Es gibt nicht nur die Welt, es gibt auch noch mich!


 

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Gefühlte Äonen ist es her, seit unsere Große, die, man glaubt es nicht, auch mal unsere liebe Kleine war, diese Anklage gegen uns, die Eltern, schleuderte. So zum Beispiel, wie es es hier in unserer Sarağlar Mahallesi nicht nur Katzekatze gibt! Die ist inzwischen über die engen Grenzen hinaus bekannt geworden.

Weil sie uns tagtäglich zeigt, wie sie durch Korruption, durch Können, durch Schmeicheln weiterkommt im ach so tristen Dorfdasein. Hausbesitzerin wurde sie durch schmerzlos erworbenen Hausbesitz; die Eigentümer außer Diensten stehen zur Verfügung als Hilfspersonal. Bianka, eine begnadete Künstlerin und Malerin naturnaher Tierportraits, nahm sich ihrer an, macht sie berühmt.

Katzekatze, du bist abgefeiert, es gibt nicht nur dich, es gibt neben Dir auch noch Hundhund. Hundhund ist ein weißer georgischer Hütehund, mit gekappten Ohren, damit ihm die Wölfe die Wascheln nicht lang ziehen können. Hundhund hütet jetzt den Betrieb unserer Nachbarn, steckt seinen Kopf durchs Gitter und kann niemals genug gestreichelt werden.

Vor Hundhund muss man sich hüten, besucht man seine Leute, legt er sich lang hin, los, streichel mich! Willst Du wieder gehen, geht das nicht. Das Riesenvieh setzt sich vor dich und weicht keinen Zentimeter.

Hörst du nächtens ein Wolfsgeheul, tust du gut daran, in Nachtzeug und Schlappen aufzutauchen und mit ihm philosophische Gespräche zu führen. Er sagt schon, wann genug ist und das ist es nie. Aber Ruhe ist!

Vorsicht beim Essen, ganz vorsichtig nimmt er dann auch schon mal zwei oder drei Finger mit. Es gibt ja so moderne Ersatzteile, alles halb so schlimm. Hundhund ist sein  Alias, wegen Katzekatze. Der Kreis der Ansprechpartner ist noch ausbaufähig. Probieren, hinschauen, wo man hintritt; vielleicht trifft man doch mal auf eine türkische Würgeschlange, welche Gesprächsbedarf anmeldet . Achtung, die redet mit gespaltener Zunge . .

 

Offener Brief an unsere Unken, Spökenkieker, Wettervorherseher, Wolkenversteher und die anderen mit übersinnlicher Begabung, Unheil zu riechen.


Offener Brief an unsere Unken, Spökenkieker, Wettervorherseher, Wolkenversteher und die anderen mit übersinnlicher Begabung, Unheil zu riechen.

Meistens grinse ich etwas einfältig, kommt ihr mit euren Prognosen rüber. Hiermit und nach diesem Wettergebnis es heutigen Nachmittags tue ich reumütig Abbitte. Nicht auf Knien, so weit geht das denn doch nicht. Weil ich nicht mehr mit dem . . . . . . . hochkomme und die Kiee nass wurden.

Ihr habt es echt drauf und ich giere künftig, meinen meist erfolglosen Blick in die Wetterzukunft zu verlachen, ihr habt ja so was von recht! Woher kommt eure Einsicht in die nasse nahe Zukunft? Bezahlt ihr Kirchensteuer oder füttert sonst irgend eine fromme Behörde und kriegt minutengenau die Zeit gemailt, in welcher euer Wetter losschlägt?

„ Jungs, nun zeigt doch mal, was ihr drauf habt! Macht mal die Wasserhähne und eure Augen auf. Ihr kriegt schon heraus, wo es Löchlein im türkischen Allheilmittel für Abdichtungen gibt.“ „Tamam! Machen wir, usta!“

„Zieh dir sofort die nassen Socken aus, Liebster, ich gehe der Wischundwegnässe schon zu Leibe, schreibe du nur . . .“

Noch vor dem allmorgendlichen Morgenbriefing des Herrn Steingart werde ich künftig eure Verlautbarungen inhalieren, versprochen. Und auch nur, wenn wieder Mal das Licht aus ist.  Aber nur, wenn sie das Sonderwetter in diesem Jahr bis in unsere Mahalle posaunen.

Bild könnte enthalten: Himmel, Wolken, im Freien und Wasser

Almanya sokak haber – übernommen von Klaus Kaumanns

Noodles – köstlich, köstlich köstlich aus Tekirdağ


Noodles – köstlich, köstlich köstlich aus Tekirdağ

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Tekirdağ – eher berühmt für Köstliches aus der goldigen Flasche; ich habe die andere Köstlicheit entdeckt! Bei Metro etwas geschamig unter ferner liefen aufgefunden. Dafür einige Kuruş günstiger als bei Bims. Dort habe ich sie entdeckt, wie ein gefundenes Fressen.

Und nun, da der Genuss dieser leckeren und überaus gesundenden Antibiotika alsbald endet, kommt die nouvelle quisine wieder zu Ehren. Oder wie nennt der Connaisseur eine Dreiminutenpampe mit Fixnudeln?

