Wir haben aufgerüstet!


Wir haben aufgerüstet!

Unsere Hütte in der Şarağlar Mahallesı zu Kestel leidet seit Jahren am Abschilfern ihrer Epidermis. Nach erprobter Art in unserer Wahlheimat Türkei wurde das Problem von Jahr zu Jahr per „Rotuş“ mehr oder weniger, meist weniger, behoben.

Seit gestern verschönt ein Gerüst das Gebäude. Nächtlicher Alptraum, ich sah ein Gesicht ins offene Fenster hereingrinsen. Es war lediglich der Abrollmechanismus der offenen Jalousie. Mensch kann sich irren.

Wir taten es den Großmächten zumindest auf unterer Ebene nach und haben aufgerüstet. Entrüstet euch darob bitte nicht. Ähnlichkeiten wie eben die Maßnahmen bei den Obrigkeiten gibt es  nicht. Zumindest bislang gibt es so gut wie keine Kollateralschäden, keiner Pflanze, keinem Baum ist ein Blatt gekrümmt.

So viel zur sorgfältigst aufgebauten Hilfskonstruktion und zur Arbeitsweise der Fleißigen. Wir hoffen auf weitere Sorgfalt beim neuen Putz, seiner Isolierung, seiner Verschönerung mit frischer Farbe. Wenn alles aufgebracht ist, ist unser aufstrebendes Dorf schöner geworden.

Dann kommt auch das Bild der tatsächlichen Besitzerin, Katzekatze, wieder außen dran. Nur zur Erinnerung, wir sind nur noch die Hilfskräfte für selbige.

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Im Zweier: lasst Blumen sprechen!


Im Zweier: lasst Blumen sprechen!

Wir haben es gut; runter vom Berg auf Schusters Rappen und unten die freie Auswahl zwischen Einer, Zweier und flottem Dreier. Flott, weil er stracks an der Stadt vorbeifährt. Meistens beehren wir den Zweier oder den Zweinullzweier A. Manche Kaptanlar sind noch aus den Zeiten des Dolmus bekannt, man grüßt sich, kennt sich, fragt nach dem Befinden.

Manchen, aus der jüngeren Generation vorwiegend, schweigen oder  muffeln etwas, vermutlich nur für sich selbst. Nun ist nicht jeder in der Morgenfrühe gegen Nullneunuhr schon in frohgemuter Erzähllaune.

Heute früh hat der Kaptan eine Gesprächshilfe, eine grüne Basilikumpflanze im Blumenpott vor seiner Windshutzscheibe, beim Fahren teilt er sein Wasser sorgsam mit dem Grünzeug.

Freundlicher Gesprächsstoff mit den ebenso maulfaulen Mitreisenden in die Metropole. Wenn das Basilikum größer wächst, gut gedüngt, freundlich angesprochen – und sich im ganzen Bus duftend verbreitet. Ist ja nur so eine Idee. Oder Rosenranken, die sich durch die Handschlaufen drücken, aber nur hinten duften, damit die Spießer, die wie angeleimt auf der Stelle verweilen, aufrücken – und sich dafür eine Rose anstecken dürfen. Ist ja auch nur so eine Idee . . .

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Ikamet auf Flügeln


Ikamet auf Flügeln

Der pausbäckige Engel kam nicht direkt vom Himmel, eher mit irdischer Bodenhaftung direkt mit dem gelben Roller von der PTT. Erwartet erst in einigen Wochen mit dem neuen Ikamet. In schwarz-güldener Hülle und mit deutscher Gebrauchsanweisung. Erleichterung beim Sprachmuffel. Nun hat  alle Not wieder ein Ende.

Ablauf des alten Dokumentes am heutigen 28.09.2018. Alle zwei Jahre the same procedure. Weil unsere LKH keine Repräsentanz in unserer Wahlheimat hat. An diesem sonnigen Septemberfreitag steht der Pausback vor der Tür: unterschreib mal!

Freude über Freude, denn die Ausländerbehörde gab im August erst einen Termin für den 24.09.; das klappt nie, so der Pessimist in Sachen Behörde. Völlig falsch! Am vierundzwanzigsten alles auf dem Schreibtisch in diesem richtig schön restaurierten Amtsbau. Am Achtundzwanzigsten frei Haus geliefert. Haste Töne? Ja!!!!

Meistens wird ja umgekehrt aufgerechnet und davon wieder meistens, wunderbare deutsche Bürokratie gegen eine miese solche in der Türkei. Bislang können wir nicht besser klagen; ob Finanzamt oder andere Behörden, die Freundlichkeit hier . . .

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Der Ruck nach rechts


Der Ruck nach rechts

„Rutsch mal nach rechts!“ „Noch weiter rechts? Dann sitze ich ja fast auf Frau Weidels Schoß und dieser, wie heißt er doch gleich, hat was mit deutschen Gauen zu tun, atmet mir ins linke Ohr!“

„Stell dich nicht so an, ich will doch nur an deinen linken Arm, nachmessen, ob du noch Blutdruck hast!“ Die Morgenroutine an einem schmal gewordenen Frühstückstisch hier oben in der Saraglar Mahalle.

