Steinerne Löwen im Museumspark Antalya


„Wir brauchen keine Millionen, auch keinen Pfennig zum Glück . . . Der Park des archäologischen Museums in Antalya ist unser Zuhause. Deshalb sieht niemand uns in der Höhle der Löwen in der Glotze, wo eben diese Millionen unters innovative Volk gebracht werden – oder auch nicht. Auch einen König der Löwen gibt es hier nicht! Wir stimmen uns immer so lange ab, bis wir eine Lösung finden“. . . .

Wenn unsere Gäste und/oder unsere Freunde in diesem Museum aufschlagen, Engeler, das sind Invaliden, aus Troja, Truva auf türkisch, aus Pergamon alias Bergama, woher Deutsche den Altar nach Berlin transportierten, aus anderen historischen Landschaften, Ephesus nicht zu vergessen, sehen wollen, dann verabschiede ich mich wieder einmal in den Park. Zeitspanne so ungefähr drei Stunden allein.

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Dieses Mal gab es Gesellschaft und bis zu dieser Minute bin ich mir gar nicht sicher, ob alles nur eine hirnrissige Idee oder die andere Wirklichkeit real war. Ein herbstlicher Wind bläst das Laub von den Bäumen, auch auf die lagernden steinernen Löwen; einem strich ich das Laub aus der Steinmähne. Ein Bediensteter stellt sich als Ali Ibrahim vor – bist du Deutscher oder Türke? Rate mal. Ich tippe auf halb und halb, ich bin in Köln-Mühlheim aufgewachsen, sein Deutsch ist noch klar und deutlich, geht weiter.

Die Löwen wurden weit vor der christlichen, weit vor der islamischen Zeitrechnung regelrecht aus Felsbrocken herausgehauen und sie leben auch in unserem Zeitalter noch. Hier beginnt meine Geschichte.

Der belaubte Leu schüttelt seine Mähne, schaut mit einem Auge hoch: „Setz dich, Bruder!“ Bruder?? „Ist schon richtig! Wir Löwen hier sind zwar aus Stein, aber innen sehr lebendig! Und du warst schon hier. Du bist auch ein steinener Löwe. Ein Löwenstein. Weil deine Mutter eine solche gewesen ist.

Dein Onkel Kurt, bis zur Machtergreifung der braunen Mörderflut, Lehrer in Berlin und Abgeordneter im Reichstag für die damals noch sozialen Demokraten, er musste das Land verlassen und ist 1942 in Paris gestorben. Sein Sohn erreichte die Vereinigten Staaten, lebte dort, heiratete und starb wenige Monate, bevor du ihn hättest kennenlernen können. Nach ihm ist das Kurt-Löwenstein-Haus in Berlin benannt“ „Weiß ich doch, habe das alles jedoch erst in höherem Alter erfahren, warum erzählst du mir das?“

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„Wir steinernen Löwen leben in anderen Zeitläufen, niemand sieht es uns herausgehauenen Steinen an. Du Löwe hast noch Neunzehnfünfundvierzig als Achtjähriger dein helles „Hallitler“ dem seine Bräune übertünchenden Schulrektor entgegengeschmettert, was ihm gar nicht gefiel. Warum nicht, der Knirps von damals wusste es nicht, niemand hatte ihn aufgeklärt, weil niemand da war.

Das Zusammentreffen mit Tim verlief anders, wir fanden bei dieser ersten Begegnung noch keinen Zugang zueinander. Ich bin der Onkel von Tim – und unser Zusammentreffen war ein vorläufiges Ende meiner Illusion. Onkel und Cousin, für beide war es erst einmal ernüchternd.

Tim lehrt an einer amerikanischen Universität. Er trägt nun meinen Ring mit dem Sternrubin, wird ihn weiter tragen und ihn am Finger seines Sohnes weiterleben lassen.

Wir Löwen haben mit ihm so wie mit dir gesprochen, denn wir sind in der Welt vernetzt. Heute, einen Tag nach der vermutlich nie gewesenen Unterhaltung mit dem steinernen Löwen in Antalya trifft eine Nachricht von Tim ein, er versucht ein Visum zu erhalten und wir sehen einander ein zweites, vielleicht auch noch ein drittes, ein viertes Jahr hier in unserer Wahlheimat Türkei und schaffen es so vielleicht doch noch, uns näher zu kommen . . . Inshallah!

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Wenn ich wieder Freunde, Freunde von Freunden nach AYT ins Museum begleiten darf, dann sollen sie wieder die alten teils sehr verwundeten Menschen aus dem Jahrtausend v. Chr. und vor dem Islam bestaunen, ich gehe dann wieder zu „meinen“ Löwen. „Wenn du wiederkommst, stecke bitte nicht wieder die Hand in unser Löwenmäulchen! Du hast das schon im Jahr 2005 im damals so schönen Aleppo gemacht; du siehst, wir wissen das.“

„Ihr Löwen seid aus Stein, aus Granit! Selten öffnet ihr euch, so dass der Aufmerksame euer Herz klopfen hört. Wir Menschen sind aus Fleisch und Blut – und in uns ist ein Herz aus Stein gewachsen. Manchmal bröckelt es. Wenn ihr wisst, was ich meine. . .“

Spinnt der Olle jetzt, oder was?

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Anno 2005 in Aleppo vor dem Museum, als Aleppo noch eine blühende Stadt gewesen ist und nicht durch Stellvertreterkriege in Schutt und Asche gebombt war – und es bis heute ist . . .

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