Pack die Badehose noch nicht aus . . .


Pack die Badehose noch nicht aus . . .

sonnig, sehr sonnig sogar ist die Tagestemperatur vor dem Heiligen Abend. Die Wollsachen liegen auf dem Soffa, auf dem Balkon in der Nachmittagssonne reift seit eben ein Likör aus bitteren Orangen, im Ofen der neu geborene Sauerteig. Es ist eine Freude, hier hinter dem wild schäumenden Dimcay zu leben.

Statt Tannendüften hier ein Weihnachtsgruß: es sind die gestern geschnittenen letzten  weißen Rosen aus dem Garten! Schön! Einfach schön – und erinnert an die mutigen jungen Menschen, welche einen hohen Preis bezahlten, unvergessen!

Frohe Weihnachten rundum

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„mir gäbet nix“ . . .


„mir gäbet nix“ . . . 

So klingelt es mir aus meiner schönen Zeit in Karlsruhe in den Ohren, badisch-schwäbisch und oft genug erfuhr ich, dass das alles so, wie es klingen mag, gar nicht so gehandhabt wurde.

Heute besuchten uns wieder Ayşe und Kayhan, ihre Anoraks tropften vor Nässe, aber fröhlich und offen wie beim ersten Besuch. Beide sind Engeler, behindert also. Sie „verkaufen“ ihr Engagement für ihre Organisation positiv und ohne Druck auf die Tränendrüse. Auf unsere Fragen kamen klare Antworten.

Von morgens um zehn Uhr bis abends 17 Uhr sind die beiden Optimisten unterwegs. Gerne seien sie gesehen, wo sie klingeln oder klopfen – und nur wenige Ablehnungen erfahren die Beiden.

Schon bei ihrer ersten Kaltaquise vor Wochen und mitten im Handwerkertrubel trugen sie ihr Anliegen vor, sammeln für Behinderte, froh und überzeugend . Wie auch heute bei einem Teegespräch.IMG_20181219_131644.jpg

Wir schenken einander seit Jahren gegenseitig nichts mehr. Weil wir das so wollen und weil wir keine „Rumstehchen“ mehr brauchen und weil wir niemandem etwas beweisen müssen.

Die Weihnachtsgeschenke 2018 gingen an Menschen, welche dieses Fest gar nicht begehen. Und das ist gut so! Iyi yeni yillar, Ayşe und Kayhan!

. . . Weiß noch jemand, womit man Strümpfe stopft?


. . . weiß noch jemand, womit man Strümpfe stopft?

Kennt noch einer die Zeiten, in welchen der Stopfpilz die Hauptzutat war, ohne welchen die Löcher einfach zuammengezerrt wurden? Ein neues Zeitalter, ein neues Jahrhundert änderte das, heute nimmt man frischen Lavendel aus dem eigenen Garten da hinten in der Sarağlar Mahallesı hinter dem wild schäumenden Dimçay.

Es weihnachtet gar sehr und nach dem Schwarzen Freitag des Konsumkrieges kommt der letzte Sonntag im Kirchenkalender und diesem folgt der erste Advent.

Felizitas und meine liebe Frau strippen um die Wette den Lavendel, um ihn in kleine Strümpfe hinein zu diskutieren, frische natürlich!

Diese wiederum sollen auf dem Alanyaweihnachtsbazar angeboten werden zwecks guten Duftes in den Wäscheabteilen.

Wenn es aus den Ständen der Anbieter heftig nach Lavendel/Lavanta duftet und nicht nach Gesottenem und Gebratenem, dann seid ihr richtig! Also immer der Nase nach . . .

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Mehr oder weniger fröhlich niedergekommen


Mehr oder weniger fröhlich niedergekommen

nein, nein, noch nicht mit um einiges verspäteten Nachwuchs; wir sind beide zu Boden gegangen. Nein, nein, wir sind auch nicht türkischer geworden als diese Türken. Nur, weil wir nun auf dem Fußboden unser Leben fristen – das bleibt noch einige Zeit so.

Da man sich ja sonst nicht gönnt, gönnten wir uns eine neue Couch. Schön, wenig ausladend. Sie sollte unseren Sitzkomfort erhöhen und nicht repräsentativ den Raum füllen und vor Besuchern prunken.  Leider litt sie schon nach wenigen Tagen unter Altersfalten, obwohl noch so jung an Jahren.  Der Konfort war erstklassig beim Verkauf.

Nach einigen Wochen erschien der Kundendienst: wir müssen euer Soffa mitnehmen und neu polstern. Konfort eben. Gesagt, getan, die neue Gemütlichkeit verschwand; „kann einige Wochen dauern“.

„Helft uns bitte, die Ausrangierte aus ihrer Emigration zu befreien und reumütig wieder in Dienst zu nehmen.“ „Nein, das ist nicht unsere Aufgabe, das machen wir nicht!“ Nun haben wir die Polster aus der Verbannung geholt und besitzen sie. So ziemlich weit unten. Der Abendtrunk steht dann eben neben den Füßen, verschönt das Fernsehprogramm  von der Nullebene aus.

Nur das Sicherheben, autsch! Niemand hat das auf seinem Fototelefon dokumentiert. Und das ist gut so!

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Wie es sich anfühlt, VIP zu sein


Wie es sich anfühlt, VIP zu sein. . .

