Es blaut nicht mehr so blau


Es blaut nicht mehr so blau in Alanya, am Himmel ist weniger Verkehr

blauer Roller

Meine liebe Frau fliegt nicht mehr tief mit ihrem blauen Rennroller. Der wird seit gestern von einem jugendlichen Liebhaber des Rollerseniors gefahren. Er riss, wie sie mir sagt, ihr den Roller fast aus der Hand, um ihn künftig bewegen zu dürfen. Der Alte sieht eben sehr sehr jugendlich aus, hat nur wenige Schrammen, noch den ursprünglichen Lack. Der Lack ist noch nicht ab!

Wie oft wurde Luiza unterwegs angesprochen: verkauf mir den! Nun haben behördliche Besonderheiten in unserer Wahlheimat Türkei das notwendig gemacht. Der neue mit gerade mal dreizehn Kilometer auf dem Tachometer wird noch eingefahren. Schick sieht er aus, die Zusatzleuchten des Alten sind überflüssig geworden, die sechs Volt Batterie leuchtete – na jaaaa, der Berg hinauf in die Saraglar Mah. tauchte die Schlaglöcher in sanftes, doch gefährliches Dunkel. Das neue Zwölfvoltlicht macht die Dunkelheit eben heller.

Der Neue leuchtet hinten wie vorne überzeugend hell. Zwei schicke Backentaschen hat er auch. In die passt viel Futter – auch für mich. Mit dem Alten, das bin nicht ich, pflegte sie über Verkehrshindernisse einfach hinwegzufliegen. „Ehe diese Autofahrer bei Grün ihre Augen öffnen, bin ich längst am Ziel!“

Iyy yolculuklar, meine Liebste, immer gute Fahrt. Komm immer gesund zurück nach Hause und verschütte in den neuen Backentaschen keinen Yoghurt!

neuer Roller

 

 

Devlet Alanya und die Nacht der tausend Neonlichter


Devlet Alanya, das neue Gesundmach- und dto. Erhaltungszentrum der Stadt Alanya, erst einige Monate in Betrieb – und ich war in der letzten Nacht in seinem Inneren.

Freundlicher Empfang an einem der Aufnahmeplätze, immerhin war es kurz vor der Geisterstunde. Reisepass vorlegen, das Ikamet verschwindet im Tresor. Der gibt es wieder heraus – wenn die Rechnung beglichen ist. Bei solchen wie mir, die wir selbst zahlen, ist man vorsichtig. Verständlich. Die AOKler und die anderen Gesetzlichen genießen ihren Kredit mit Hilfe eines Formulars. Wir Privaten entraten des Vorschussvertrauens.

Meine liebe Frau, des Türkischen mächtig und dem Expertenwissen der Lehrerin für Gesundheitsberufe, übersetzt. Ihr Mann, das bin ich, ist im doppelten Sinne heute Abend kurz vor der Geisterstunde, sprachlos. Plötzlich geht alles ganz schnell, der Arzt ist nach Minuten zur Stelle, ein zweiter eilt dazu.

„Sie geben uns ihr Blut, wir stecken Sie in die Röhre, stellen den Zustand Ihres Gehirns fest – insoweit noch vorhanden und tätig (Anmerkung des Schreibers).

Missbilligender Blick der Expertin und Ehefrau, als ihre türkische Kollegin den Venenzugang nicht gleich findet und ihren lieben Mann maltraitiert. „Stell dich nicht so an, memm nich rum!“. Ergo die gewohnten zärtlichen Grobheiten.

Warten auf die Ergebnisse. Der interne Fahrzeugpark fährt zum „In die Röhre“ gucken. Warten! Warten darauf, was die nahe Zukunft nun bringen wird. Inzwischen habe ich die am Abend zuvor kurz verlorene Sprache wiedergefunden. Die deutsche, der Yabancı versteht ja die Sprache seiner Wahlheimat Türkei nur in Bruchstücken.

Warten auf einem Schragen mit Rädern drunter, Luiza bekommt ein Fabrikat aus Plastik, sieht aus wie ein Stuhl, dem man jegliche Bequemlichkeit aberzogen hat.

Warten auf die Untersuchungsergebnisse.  Hier geht es zu wie in einer Karavanserei, Kurzbehoste, Langbehoste, Zugebundene, Offenherzige, alle kümmern sich um ihre maladen Angehörigen, trösten und helfen ihnen bei notwendigen Verrichtungen, alles etwas lauter. Mensch gewöhnt sich.

Erste Laborergebnisse, alles im grünen Bereich. Warten auf weitere Befunde. Mit Warten vergeht Stunde um Stunde in dieser so lebendigen Umgebung. Alle paar Minuten schaut ein Neugieriger, eine Neugierige durch den Vorhangspalt nach dem Fremden. Mann und Frau nehmen Anteil hierzulande, wünschen schnelle Genesung „geçmiş olsun“.

