Also diese Türken – und deren Hilfsbereitschaft


. . . also häufig genug belächelt man sie und wird selbst belächelt; wird wohl nicht gar so aufregend sein. Das ist es aber! Kriegt man selbst keinen mehr hoch – ähem – den Fuß auf der langen Anlehnleiter, um den Palmen den längst fälligen hair cut, ohne Anglizismen geht es wohl nicht mehr, den Haarschnitt zu verpassen, dann hilft einem Nachbar Hakan zu zwei Hilfswilligen.

Eine etwas schäbige Merdiven, das ist eine Treppe, in diesem Falle eine Leiter, ansonsten aber Superausrüstung an elektrischen und sonstigen Sägen. Cemen und Riza fackelten nicht lange und die Palmen mussten Haare und mehr lassen. Unermüdlich sägten, schnitten die Beiden – und offensichtlich hatten sie Spaß an der Arbeit, freuten sich über den Fortschritt.

Kleine Pause über die Mittagszeit, diese Beiden kommen zurück mit einer großen Tüte voller Portakal, alles Organik, für Dich, Pättärr und für Luiza. Da fütterst du sie und tränkst sie sie und lobst sie zwischendurch immer wieder. Und legst sehr sehr gerne einen Schein auf den vereinbarten Palmenfriseurlohn oben drauf.

Auf ihr Leute, lasst euch sagen: das ist unsere Wahlheimat Türkei. Sie ist nicht nur voller Betrüger, deren es viel zu viele gibt, hört man sich in deutschen Fachleutekreisen um. Das ist unser immer wieder Freude bereitender Alltag hier und nicht, was da in den oberen Etagen wohl anders gehandhabt wird.

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Tünel Café Alanya – viel Licht


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Mit der roten Nostalgiestraßenbahn in Istanbul erreichst du das Tünel Café hier nicht. Aber es ist nach dem Attraktion benannt und es gibt  dort wie auch in Izmir und anderen Orten Tünel Cafés. Martina Yamans Türkis Publikation hatte die Idee – und viele viele Fleißige setzten sie um. Die Tische bogen sich unter Torten und Kuchen und Berliner Brot, alles gespendet.

Tünel Café Alanya, etwas aus der Kehre, aber durchaus zu finden, ist eine soziale Einrichtung für Engeller, das sind behinderte Mitmenschen. Erfreulich der Aufenthalt dort, für meine Frau und mich ganz sicher nicht zum letzten Mal. Menschen, die Empathie entgegen brachten und ebensolche von den Gästen der gastlichen Stätte empfingen.

Dieser heutige Nachmittag war ein Erlebnis. Der Türkistreff am kommenden Dienstag um 15:00 Uhr wird im Tünel Café sein. Martina, könnte der Treff nicht regelmäßig sein? Es war so sonnig hier und das lag an den Menschen, an der Atmosphäre im Tunnelkaffe . Leicht zu finden, bei Kandil rechts rein, vierte Straße links gleich ums Eck. Oder von der anderen Seite am Ausländeramt vorbei bis die Straße in eine andere Straße übergeht . . .

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Montags. Morgens. Markt. Manavgat

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Peine und Manavgat haben ein Gemeinsames. Beide liegen im Nahbereich größerer Stadtgebilde. Peine in Niedersachsen nahe Hannover. Manavgat biedert sich bei Alanya an. Nur würde es keinem Hannoveraner einfallen, etwa nach Peine zu reisen, nur des Marktes wegen.

Ganz anders Manavgat, ein überaus geschäftiger Ort mit immer besser werdendem flair. Ein etwa in die Jahre gekommener Bus mit einem dto. Kaptan nimmt die Vergnügungssüchtigen für elf TL mitten hinein in die Stadt. Die Beschicker schicker Winterkleidung maulen vor sich hin, ihre warmen Sachen, sämtlich in € ausgepreist, wollen sich nicht von der Stange bewegen.

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Auf in den riesigen essbaren Teil – in einer neuen Markthalle, luftig in ihrer neuen Dachkonstruktion – ein Genuss. Wir hatten nicht vor, unsere Möhren und Salatblätter künftig in Manavgat zu erwerben. Es bleibt bei einer Schachtel Süßem, ohne Zuckerzusatz aus Keciboynuzu lokum, fein gemahlenem Mehl aus der Frucht des Affenbrotbraums. Gewöhnungsbedürftig. Gesund!

Nachmittags auf der Promenade am Fluss. „Unser“ Kitapkahve, dem Buchladen, in welchem es auch Kafee gibt, oder Café, vollgestopft mit Büchern, voller Sonnenanbeter.

„Kommt auf mein Schiff, ihr Beiden! Wir trinken einen Tee zusammen. Wenn ihr noch drei Mitfahrer habt, fahre ich euch auch, Probefahrt! Wenn ihr mal zehn bis fünfzehn Leute seid, dann koche und brate ich auch Leckeres, wir schippern einen ganzen Tag, immer mit erholsamen Pausen!“

Abends regnet es, was der Himmel heute so hergibt, gök gürültüsü, Himmelslärm. Aber erst. Als ein etwas in die Jahre gekommener Bus mit einem dto. Kaptan uns wieder heimbrachte und die Haustür hinter uns zufiel.

