächste Morgen


Man kann an einen solch einem Anlass nicht den ganzen Tag mit Feiermiene herum- und anderen im Wege stehen; wir haben das Hochzeitshabit noch hängen lassen und sind in Blaumann und ausgefranste und mehr unkleidsame, Klamotten gekrochen.

Meine Liebste räumte nachhaltig die Garage auf uns aus, frei nach dem Motto, ist das Kunst, oder kann das weg? Es konnte viel weg von allem, war über die Jahre aufhebenswert gewesen.

Des Goldhochzeiters job war es, dem so erbärmlich quietschenden Tor wieder Benehmen beizubringen – mit Hilfe eines Produktes, das wir aus Urzeiten als Wagenschmiere kennen lernten – wer gut schmiert, der gut fährt, in unserer Wahlheimat nicht unbekannt. Du kriegst es tatsächlich, wenn du im Sanayi erklärt kriegst, wo. Dann steigst du über eine offene Arbeitsgrube hinüber zum „shop“ – und hast die Auswqahl von drei Qualitäten. Unser und die Tore unserer Mireigentümer rollen noch nicht leise, das können diese Rolltore nicht, aber sie quietschen nicht mehr.

Die Belohnung kam des Abends, wir speisten in der Oberliga! Jeder Bissen ein Genuss! Jedes superleckeres Angebot vom Maitre und seinen Mitarbeitern freundlich kommentiert. Öl aus Ayvalik, das Beste, was die Türkei zu bieten hat, goldgelb und mit vollmundigem Eigengeschmack, köstlichst! Ein Fläschlein als freundliches Geschenk des Hauses, steht jetzt hier in der Küche.

Ein Roter, als besonders trocken offeriert, eine Offenbarung. Er wird in Gelibolu angebaut. Gegenüber von Canakkale und Ort des wichtigsten Krieges der Neuzeit für die Türkei, ein stilles Gedenken, Geschichte lässt einen nicht kalt. Auch nicht die Inschrift am kleinen Museum dort. Lesen. Bewegend, immer wieder.

Wir waren im Gourmetwunderland, prosteten einander zu – auf die noch verbleibende Zeit, ließen Gläser klingen. Glück pur. Die regennassen Kleider auf dem Heimweg, sie trocknen im Bad . . .

Heute früh machten die Becher voll Tee satt . . .

Dankedankedanke der Vielzahl von Menschen, deren gute Wünsche in die Zukunft wirken mögen!!!!

Übereinander hergefallen


Übereinander hergefallen sind wir in den ersten Tagen beim Skilaufen mehrmals. Weil sich die Skier miteinander verhakten, weil ein zugeschneiter Stein im Wege war, weil wir es alsbald prickelnd fanden. Immer wieder aufstehen und weiter durch Tiefschnee und Pisten zu Tale.

Vier Krankenschwestern nahmen teil an dieser Winterfreizeit in Südtirol vor mehr als fünfzig Jahren.  Drei davon, das war später zu erfahren, waren wohl weniger am Schneevergnügen interessiert, eher am Finden eines adäquaten Partners.

Nur eine hatte einen, schon bald hatte der Eine keine mehr. Mein dickes Winterfell ließ solche Wahrnehmungen nicht zu. Kümmere dich mal, sie hat sich in dich verguckt. Aus ihren Blitzeaugen schaute der Schalk, als wir einander wieder trafen.Die blitzen auch heute noch.

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Am achtundzwanzigsten März 2019 blitzen ihre Augen immer noch und das frohe Lachen gibt es noch immer; an diesem Tags sind wir genau fünfzig Jahre miteinander verheiratet. Wobei bis dato fröhlich gestritten wird, wer denn wohl wen ehelichte und wer geheiratet wurde. Ein energischer Zeigefinger tippte mir von hinten auf die Schulter – ich bin die Schwiegermutter!

Das sie den Klappaltar schon unter dem Arm trug, wird energisch verneint und gehöre in das Reich der Fabel. Ich habe eine großartige, gebildete liebevolle Schwiegermutter mit geheiratet! Fünfzig Jahre ging es nun miteinander durch dick und dünn, wie das wohl in jeder langen Gemeinsamkeit so ist.

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Der Alte ist nun nicht mehr so sturmfest und erdverwachsen, seine Haltbarkeitsdauer naja,  die Jungsche mit ihren erst Siebzig  hindert ihn daran, faul und bequem zu werden. Goldene Hochzeit ist angesagt, nur und ausschließlich für uns beide. Eine für den Anlass vorgesehene Summe geht an eine Schule mit Internat für junge Mädchen. Hier in Alanya. Das macht uns froh und erzeugt kein Sodbrennen.

Danke, meine Liebste,  fürs Durchhalten mit deinem Alten!

Sollte jemand nach dem Rezept fragen: Lasst die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn! Hat meistens geklappt! Ersatzweise tut es auch die Nachttischleuchte, notfalls die Nachtfunzel im Bad .. .

