Goldhochzeit – und der nächste Morgen


Man kann an einen solch einem Anlass nicht den ganzen Tag mit Feiermiene herum- und anderen im Wege stehen; wir haben das Hochzeitshabit noch hängen lassen und sind in Blaumann und ausgefranste und mehr unkleidsame, Klamotten gekrochen.

Meine Liebste räumte nachhaltig die Garage auf uns aus, frei nach dem Motto, ist das Kunst, oder kann das weg? Es konnte viel weg von allem, war über die Jahre aufhebenswert gewesen.

Des Goldhochzeiters job war es, dem so erbärmlich quietschenden Tor wieder Benehmen beizubringen – mit Hilfe eines Produktes, das wir aus Urzeiten als Wagenschmiere kennen lernten – wer gut schmiert, der gut fährt, in unserer Wahlheimat nicht unbekannt. Du kriegst es tatsächlich, wenn du im Sanayi erklärt kriegst, wo. Dann steigst du über eine offene Arbeitsgrube hinüber zum „shop“ – und hast die Auswqahl von drei Qualitäten. Unser und die Tore unserer Mireigentümer rollen noch nicht leise, das können diese Rolltore nicht, aber sie quietschen nicht mehr.

Die Belohnung kam des Abends, wir speisten in der Oberliga! Jeder Bissen ein Genuss! Jedes superleckeres Angebot vom Maitre und seinen Mitarbeitern freundlich kommentiert. Öl aus Ayvalik, das Beste, was die Türkei zu bieten hat, goldgelb und mit vollmundigem Eigengeschmack, köstlichst! Ein Fläschlein als freundliches Geschenk des Hauses, steht jetzt hier in der Küche.

Ein Roter, als besonders trocken offeriert, eine Offenbarung. Er wird in Gelibolu angebaut. Gegenüber von Canakkale und Ort des wichtigsten Krieges der Neuzeit für die Türkei, ein stilles Gedenken, Geschichte lässt einen nicht kalt. Auch nicht die Inschrift am kleinen Museum dort. Lesen. Bewegend, immer wieder.

Wir waren im Gourmetwunderland, prosteten einander zu – auf die noch verbleibende Zeit, ließen Gläser klingen. Glück pur. Die regennassen Kleider auf dem Heimweg, sie trocknen im Bad . . .

Heute früh machten die Becher voll Tee satt . . .

Dankedankedanke der Vielzahl von Menschen, deren gute Wünsche in die Zukunft wirken mögen!!!!

Übereinander hergefallen


Übereinander hergefallen sind wir in den ersten Tagen beim Skilaufen mehrmals. Weil sich die Skier miteinander verhakten, weil ein zugeschneiter Stein im Wege war, weil wir es alsbald prickelnd fanden. Immer wieder aufstehen und weiter durch Tiefschnee und Pisten zu Tale.

Vier Krankenschwestern nahmen teil an dieser Winterfreizeit in Südtirol vor mehr als fünfzig Jahren.  Drei davon, das war später zu erfahren, waren wohl weniger am Schneevergnügen interessiert, eher am Finden eines adäquaten Partners.

Nur eine hatte einen, schon bald hatte der Eine keine mehr. Mein dickes Winterfell ließ solche Wahrnehmungen nicht zu. Kümmere dich mal, sie hat sich in dich verguckt. Aus ihren Blitzeaugen schaute der Schalk, als wir einander wieder trafen.Die blitzen auch heute noch.

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Am achtundzwanzigsten März 2019 blitzen ihre Augen immer noch und das frohe Lachen gibt es noch immer; an diesem Tags sind wir genau fünfzig Jahre miteinander verheiratet. Wobei bis dato fröhlich gestritten wird, wer denn wohl wen ehelichte und wer geheiratet wurde. Ein energischer Zeigefinger tippte mir von hinten auf die Schulter – ich bin die Schwiegermutter!

Das sie den Klappaltar schon unter dem Arm trug, wird energisch verneint und gehöre in das Reich der Fabel. Ich habe eine großartige, gebildete liebevolle Schwiegermutter mit geheiratet! Fünfzig Jahre ging es nun miteinander durch dick und dünn, wie das wohl in jeder langen Gemeinsamkeit so ist.