Meine Liebste doziert: dieses Zeugs enthält mindestens fünfhundert Kalorien – und wie kriegn die diese Dinger, die wie Nudeln ausschauen, so fix weich? Guck doch nur mal, was da zwischen deinen Bartstoppeln baumelt,voll der giftigen Zutaten. Nichts etwas, welches mir den Heißhunger vermiest.

Drei Gläser voll Wasser in den Topf und Feuer frei, höchstens drei volle Minuten! Mit der Faust auf die Verpackung schlagen, die Hälfte aufkehren und rein damit in den Topf, wird ja sterilisiert. Diese Minipackungen entleeren sich automatisch neben die heiße Herdplatte, Vorsicht beim wirtschaftlichen Aufnehmen mit der Zunge. Und macht fröhlich . . . Und satt!

Das Leben wurde mit einem Schlag wieder lebenswert; vorbei – vorerst – der Dauerregen, die Darmflora jubelt ob der ihr zugefügten Dauergenüsse. Die Kultur exquisiten guten Geschmacks floriert, zumindest ziemlich weit innen. Weiter außen erwarten wir die gewohnt ehrlichen Wahlergebnisse im Märzen. Heile Welt in der Wahl zwischen den Ergebnissen; am leckersten sind die mit Körigeschmack. Ählich!

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Hoş geldiniz zwanzigneunzehn, görüşürüz zwanzigachtzehn


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Türkische Esstische halten entweder nicht viel aus, weil zu leicht gebaut, oder sie biegen sich unter der Last der Speisen. Unsere Freunde Rıza und Aynur luden zum Silvesteressen ein. In ihren Augen waren ihre beiden Gäste verhungerte Striche in der Landschaft. Getrunken wurde zu Gebratenem und Gesottenem Milch. Löwenmilch. Nur eine von uns hielt sich an Wasser.

Gute Gespräche, unbeugsame Menschen. Rıza, einen winzigen Augenblick ließ er seine Seele sehen, ehe er seine Gedanken wieder disziplinierte

Meine Liebste echauffiert uns mit dem „Phaeton“ vom leise quasselnden Obaçay hinter den wild schäumenden Dimçay. Jede Bodenwelle verursachte ein lautes Hicks – und es gab deren viele; wenn die reihern musst, halte den Rüssel weit hinaus in die Landschaft, war der charmante Rat.

Wir und unsere Tiere sind der europäischen Kultur des Böllerns und seiner Begleiterscheinungen um zwei Stunden voraus. Zwei Hotels boten dem Logenplatz auf der Terrasse je gefühlte hundertachtzig Sekunden lang ein bezauberndes Feuerwerk. Serife böllerte nicht, Hakan nicht, Hasan nicht, Taxifahrers nicht, Busbesitzer nicht zuhause.  Niemand hatte hier einen Knall. Hundhund, der hin und wieder schneeweiße Hütehund aus Georgien, steckte friedlich seinen Kopf durchs Gitter, seine Streicheleinheiten zu empfangen.

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Wir genossen eine halbe Flasche des 1979er Sasbachwaldener Roten vierzig Jahre alten Weines, nach vierzig Jahren war er dran. Einst in Sasbachwalden im Schwäbischen erworben und nun in der Wahlheimat Türkei genossen.

Prosit, junges neues Jahr! Was bringst du uns? Was sollen wir Dir liefern?

„Es freit ein wilder Wassermann auf der Burg wohl hinter dem See. Der Königin´ Tochter wollte er han“ . . .  So wild war es dann auch wieder nicht, das Knie schaute hinten aus dem Hinterkopf hervor. Und dann heiratete er sie – oder sie ihn, diese Frage blieb bis auf den heutigen Tag ungeklärt. Was will der alte Kaktus mit dieser Orchidee? All das passierte vor einem runden Vierteljahrhundert, meine Korrekturleserin berichttigt das, mit einem Grinsen im Gesicht . . .

Ein Kindlein ward uns geboren. Papi, wollen wir rotzen? Klaro. Wir standen auf der Autobahnbrücke, die Fahrräder im Blick – und rotzten. Papi, gibt es heute noch Räuber? Klaro! Aber sie lauern nicht hinter dem Busch. Sie sitzen im Finanzamt und . . . Die wache Göre unterrichtete sogleich die Unwissenden im Kindergarten. Klaro.

Lange schon verheiratet mit Torbjörn, genannt Tobba im fernen Schweden, pflegt Turbo, den Hundeopa, fotografiert, schreibt an der dritten Auflage des märchenhaften Reisebuches über ihre Wahlheimat Schweden.

Häufig genug rückte einer von uns den Haussegen wieder gerade. Lasst die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn von Erwin Grosser, meinem Ziehvater in Karlsruhe mit auf den Weg gegeben.

Er ist noch nicht zu Ende, am Ende des ersten Quartals werden wir, Trottellumme und Baßtölpel, verreisen in unserer Wahlheimat Türkei. Neues entdecken, es gibt so viel zu erleben oder Gesehenes noch einmal erleben. Inşallah!