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Erhart


Erhart

Guten Morgen Freunde,
er musste leider geh´n. Schon!
Was er noch zu sagen hätte; ungesagt bleibt es.

Kurzlebig ist die Zeit geworden; eine Freundschaft, welche über sechzig Jahre dauerte, passt nicht mehr in diese. Ecken und Kanten hatte er – und verbarg sie in einem dicken Panzer, der nur selten nach außen ließ, was er für sich verarbeitete.

Peter, wenn du denkst, was ich denke, dass du das denkst, dann denkst du das Richtige. Ich dachte mehr an unsere Weiterreise nach Hannover und Neustadt und nur flüchtig an das, was er dachte. Ein Gefühl, dem Freund ginge es nicht gut und wir reisten früher zu ihm als gewollt. Es trog nicht. Vor dem Bahnhof in Horb, ein kurzer Knuff auf den Arm, ein kurzes Umarmen beim Einstieg, seine Frau fuhr ihn, dieser Abschied ging uns nahe, wir mögen es geahnt haben; weitere würde es nicht geben. Doch! Noch einen! Zu seinem letzten Gang fliegen wir noch einmal.

Wir werden nicht die Floskeln, welche die Sitte und die Kultur für diesen Zweck parat halten, nachbeten. Nur eines noch: Du hattest eine große Würde, mein Freund. Und sie war noch sichtbarer und klarer, als du fühltest, wie es um dich steht.

Peter

Erhart starb in den Armen seiner Frau am vergangenen Sonntag

Pack die Badehose noch nicht aus . . .


Pack die Badehose noch nicht aus . . .

sonnig, sehr sonnig sogar ist die Tagestemperatur vor dem Heiligen Abend. Die Wollsachen liegen auf dem Soffa, auf dem Balkon in der Nachmittagssonne reift seit eben ein Likör aus bitteren Orangen, im Ofen der neu geborene Sauerteig. Es ist eine Freude, hier hinter dem wild schäumenden Dimcay zu leben.

Statt Tannendüften hier ein Weihnachtsgruß: es sind die gestern geschnittenen letzten  weißen Rosen aus dem Garten! Schön! Einfach schön – und erinnert an die mutigen jungen Menschen, welche einen hohen Preis bezahlten, unvergessen!

Frohe Weihnachten rundum

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„mir gäbet nix“ . . .


„mir gäbet nix“ . . . 

So klingelt es mir aus meiner schönen Zeit in Karlsruhe in den Ohren, badisch-schwäbisch und oft genug erfuhr ich, dass das alles so, wie es klingen mag, gar nicht so gehandhabt wurde.

Heute besuchten uns wieder Ayşe und Kayhan, ihre Anoraks tropften vor Nässe, aber fröhlich und offen wie beim ersten Besuch. Beide sind Engeler, behindert also. Sie „verkaufen“ ihr Engagement für ihre Organisation positiv und ohne Druck auf die Tränendrüse. Auf unsere Fragen kamen klare Antworten.

Von morgens um zehn Uhr bis abends 17 Uhr sind die beiden Optimisten unterwegs. Gerne seien sie gesehen, wo sie klingeln oder klopfen – und nur wenige Ablehnungen erfahren die Beiden.

Schon bei ihrer ersten Kaltaquise vor Wochen und mitten im Handwerkertrubel trugen sie ihr Anliegen vor, sammeln für Behinderte, froh und überzeugend . Wie auch heute bei einem Teegespräch.IMG_20181219_131644.jpg

Wir schenken einander seit Jahren gegenseitig nichts mehr. Weil wir das so wollen und weil wir keine „Rumstehchen“ mehr brauchen und weil wir niemandem etwas beweisen müssen.

Die Weihnachtsgeschenke 2018 gingen an Menschen, welche dieses Fest gar nicht begehen. Und das ist gut so! Iyi yeni yillar, Ayşe und Kayhan!

. . . Weiß noch jemand, womit man Strümpfe stopft?


. . . weiß noch jemand, womit man Strümpfe stopft?

Kennt noch einer die Zeiten, in welchen der Stopfpilz die Hauptzutat war, ohne welchen die Löcher einfach zuammengezerrt wurden? Ein neues Zeitalter, ein neues Jahrhundert änderte das, heute nimmt man frischen Lavendel aus dem eigenen Garten da hinten in der Sarağlar Mahallesı hinter dem wild schäumenden Dimçay.

Es weihnachtet gar sehr und nach dem Schwarzen Freitag des Konsumkrieges kommt der letzte Sonntag im Kirchenkalender und diesem folgt der erste Advent.

Felizitas und meine liebe Frau strippen um die Wette den Lavendel, um ihn in kleine Strümpfe hinein zu diskutieren, frische natürlich!

Diese wiederum sollen auf dem Alanyaweihnachtsbazar angeboten werden zwecks guten Duftes in den Wäscheabteilen.

Wenn es aus den Ständen der Anbieter heftig nach Lavendel/Lavanta duftet und nicht nach Gesottenem und Gebratenem, dann seid ihr richtig! Also immer der Nase nach . . .

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