Es ist nicht wurscht, wo man sich bekleckert . . .


Zwischen Kleckern und Kleckern liegen Welten! 

Morgens um sechs Uhr ist die Welt noch in Ordnung! Besonders morgens gegen sechs Uhr auf dem Flughafen in Alanya Terminal eins. Um diese Zeit ist die Welt noch in Ordnung. Vor dem Start nach Hamburg weckt ein großer Becher voll duftenden Kaffees noch halb schlafende Lebensgeister.

Ein ziemlich alter Trottel genießt den ersten heißen Schluck und verteilt den restlichen Inhalt zu je einem Drittel über seine helle Hose, ein zweites Drittel über den Tisch und den Rest mit Schwung quer über den Fußboden. Grand malheur!

Die freundliche Herrin über Kaffee und Essbares sieht es, kommt sofort mit einem Eimer Wasser, Putztüchern etc. – wisch und weg, was der Trottel angerichtet hat. Wäscht sich die Hände, kommt mit einem neuen heißen Becher, deckt leicht amüsiert einen Deckel drauf und schiebt einen Strohhalm hinein, legt noch einen tröstenden Müsliriegel oben drauf.

Streicht dem Trottel leicht über die Schulter: Problem yok! Macht doch nichts, kann jedem passieren, lassen Sie sich ihren Kaffee gut schmecken – und lehnt jede Bezahlung freundlich, doch bestimmt ab.

Das macht das Unheil leicht vergessen, zum größten Teil jedenfalls. Denn auf der hellen Hose zeichnet sich ein für jeden sichtbarer Fleck ab. Der geht tief, denn der Kaffee, der seinen ihm zugedachten Bestimmungsort verließ, traf auch einen Körperteil, der beim Manne als ziemlich empfindlich gilt. Missbilligende Blicke der peinlich berührten Umwelt. Das vorgehaltene Bordgepäck kann das nicht kaschieren.

Rückflug von Hamburg nach AYT einige Tage später. „Pass auf deinen Kaffe auf, damit nicht  . .. „die mahnende Ehefrau. Dieses Mal trifft es einen anderen, an Jahren Jüngeren in der Launsch. Dessen Kaffeebecher kommt mit ganz anderem Schwung über Tisch, Stuhl, Fußboden. Von den drei Schönen hinter den Auslagen kommt mit ebensolchem Schwung eine dicke und durstige Rolle geflogen.

Unter sechs missbilligenden Augen geht er der offenbar ungewohnten Tätigkeit als Möbel- und Fußbodenreiniger nach, ehe er die Rolle wieder hinüber schiesst und diese missbilligend aufgefangen wird.

Fazit: wenn dir der Kaffee überläuft, dann bitte in AYT Termin eins und nicht in HH. Mit dem Kaffee muss ja nicht gleich auch die Galle überlaufen. Mittlerweise ist die Hose gewaschen und der Kerl, der in ihr reiste, auch. . .

Hinterbänkler


Die gute alte Ostsee zog heute morgen den Weichzeichner vor ihr Gesicht; etwas mehr als die Hand vor Augen gab sie nicht frei. Um so einladender Neustadt in Holsteins evangelische Stadtkirche mit ihren traditionellen Neustädter Marktmusiken. Hier gab es mehr für die Ohren und weniger für die Augen. „Hüte dich vor der Bank, auf der die Lästerer sitzen.“ Da sass nur einer, ich. In der bestens besuchten Kirche Weissköpfe, Grauköpfe, Blondschopf, Glatzköpfe, ob hohl, das konnte nicht verortet werden. Drei ländliche Kopfbedeckungen, ein Pelz, armes Vieh . . .

Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn, sie alle meisterhaft georgelt, nahmen uns alle mit, es ging tiefer als nur bis in die Ohren! Danke Orgelklasse der Musikschule zu Lübeck!

Tschüss, du unser ü so viele Jahre so lieb gewordenes Neu-stadt in Hol-stein!

