Drei Engel auf kleiner Fahrt


Drei Engel auf kleiner Fahrt

Der Freitagabend vor dem dritten Advent. Es nieselt still vor sich hin, als wir den köstlichsten Sauerbraten mit schneeweißen Knoddeln und delikatestem Rotkohle nach Hause schleppen. Danke, liebe Susanne, lieber Manfred, es war – wieder einmal – ganz besonders köstlich bei 2euch zu Tische! Vielen lieben Dank!

Wie gesagt, es nieselte, nur hin und wieder ein Raser, der es auf unsere Kleidung absah und durch die Pfützen heizte. Der Heimweg schien etwas mühsam zu werden, wir waren einfachz zu satt.

Nach nur hundert Metern rollt ein kleines Auto rückwärts auf uns zu, Vorsicht, die Zehen: „Los, steigt ein, wir fahren euch bis vor die Haustüre. Wir kennen euch doch, ihr seid Luiza ve Pättärr. Wir wissen, wo ihr wohnt.“ Wir kannten sie nicht, diese drei Fröhlichen, braune Blitzeaugen und frische Pausbacken unter den Kopftüchern, fröhliches Gelächter das auf der ganzen kurzen Strecke nicht aufhören wollte. Äußerst ansteckend! Drei Engel eben – ohne Flügel.
Aus Alanya kamen sie und waren auf dem Wege nach Mahmutlar, bogen extra für uns rechts ab und wünschten einen fröhlichen Abend.

So ist das hier in unserer Wahlheimat Türkei. Nicht immer, aber meistens . . .
Schönen dritten Advent!

Hockis online am Donnerstag, 18. Oktoberanno zwanzigachtzehn


Hockis online am Donnerstag, 18. Oktober anno 2018 

Eine neue Spalte tut sich auf im Blog Leben und Reisen in der Türkei: Hockis online.

Freundliches Willkommen in der Medizinischen Fakultät der Universität Kestel-Alanya. Freundin Şeyda ist vom Devlet Hastanesı als Dozentin hierher gewechselt und lud uns ein, sie in ihrem neuen Wirkungsbereich zu besuchen.

Die Mensa und die Unterrichtsräume wurden zu Hörsälen und Studienräumen; gemeinsamer Rundgang mit Kontakt zum Dekan, Stören der Schülerinnen und Schüler, so heißen die Studentinnen und Studenten in der türkischen Sprache.

Dr. Şeyda erklärt uns einen Engpass in der Praxis; „Wir haben Mühe, Kadavarı zu finden, so heißt der Begriff im Türkischen. Ich übersetze mal so, wie ich es verstanden habe: es fehlen Menschen mit abgelaufener Haltbarkeitsdauer, die ihr Inneres nach außen kehren, damit die Azubis in Sachen Medizinkenntnis lernen. Im Moment haben wir nur einen Menschen aus Holland in der Kühlung; er hat keine Verwandten“ . . .

Hoffentlich gelang es, mit der mir eigenen Pietät und meiner Ehrfurcht vor Menschlichem das erklärt zu haben.

Bei unserer Freundin rief die Pflicht, bei uns der heiße zwei Kilometer lange Weg zurück. Drei Fleißige hocken auf ihren Fersen und sammeln die heruntergefallenen Oliven auf. Freundliche Ansprache meiner Liebsten, der Mann springt auf, steigt mit allen vier Gliedmaßen eine steile Mauer hinauf – nur um uns zwei dicke fette und zuckersüße Granatäpfel  direkt vom Baumzu schenken. Vermutlich kennt man sich vom Sehen – oder auch nicht. Ehe die Kamera ihre Arbeit begann, war er schon wieder unten.

Bei uns daheim gibt es nur noch den Lärm, die wir selbst erzeugen, kein Handwerker, keine Schattenspiele mehr auf dem nicht mehr vorhandenen Gerüst . . . Das Leben ist schön, wird noch klarer, wenn er der Staub Afrikas sich wieder setzte.