Dort, wo der Lavendel erfunden wurde . .


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Dort, wo der Lavendel erfunden wurde. ganz genau dort, wo wir seit bald zwei Jahrzehnten leben – in der Türkei nämlich  – wurde er erfunden, wie so viel anderes auch.  Das war, als in Grasse in Frankreich und in Köln am Rhein die Menschen noch ihre Hintern an den Föhren scheuerten, so weit der Stolz der Türken. Vermutlich hatte ein Türke seine liebe Ehefrau mit einem Lavendelbesen . . .

Oder war es umgekehrt, eine Beherzte nahm den Lavendel; eine Duftwolke von gerade unglaublicher Süße brachte sie auf die Idee. Der gestrige Sonntag brachte uns nach einigen Jahren wieder nach Lavendelhausen, das Dorf Kuyucak. Damals war es ein mieses mehr als sehr armes Kaff.  Zu scheußlich, auch nur einen Abend, geschweige denn eine Nacht in Kuyucak über Kecibolu hinter Isparta zu verbringen. Flucht vor Betten, welche auf Pygmäenkörper zusammengenagelt, aber nicht für lange Berliner,  unsere Gäste damals, konzipiert waren.

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Ob im Himmel Jahrmarkt stattfindet, mögen Geistliche in den Moscheen ermitteln, im Lavantadorf, Name schon wieder vergessen, war Jahrmarkt, Lavantamarkt. Ob deselbst auf dem einzigen renovierten stillen Örtlein notwendige Benutzungskomfort lila eingefärbt war, ich weiß es nicht. Alle Großmütter von Lavendelhusen montierten am Straßenrande  Kränze aus Lavanta, Verschönerungsversuche auf Unterbauten, die stabil genug waren.  In der Metropole Kuyucak ging es heißer her als auf Istanbuls Boulevards, Busfahrer versuchten ein Fortkommen zu erzwingen, wo das Dorfsträßlein Platz für einen Eselskarren vorsah. Die Fassaden, die Fassaden also, verbrämt mit einladenden verkaufsfördernden Schildern. In vielen Augen keine Dollar-, keine Eurozeichen, noch reichte die türkische Lira aus, Wohlstand zu signalisieren. Ein einziger Anbieter hatte gut gezogene gut gewässerte Lavantasetzlinge, machte bei den zehn Stück einen guten Preis – und half mir, diese einen runden Kilometer zum Bus zu tragen. Riet mir ab, von den drögen Setzlingen der Ispartarosen zu erwerben, komm wieder, wenn es herbstet, jetzt ist nicht die Zeit, Damaszener Rosen zu verpflanzen.

Gerne sei erwähnt, dass die Frauen des Dorfes diesen Hype erdacht, umgesetzt und geschäfttüchtigen Wohlstand in das Kaff brachten.

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Bilder – natürlich wieder – von Luiza

 

 

 

 

 

 

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