Das Ende der Ostsee


. . . der vorletzte Tag in Neu-stadt in Holstein trägt dessen Ende schon in sich und gibt der Sehnsucht nach Alanya und der Sarı Ağlar Mahallesi und dem wild schäumenden Dimçay schon wieder Raum. Ein letztes Krachbrötchen, dieses Mal mit dem leckersten Stremellach verfeinert und ein dunkles Klüver dazu. Ahhhhh….

Auf der Kunstmeile Neustadts gleich noch eben im Vorüberlatschen entdeckt: der löcherige Stein stammt von einem türkischen Künstler. Was Orhan Pamuk in die Bücher schreibt, Kemal Tufan hat dafür Jahre des Herrn Zwanzigfuffzehn für die Bürger Neustadts einen Stein gelöchert. Wanderer, solltest du wirklich einmal von Alanya in dieses Neustadt geraten, bringe genügend ekmek mit, die Enten, die Schwäne und die Haubentaucher und die Nebelkrähen und die Möven haben immer Kohldampf. Und gleih noch ein Tipp: das Bier, vor allem das dunkle, es schmeckt besser als das in Eutin . . . (doch nicht ganz unwichtig, oder???)

Eutin – Perle der hol-steinischen Schweiz


Der Siebenarmige und sein Schatten in der St. Michaeliskirche Eutin

Eutin – unser Tagesziel in der hol-steinischen Schweiz. Unbeschreiblich dieses Eutin, wir des Wintertages wegen wohl die einzigen Gäste der ganze Charme Eutins ganz und sehr persönlich nur für uns! In dieser Jahreszeit ist es die Schlammpiste, welche du vom Busausstieg durch unter dem Bahnhof unten durch bist. Aber dann! Einkaufsmeile, die noch eine solche ist, so richtig mit Geschäften, betrieben von Eutinern. Das Schloss, leider den Neugierigen verschlossen. Die Fussbekleidungen eingesaut, kein Problem, der Inhaber des Ladens für saubere Schuhe war, sah, dass wir es nötig hatten, bot für neue Fusshandschuhe einen kundenfreundlichen Preis. Meine liebe Frau Luiza, des Handelns Kundige in Alanya, drückte dann noch ein wenig, so ungefähr bis kurz an die Schmerzgrenze. Gar fröhliches Grinsen, das kenne er von seinen vielen türkischen Freunden. In Eutin bitteschön!

Eutin, wunderschönes Eutin

Die Sankt Michaliskirche zu Eutin, evanglischluthersche norddeutsche Herbheit, aber eine schöne eine indenkliche Auffassung eines herben schlichten Glaubens. 1976 mussten die uralten Kirchenbänke Gottes Haus verlassen, gefielen den Glaubenden nicht mehr. Heute hockst du auf moderner Schlichtheit, erklärt die mollige Gläubige, welche mt anderen Glaubenden darauf achtet, dass nur gebetet wird in diesem schönen Sakralbau und nicht wieder geklaut wird, vertraut sie uns an.

Grünkohl satt, Kohlwurst satt, Kassler satt und Diätbratkartoffeln mehr als satt, Schinkenwürfel satt dran und Röstzwiebeln, zart angbraten in Fett satt; muss ich mehr sagen? Rundgang durch das Juwel Eutin in de holsteinischen Schweiz, bezahlbarer übrigens als bei den Eidgenossen in Zürich und um Zürich herum.

Wanderer, Daimlerfahrer, Radfahrer, Kameltreiber, aufm Esel, als Trittbrettfahrer, letzterer alles andere als politisch gemeint. Schliesslich bin ich doch in gewissem Umfang lernfähig geworden, um nicht, wie eine dieser Politikerinnen droht, auf die Fresse zu kriegen! Lasst Eutin nicht aus! Ud zum grünen Kohle gab es drei Proben aus der Hausbraue . . .

Hoş geldiniz Eutin – Inşallah . . .

Heisshunger auf Lachs – eher doch nicht?