Der Teufel hat den Schnaps gemacht …


Der Teufel hat den Schnaps gemacht, um uns zu verderben, warnte einst Reinhard May in einem seiner Lieder. Gehört die Schnapsbrennerei zu seinen Aufgaben, dann gibt es dagegen Möglichkeiten, ihm das Geschäft zu vermiesen, richtig? Dem Boss der Unterwelt, nicht dem Reinhard May. Totale Abstinenz gehört dazu, glaubt man den Heiligen – und jenen, welche sich für solche halten.

Fehlanzeige bei mir. Der Alte gönnt sich des abends ein Gläschen, gelegentlich auch ein zweites neben diesem Äffässmalt. Vielleicht sterben dabei einige der ohnehin nicht so zahlreichen grauen Zellen ab, was soll´s. Wenn es den Typen der Finsternis gibt, wie die Verkündigungsindustrie, es auch 2018 ff vermittelt, dann gibt es auch die Engel, welche eine gar nicht vermisste Buddel mit angesetzten Rosinen wiederfindet.

„Alterchen, beim Aufräumen eines Küchenfaches habe ich eine Deiner Flaschen gefunden!“ „Ist nicht die meinige“. „da ich keinen trinke, weiß ich nicht, wem sie sonst gehören könnte.“ Ich kniee nieder: „sehe nichts!“ Kriege aufgeholfen, ein Griff meiner Liebsten: “ hier ist sie schon! Natürlich ist das meine Buddel, im Jahre des Herrn zwanzigfuffzehn mit edlen  Rosinen angesetzt, ist ein relativ Edler Cognac draus geworden.

Die Jahre nehmen ihren Lauf, alte Kinderlieder tauchen wieder auf, aber meine Telefonnummer muss ich vom Blatt singen. „Vergiss deinen Kopf nicht, wenn wir heute in Sachen Ikamet zur Verlängerung antreten müssen! Kopflosigkeit ist dabei unangebracht.“

Darauf einen … Weil ein Engel meine Rosinen drei Jahre lang zu einem Genuss reifen ließ und meine Liebste zu Hilfe nahm.  Sherife.

 

Wie es sich anfühlt, VIP zu sein


Wie es sich anfühlt, VIP zu sein. . .

Beim Abholen ist er immer – Immer! – mindestens fünf Minuten vor der vereinbarten Zeit da. Damit hat er uns angewöhnt, ebenfalls früher vor dem Tor auf ihn zu warten. Auch bei Abflug zu etwas ungewöhnlichen und damit bezahlbareren Zeiten. Trinkbares ist immer mit an Bord. Aber morgens noch vor sechs Uhr extra nach ofenfrischen Poaga azustehen? „Ihr frühstücktet doch noch nicht, da habe ich eben „. . .

Dasselbe gestern bei der Rückkehr nach Hause: „ihr habt im Flieger, wenn überhaupt, doch irgend etwas Dröges zwischen die Zähne bekommen, da habe ich wieder“ . . . Das Taxi duftete schon beim Einstieg und ein heftiger Speichelfluss bei uns. Wieder alles puttwarm.

Wohl über mehr als zehn Jahre ist eine herzliche Freundschaft gewachsen zwischen Kerim Aydin uns uns. Seit er unseren Chris, der Gift aufgenommen hat, auf seinen Armen in sein Taxi trug, ihn bettete und hinauf zu Osman bey in die Tierklinik trug. „Ich schalte die Uhr ab und warte, ihr müsst ja auch wieder nach Hause!“ Wir kennen einander, wissen, wie er seine beiden Kinder allein erzog. Freuten uns mit ihm über seinen neuen Siebensitzer, freuen uns immer, wenn wir einander sehen.

Selbstverständlich, aber das ist eben nicht selbstverständlich, kam er nächtens zu einer Fahrt in die Devlet-Ambulanz, obwohl er seinen freien Tag hatte – und seine freie Nacht! Unser Freund Kerim Aydin, 0090 537 479 7873 – Gruß von Luiza ve Pättärr, türkisch natürlich, deutsch geht auch.

 

 

 

 

Alles für die Katz? Seit heute nicht mehr


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Würde meine liebe Frau sich an der Ostsee eine Erkältung eingefangen, hat sie aber nicht, würde die Wärmequelle namens Katzekatze zum wärmenden Dauerschaal. Mit noch einem Bein im Taxi sprang das Vieh ihr an den Hals und legte sich wärmend darum. Lies sie einfach nicht mehr los.

Nach Klüvers Brauhaus zu Neus-tadt in Hols-tein , naturtrübes Helles, dto. Dunkles und Matjesbrötchen,  Mit extra viel Zwiebeln. Naturmatjes, Aalrauchmatjes und und und – vor allem:  zwei Kilogramm mehr auf, viel mehr unterhgalb der Rippen. Intervallfasten ist angesagt.

Es ist nicht zu übersehen und schon gar nicht zu überhören: es war so sehr schön im Holsteinischen, jeder Tag eine Freude, der Wind, die Wolkenformationen, die Gastlichkeit unserer Freundin. Alles wieder im Grünen, will sagen im sonnigtrockenen Bereich der Saraglar Mahalle. Meine Liebste düst soeben ab, den Kühlschrank wieder mit frischem Nahrhaften auszustatten – steigt wieder ab, um Katzekatze zu bitten, den Einkaufskorb wieder zu verlassen . . .

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