Es graut schon dem Morgen, inzwischen zeigt die Uhr ein Viertel nach fünf. Der erste Unhöfliche am Kiosk, Corbası, nö. Kahve, nö. Cay, nö. Toast könnse haben. Nein danke.

Kurz, knapp, klar die beiden Ärzte: es ist alles in bester Ordnung im Oberstübchen! Aber in einer Woche soll sich unser Internist das noch mal anschauen. . .

Die Rechnung ist beglichen, sie fällt sehr sehr moderat aus, das Ikamet verlässt den Schrank.  Der Anlass war scheinbar unscheinbar. Ich wollte meiner Frau lediglich die Rabenvogelplage in Scheswig-Holstein erklären. Sprach aber, sagen wir mal, ziemlich verwaschen. Die Zunge, sie gehorchte nicht mehr so ganz.

Ich gehe immer wieder bei Notwendigkeit ins „Devlet Hastanesi“ in Alanya. Die Leute verdienen durchweg Hochachtung und Vertrauen!

Foto Devlet Hastane alanya ile ilgili görsel sonucu

Hunde, die bellen, beißen nicht…


Im Umkehrschluss beißen jene Köter, die nicht erst bellen. Morgens früh gegen sechs Uhr latscht der alte Kerl (der war ich) mit Olive = Zeytin, dem Leasinghund durch die Geografie. Unter einer Stunde geht da nichts.

Die Zeit gibt Olive vor, darunter läuft nichts. Den interessiert nicht die Bohne, dass das nicht etwa mit seniler Bettflucht zu tun hat. Andererseits bietet die Morgenstunde Ausblicke, die alsbald verschwinden. Der breite Morgennebelstreif vor dem Taurus gehört dazu, oben schon erste Sonnenstrahlen, der Morgennebel dazwischen, unten dran noch Nachtschatten.

Hund Olive=Zeytin zerrt, hechelt, kackt, schnüffelt. Leasingherrchen trottelt mit, hält an, wenn Hund das so vorgibt. Just an diesem Morgen ist alles anders! Aus dem Gebüsch tritt auf leisen Pfoten eine große Hündin. Nicht so groß wie die Fische in Anglers Hand, nicht so groß wie ein Kangal, aber deutlich größer als ein Zwergdackel, doppelt so groß wie Olive=Zeytin.

Angriff ohne Vorgeplänkel.

Hund an Leine im wütenden Fang der Straßenköterbeißzange. Herrchen (das bin ich) greift ein, die kämpfenden Köter benutzen die Leine, den Leinenführer rasch und gekonnt einzuwickeln und mit einem Ruck durch den Straßenschotter zu zerren. Auf dem Hintern, auf den Knien, auf dem Ellenbogen.

Zwei Güvenlikler, zwei Sicherheitsleute des nahen Club Paradiso, durch das Getöse alarmiert, eilen, bewaffnet mit einem Knüppel und einem Besen, treffen die hündischen Kombattanten, verscheuchen die Angreiferin, sichern Olive=Zeytin, wickeln den Alten aus der Leine, helfen ihm auf, finden seinen einen Latschen und die Brille. Eskortieren Hund und Herrchen zum Lieferanteneingang des Clubs Paradiso, schieben einen Stuhl unter die maltraitierte Nordseite, ein Dritter kommt mit einer henkellosen Tasse mit frischem Wasser, dem besten der Welt!

Einer der Hilfsbereiten fährt mit seinem Auto vor, steig ein, du wohnst da drüben in einem der gelben Häuser, ich bringe euch um die Ecke. Das war zu viel der Fürsorge! Olive=Zeytin und Ersatzherrchen hinken nach Hause. Früher wurden bei den Kindern Gummibärchen auf die blutenden Knie platziert, weil diese grünlichgelblichrötlichen Glibberdinger die Heilung befördern und Wehklagen verhindern. Ein gesundheits- und kalorienbewusster Haushalt hat – natürlich – keine Gummibärchen. Ersatzweise Teebaumöl.

Danke danke danke Ihr Hilfsbereiten vom Club Paradiso!

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. . . aufgenommen vor dem Kampfgetümmel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alanyas heimliche Fressgass


Alanyas heimliche Fressgasse

. . . hat uns heute gesättigt und fröhlich gestimmt – endlich wieder einmal.  Eine Wiederentdeckung so ungefähr zwischen Bremen´s Tierklinik, schreibt sich wirklich so, und als Zugang zum Freitagsmarkt.

Hier braust kein einziger dieser bösen bösen Rollerfahrer über empfindsame Zehen nicht  minder empfindsamer Seelen von Touries. Der Bürgersteig oder so etwas Ähnlichem ist blockiert von Öz´ Lokantasi. Die müssen sich schon auf Alanyas Boulevard oder auf der Fünfundzwanzigmeterstraße echauffieren.