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Der Alte ist nun nicht mehr so sturmfest und erdverwachsen, seine Haltbarkeitsdauer naja,  die Jungsche mit ihren erst Siebzig  hindert ihn daran, faul und bequem zu werden. Goldene Hochzeit ist angesagt, nur und ausschließlich für uns beide. Eine für den Anlass vorgesehene Summe geht an eine Schule mit Internat für junge Mädchen. Hier in Alanya. Das macht uns froh und erzeugt kein Sodbrennen.

Danke, meine Liebste,  fürs Durchhalten mit deinem Alten!

Sollte jemand nach dem Rezept fragen: Lasst die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn! Hat meistens geklappt! Ersatzweise tut es auch die Nachttischleuchte, notfalls die Nachtfunzel im Bad .. .

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Zwei Frauen in tiefem Schlafe


Schlafende Hunde soll man nicht wecken, schlafende Frauen aber auch nicht. Eine von den Beiden, vielleicht alle zwei so einfach aus Morphäus`Armen zu reißen, könnte Folgen zeitigen.

Frau Katzekatze und Frau Luise sind Nachteulen; je später der Abend, desto schöner der Spaß, der Alte kriegt das gar nicht so mit. Katzekatze geht nach Mittrnacht noch einmal um die Häuser. Heute früh verlangte die Hausbesitzerin Einlass.

Meine liebe Frau dreht sich und verdreht sich, damit das Felltier es nur bequem hat. Man muss das wohl verstehen und tolerieren. So wärmt man sich gegenseitig – und ein hochglänzendes Katzenfell noch mit Katze drin fühlt sich eben schöner als eine hochglänzende Glatze . . .

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Neues aus der Bodenforschung


Die Forschungsergebnisse aus der Bodenforschung betreffen mitnichten das Gebiet unserer Wahlheimat Türkei, sondern nur schlichte geschätzte hundertfünfzig Meter einer Straße, in welcher wir wohnen, hinter dem wild schäumenden Dimcay.

Über einen langen Zeitraum schon bücke ich mich nach Dingen, welche aus den vorüberrasenden Vehikeln geschmissen werden. Noch bis vor einigen Wochen handelte es sich vorwiegend um entleerte alte Schachteln, deren lungenverpestender Inhalt inhaliert wurde. Hin und wieder auch die vollgekackten Windeln, die aufklatschen.

Das hat sich merkbar geändert. Handelte es sich bei den Nikotinstinkern vorwiegend um Billigmarken, falls es solche gibt. Oder das schmale Sträßlein ist so sehr durchlöchert von den Regengüssen, dass beide Hände am Steuer bleiben müssen.

Dafür hat sich Masse leergefutterter Chipstüten und Bonbonpapiere deutlich vergrößert. Vermutet wird nicht etwa eine größere Einsicht der Ausdemautoschmeißer. Macht aber nichts, wir mit einer Mehrportion Fleiß auf dem Wege zur Tonne wieder beseitigt.

Soll keinFatalismus sein, unsere Wahlheimat wählt in Kürze neue Bürgermeister und diese Muhtare, hat nichts mit Rindviechern zu tun. Vielleicht verspricht der eine oder andere Versprechende, seinen Einfluss in Wegwerfsachen geltend zu machen. . . . .  Die Bodenforschung geht weiter . . . . .

 

 

Viel Glück und viel Segen . . .


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Viel Glück und viel Segen . . .

dem Brautpaar. Wir lernten einander nicht kennen, euch hinter den getönten Scheiben im hellen festlich geschmückten Kleinbus. Schade genug.

Wir kamen im „Phaeton“ den Abhang hinunter gedüst. Euer Bus hielt direkt vor uns, verhinderte uns als Rechtsabbieger am  Weiterfahren. Der Straßenverkehr in Alanya ist ein wenig unkonventionell geworden. Mensch gewöhnt sich, aber bei so viel Dreistigkeit schwoll mir der Kamm.