Beim Abholen ist er immer – Immer! – mindestens fünf Minuten vor der vereinbarten Zeit da. Damit hat er uns angewöhnt, ebenfalls früher vor dem Tor auf ihn zu warten. Auch bei Abflug zu etwas ungewöhnlichen und damit bezahlbareren Zeiten. Trinkbares ist immer mit an Bord. Aber morgens noch vor sechs Uhr extra nach ofenfrischen Poaga azustehen? „Ihr frühstücktet doch noch nicht, da habe ich eben „. . .

Dasselbe gestern bei der Rückkehr nach Hause: „ihr habt im Flieger, wenn überhaupt, doch irgend etwas Dröges zwischen die Zähne bekommen, da habe ich wieder“ . . . Das Taxi duftete schon beim Einstieg und ein heftiger Speichelfluss bei uns. Wieder alles puttwarm.

Wohl über mehr als zehn Jahre ist eine herzliche Freundschaft gewachsen zwischen Kerim Aydin uns uns. Seit er unseren Chris, der Gift aufgenommen hat, auf seinen Armen in sein Taxi trug, ihn bettete und hinauf zu Osman bey in die Tierklinik trug. „Ich schalte die Uhr ab und warte, ihr müsst ja auch wieder nach Hause!“ Wir kennen einander, wissen, wie er seine beiden Kinder allein erzog. Freuten uns mit ihm über seinen neuen Siebensitzer, freuen uns immer, wenn wir einander sehen.

Selbstverständlich, aber das ist eben nicht selbstverständlich, kam er nächtens zu einer Fahrt in die Devlet-Ambulanz, obwohl er seinen freien Tag hatte – und seine freie Nacht! Unser Freund Kerim Aydin, 0090 537 479 7873 – Gruß von Luiza ve Pättärr, türkisch natürlich, deutsch geht auch.

 

 

 

 

Frühstück? Bitte fünf Treppen hoch


Frühstück? Bitte fünf Treppen hoch! Nüchtern vom Tiefschlag nehmen wir lieber den Aufzug. Der Zugang ist nicht kompliziert, doch ungewöhnlich. Der geht quer durch die Kirtasienhandlung Özkan. Sonntagsfrühstück und die Vorfreude darauf.

„Tut uns leid, aber um bei mir zu frühstücken bitte anmelden.“ Der Ausblick vom Balkon auf den oberen halben Burgberg – aufregend schön, Das Lokal originell, heimelig. Aber nicht sättigend. Wir gönnen uns jeder einen Kaffeelatte, uns tröstend im Elend.

„Soll ich denn mal , typisch türkisch wieder einmal, diese von Herzen kommende Freundlichkeit. Wir genossen ein improvisiertes Sontagsfrühstück, wurden herzlich verabschiedet – und kommen sicher wieder. Dann natürlich angemeldet.

Café Nerdek, Fatma Toksöz, Özkan Plaza Kat 5 – eine Empfehlung von Martina Yaman, nach der Pleite im Bergamot; danke Martina für diese Empfehlung!

Stefanie 2 – „da, der Tein“


Stefanie – „da, der Tein“

Wer nach der Lektüre der ersten Geschichte über Stefanie glaubte, glauben musste, dass Wundertochter nach dem ersten Schiss in die Windel auch gewählte Worte ausdrückte, der irrt sich. Das kam später. Meine liebe Schwiegermutter legte dazu die Grundlagen.  Sie knuffte die Kinderkarre nebst Inhalt durch Altwarmbüchens Feldmark, seinen Wald bei jedem Wetter vor sich her, Kleinsteffis Gesichtchen immer zugewandt. Bis heute verstehen wir nicht, wie Eltern ihre Kinder in Luxuskarren chauffieren und wortlos auf den Hinterkopf ihres Nachwuchses starren – oder auf ihr handy. Das gab es Anfang der Siebziger noch nicht.

Das kleine Mädchen soll sich auch nicht erst an die ach so niedliche Babysprache gewöhnen. Natürlich versteht sie noch nicht, wenn ich über die Kumuluswolken doziere, über das  Chlorophyll und seine Wirkungen, über Rhyzome und was diese bewirken. Aber sie gewöhnt sich an den Sprachduktus erwachsener Menschen. Lebenskluge Frau, Wwe. mit eigenen fünf Blagen.

Da, der Tein, war eine der ersten Äußerungen. Mama kam später, Pappilein noch später. Der Stein, den die Schieberin der Karre ihr zeigte, war eben wichtiger. Die Lust zu fabulieren hingegen schon ziemlich bald schon. Hatte sie auch wohl von Vatern. Stolz. Gefördert durch schon sehr frühen Genuss des Fernsehens! Jeden Tag saß sie auf ihrer Babyschräge davor – und erlebte die Welt, wie sie ihr gefällt.

Ganze Schwärme von Fischen faszinierten, farbig bunt und immer in Bewegung. Einiges später durften die Kleinkindpfötchen die Fische auch selbst füttern. Richtiges Fernehen gab es bei den Hockis noch lange nicht. Bis eine mitleidige Nachbarin uns den ausrangierten Schwarzweißen als eine Spende dedizierte, der neue Farbenklotz brauchte Platz.

Zu dem Tein kamen weitere wichtige Vokabeln – Schmetterdings und Hopselschuhe. Auch die Eltern wurden als solche dann auch bald namentlich erwähnt.