Das Sträßlein entlang schiebt Einer seine übervolle Sackkarre und die Pluderhosen, die Kopftücher machen ihm Platz, drängeln sich zwischen die Hungrigen. Hier herrscht die althergebrachte Kleidung vor. Kommt herein, ihr seht auch hungrig aus, wir kriegen euch wieder satt! Schließlich wart ihr schon öfter hier.

Sulu Yemek hinter blitzenden dampfenden Scheiben. Sulu Yemek verbessert meine Sprachkundige, nicht sul yemek. Salat vom Feinsten dazu – und eine Atmosphäre, wie sie sich sonst wohl auf dem Rückzug befindet  – um Schneidigem, Modernem, den Platz zu räumen.

Irgendwie ist hier die Zeit stehengeblieben; wir eine sättigende und fröhlich stimmende Mahlzeit auch. Hier wird ohne Hilfe der Elektronik lautstark über die Köpfe hinweg kommuniziert. Echte unverfälschte Türkei eben. Nach fast zwei Jahrzehnten in unserer Wahlheimat sind wir erneut angekommen und aufgenommen, an diesem letzten Wochenende vor dem Opferfest, dem Kurban Bayrami.

Iyi bayramlar wünscht uns ein freundlich grinsender Alter, zerquetscht uns die Hand, welche eben noch die Gabel handhabte, zeigt mit seiner Gehhilfe waagerecht auf die bedienenden und kochenden Jungschen: alles meine Enkel . . .

„Du hast noch Eßreste in deinem Bart!“ „Hier darf ich das; wir sind doch unter uns! Niemand nimmt Anstoß! Und hier, wie auch sonst wo in der Stadt, hat ein Rollerfahrer mich auch nur scheel angesehen geschweige geknufft! Weiter so, lasst euch nicht einschüchtern und bleibt immer mindestens einen Zentimeter fort von unseren hinteren Rentnerhufen! Und hier in der Fressgasse geht es sowieso nicht. . .

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Frühstück? Bitte fünf Treppen hoch


Frühstück? Bitte fünf Treppen hoch! Nüchtern vom Tiefschlag nehmen wir lieber den Aufzug. Der Zugang ist nicht kompliziert, doch ungewöhnlich. Der geht quer durch die Kirtasienhandlung Özkan. Sonntagsfrühstück und die Vorfreude darauf.

„Tut uns leid, aber um bei mir zu frühstücken bitte anmelden.“ Der Ausblick vom Balkon auf den oberen halben Burgberg – aufregend schön, Das Lokal originell, heimelig. Aber nicht sättigend. Wir gönnen uns jeder einen Kaffeelatte, uns tröstend im Elend.

„Soll ich denn mal , typisch türkisch wieder einmal, diese von Herzen kommende Freundlichkeit. Wir genossen ein improvisiertes Sontagsfrühstück, wurden herzlich verabschiedet – und kommen sicher wieder. Dann natürlich angemeldet.

Café Nerdek, Fatma Toksöz, Özkan Plaza Kat 5 – eine Empfehlung von Martina Yaman, nach der Pleite im Bergamot; danke Martina für diese Empfehlung!

Der große Regen


Der große Regen . . .

Er rettete uns und unseren „Phaeton“ vor dem weiteren Aufstieg auf der steilen Straße hinter dem Stausee! Die sieben auf der Glatze zerplatzenden Tropfen kündigten ihn an. Regen! Der große Regen! Endlich! Ersehnt!

Scheibenwischer waren nicht vorgesehen, werden auch nicht gebraucht mangels einer Frontscheibe. Wir drehten um, suchten Unterschlupf in einem bescheidenen Restorante – und wurden verwöhnt mit einem fulminanten Köykavalte, einem echten Landfrühstück. Wer noch weiß, wie richtige echte Butter, von Kennern handgebutterte Butter schmeckt, hier kann er seine Erinnerungen für den Magen auffrischen.

Der niedrige Tisch biegt sich vor all den Köstlichkeiten. Freundliche Menschen. Der Landregen reguliert seine Wassermassen, mal weniger, mal auch viel viel mehr. Wir sitzen trocken und genießen. Mit uns viele Genießer. Der Service ist behende, Die Schlaftabletten seinerzeit vom Bergamot sollten hier praktischen Unterricht nehmen.´auch die Schlaftabletten von dieser Hühnerbude am Alanyum  könnten hier lernen, wie Service geht.

Dieweil der Phaeton die von oben kommenden Wassermassen schluckte und durch seine Löcher im Boden wieder in die Landschaft entließ. Leider nur da, wo wir waren, nicht in der heimischen Mahalle, leider.

Die kunterbunten Verlockungen, eine scheußlicher als die andere, rechts liegen lassen, die Lockungen der Wassderspender und die Anlockmethoden der Leute vergessen, bis an die Staumauer. Von den letzten zwei Lokantas das erstere. Sonntagsgenuss pur. Der Werktag soll noch getestet werden.