Euer Fahrer stieg aus, kam um sein Fahrzeug herum – und schenkte meiner lieben Frau einen Luftballon, stieg wieder ein, ein fröhliches Hupen – und gab den Weg wieder frei . Freude. Überraschung . . .

 

 

 

Oh, wie schön war es – vordem


mit dem Hören von Unterhaltendem und Bildendem aus dem Radio. Sieht man einmal von der unsäglichen Göbbelsschnauze au Bakelit ab. Die hatte nur einen Knopf  für An und Aus. Sonst nichts. Der wurde bemüht, wenn Lügenjöbke den totalen Endsieg hergeilog.

Sonst gab es das stoffbespannte Riesenmöbel, mit einem magischen Auge, das dich anblinzelte, wenn du eine der Tasten drücktest.  Drinnen hatte es Röhren, je mehr, desto besser. Heute steht ein kleines quadratisches Teil auf der Fensterbank. Es hör auf den Namen Sonos. Es gibt vor, nach allen vier Seiten  sein blabla zu verbreiten.

Das Wunderding soll aus aller Welt das zu Gehör bringen, was man heutzutage als Musik bezeichnet. Du musst das über dein Taschentelefon mit diversen und mir überflüssig erscheinenden Möglichkeiten steuern. Wie man eine App, klingt schon wie Appetit, einrichtet, mühevoll erlernt.

Eine Welt tut sich auf, von Radio Castrop-Rauxel bis zu den Fidschi-Inseln kommt alles kristallklar. Schöne weite Welt. Die Mühsal beginnt, will ich Radio Berlin hörgenießen, nur zum Beispiel. Stell dich nicht so an, ist doch ganz einfach, tipp tipp tipp und schon…. Wehe mir, streikt das Internet und zwingt mich, das Procedere neu anzuleiern.

Dem Jungen schenkte  eine alte Dame einen Kristalldetektor. Antenne auf eine Bohnenstange montiert, die Kopfhörer auf und am Kristall gepopelt, und Geräusche aus dem Aether jubelnd begrüßt. Bis glasklar und rein und in die Ohren dröhnend RIAS Berlin, der amerikanische Sender hereinkam. Das war in der Zone streng verboten. Stiefmütterlein trat mein Kleinod in die Tonne.

Heute bin ich noch Lehrling im ersten Lehrjahr in Sachen Sonos und meine liebe Frau unterrichtet. Geduldig zumeist, bis sie auch mal laut wird. Lehrkräfte sind eben auch nicht mehr das,was sie mal waren. Ein probates Mittel der Wissensvermittlung war ja der Rohrstock. Oder das Lineal quer über die Pfoten, mit der harten Leiste nach unten…

Bildergebnis für Crystal Detectorcats whisker detector

 

 

Wissembourg – il pleut


Nur runde fünf Viertelstunden von Karlsruhe, eingeschlossen der Umsteiger in Winden, beginnt ein anderes, ein besonders schönes Europa, das Elsass.

Ein eisiger Regen treibt uns vor sich her. Die Kamera in ihrer ledernen Hülle wackelt mit.

Es ist wie ein vorgezogene April, jedoch sind wir regendicht und gelegentliche Sonnenstrahlen leuchten die Schönheiten der Stadt aus – und den Charme dieses Ortes.

Die Kirche meines Namensgebers Pierre und Paul, innen wie von außen schon, Gläubigen wie den Ungläubigen gleichermaßen zugänglich, eine Freude für Körper und Geist, die Gedanken drängen nach oben. Kraft für den Tag morgen in Tumlingen.

Der Magnolienzweig will in Regen und Wind nicht stillhalten, dieses Zeichen des Frühlings, der sich heuer schwer tut.

Wissembourg, Grenzstadt nach Germanien, aber wo ist die Grenze? Kein Schlagbaum, niemand will deinen Pass sehen, alle zahlen mit gleicher Münze. Es regnet gleichermaßen auf alle.

Fünf Viertelstunden zurück nach Karlsruhe – in eine warme Frühlings Sonne. Das rote Viertel vom Pfälzer, vom Elsässer, vom Badener, vom Württemberger, es ist ja noch nicht Abend…