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Grüße an unsere Freunde in Manavgat in der gläsern gewordenen Belediye, an unsere Freunde in Bizim köy – und auf bald – hier oder dort!

Zerknirscht gehen wir in uns . . .


Dieser schöne Montag auf dem riesigen Markt in Manavgat hatte für uns beide ein übles Nachspiel bei der Heimkehr am frühen Abend! Katzekatze, sonst begeistert um unsere Beine streichend, kehrte ihre Rückseite hervor: „also, so geht das nun gar nicht mit mir! Ich mauze – und andauernd kommt keiner! Ich erwarte, das wenigstens einer von diesem faulen Personal mir zur Verfügung steht!

Pfichtvergessenes Volk allesamt, jeden Abend liege ich auf eurem Sofa, lasse mich sogar streicheln – und was ist der Dank? Aushäusigkeit ohne sich bei mir abzumelden!“

Sprach´s, warf sich in Positur, stellte ihren Schwanz nach Art einer Flaschenbürste hoch auf und schritt, uns mit Nichtachtung strafend, majestätisch hinaus in die samtene Vorfrühlungsnacht.

Wir Nichtsnztze!


Unsere  Kampfkatzekatze

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Heute Morgen um ganz genau Nulldreiuhrdreißig hysterisches lautes Geschrei draußen in der samtenen Vorfrühlingsnacht! Raus aus dem Warmen, hinunter. Auf dem Treppenpodest vor dem Eingang ein Vampir – Katzekatze, auf das Doppelte gewachsen, schießt Blitze um sich: „Braucht hier jemand noch ein frisch blutendes Schlitzohr, gerne! Bitte der Reihe nach antreten und nicht drängeln, hier kriegt jeder etwas und es kostet nichts!“ Nachts verstehen sich Tier und Mensch ziemlich gut. Drei nächtliche Streuner trauen sich nicht.

Der weiße zierliche Nachbarsköti meldet sich,  legt mir seine zarten Industriebratpfannenhände auf die Schultern. Von oben hier kommt seine Predigt über mich. Die meisten Predigten kommen ja von weiter oben: „Misch dich da doch nicht ein! Eure Katzekatze meistert das doch souverän, wenn sie sich nachts die Ehre gibt und nicht in euren Betten nächtigt. Sie ist das einzige Katzenvieh, das nicht mal ich mich anzubellen traue!

Wie siehst du überhaupt aus, Nachbar? Zieh dir mal das rutschende Flanell wieder bis zu den Armen hoch, könntest dir sonst noch den Tod holen!“

Katzekatze war mir gefolgt, ich nehme sie hoch. Ein kleiner fühlbarer Kniff in den Handballen: „Lass mich los, ich habe noch zu tun!“ Die Ohren angelegt, weg ist sie in der Frühlingsnacht, wohl Ordnung schaffen.

Die Trumpels, Putins, Netanyahus, Rohingas leisten sich Söldner für Stellvertreterkriege, unsere Kampfkatze steht selbst ihren Mann. Aufzählung komplett? Jemanden vergessen? Natürlich nicht. Bis auf die da hinten in Germanien . . .

Es dämmert, ein neuer Vorfrühlingstag mit Sonne über Taurus und Mittelmeer zieht herauf. Kampfkatzekatze schlug sich das weiche Bäuchlein voll, Kampf geht nur mit Mampf. Nun sucht sie sich schnurrend einen ihrer annektierten Schlafplätze im Hause auf. So sehen Sieger aus.

Schön` Sonntag . . .

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Unsere Damascener Rose heißt Nuri


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Mehrere Mails liefen um die halbe Welt – von hinter dem wild schäumenden Dimcay zu einem Unternehmen in Deutschland, wieder in die Türkei zu NU-KA Define Essencia, Nuri bey bot an, eine Damascenerin bei ihm in Empfang zu nehmen; nun ist sie hier und steckt ihre Füße in einen Eimer Wasser. Nuri grub eigens für uns diesen einzigen Rosenstock in seinem Garten in der Stadtmitte Alanyas aus. „Bei mir wohnt sie seit drei Jahren, aber hier hat sie nicht genügend Sonne“ . . .

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Nuri betreibt neben seiner eigenen Firma eine Fläche von sieben Hektar Damascener Rosen hoch oben im Taurus in Isparta. Dort ist er von Mai an bis in den Herbst, bis alle Rosenblätter geerntet und zu Rosenöl extrahiert sind.

Eine Bezahlung dieses Prachtexemplars lehnt er sehr höflich und sehr bestimmt ab, nicht einmal eine Spende für die cay  molassi lehnt er ab. Wir danken Nuri bey, seine Rose wird mit allen Auslegern zum Bewurzeln morgen hier ihren neuen Standort finden und sie wird Nuri heißen!

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