In einem dieser neumodischen Luxusaldis an der Oseeküste klebt mein Auge an geschätzten zwanzig Verpackungen edelster Lachszubreitungen fest: Stremellachs, ganz normaler Lachs, nur in Streifen aufgefächert, die weniger feinen Abschnitte gschamig drunter versteckt, Wildlachs, der Heisshunger kommt beim chraved Lachs. In einem früheren Leben auf Grönland verkostet – und später in Hannover selbst hergestellt: nimm einen von Grönland mitgebrachten und vorher auch noch selbst geangelten Lachs, filetiere, salze ihn, lege reichlich frischen Dill hinein – und vergrabe ihn für drei Tage runde fünfzig Zentimeter tief im Garten. Der chraved Lachs hat Mühe, den weg ins Haus zu finden. ehe er alle ist.

Frivole Gedanken – Lachs mit den Fingern aus dem Plastik, einen oder mehrere Schlucke aus dem Aldi seinem Champagner. Klingt barbarisch, ist es wohl auch. Nachdenken, kommt zu Weilen noch vor. Wenn diese Köstlichkeiten schon so angeboten werden, dass Puttchen Brammel aus Gladbeck sich das leisten kann, und ich sogar mir, wo ist dann der Nimbus des Besonderen geblieben?

Alle Welt jault, dass die Schere zwischen Arm und Reich in Germanien so schmerzhaft auseinanderdriftet, für die Reichen im Lande bleibt doch immer weniger übrig, was sie von unseresgleichen noch abhebt; muss das sein? Das fragen sich Schulzens Martin und seine Jünger, wenn sie mit ihren Dorftrompeten durch deutsche Lande ziehen hohl dröhnend zum Beispiel von der sozialen Gerechtigkeit trommeln. Sollen die Reichen, die privilegierten Beamten und andere von oben beim Arzt genau so abgefertigt werden wie wir ?. Den Lachs und Aldis Champagner müssen sie schon mit uns teilen. Die einen zwar geniessen von Meissener Porzellan und altem Familiensilber, wir hier unten aus Papier und Pulle.

Der Heisshunger verging mir schon im Lebensmittel, Genussmittel und Plünnkramparadies, Neu Aldishausen. Raus muss ich, der Blutzucker sinkt, räselhafter Blick der freundlichen Kassiererin als ich nachfrage, ob sie ein Dulcolax in ihrer Schublade findet. Flucht. Kein Lachs, kein Champagner.

Neu-stadt an der Ostsee und seine „Wärmestube“


Bis zum heutigen Montag konnte doch glatt der Eindruck entstehen, Neu-stadt in Holstein präsentiere sich nur ungefähr so wie die sibirische Taiga, der irrt! Zwar setzten sich auch heute morgen wieder gar viele Schneeflöckchen auf dem wind- und wetterfesten Anorak ab, aber daran gewöhnt Mensch sich und lässt die letzten fünf Tage hierorts schon gar nicht vermiesen.

Ausserdem gibt mitten auf der Kremper Strasse, die nach wenigen Schritten ihr Ende am Kremper Tor endet, dieses Etablissement. Du wählst aus schlichten zwanzig Kaffeesorten de dir genehmen Geschmack und geniesst dazu eines dieser unwiderstehlichen Croissants oder ein Stück Torte. Dort zu sein ist ein must, ein Original der Inhaber. Röstet der Röster erst, dann willst du bleiben!

Im letzten Frühling, als dem Diabetikus nicht nach Kuchen war, die Einladung mir soviel Schinkenbrote mitzubringen, wie ich verdrücken könne. Heuer wieder mal eine der schon bekannten Ablehnungen auf eine Bewerbungen! Kostenlos wollte ich eine Nacht seine Süssigkeitenschätze bewachen. Vor Jahren geschah das in einem Laden für die Schätze Malatyas, viele viele Sorten getrockneter Aprikosen, Kayse. Es ist eben wenig Liebe unter den Menschen . . .

Wanderer, kommst du dermaleinst nach Neustadt, dem richtigen Neustadt, dem Neustadt i.H., verweile in „meiner“ Kaffeerösterei auf der Kremper Torstrasse, geniesse und reite weiter, überall auf deinen Wegen eine frische Kaffeebohne hinterlassend . . .

Neu-stadt i.H. Pelzerhaken und rückwärts


Eine ziemlich verlogene und Wärme vortäuschende Wintersonne mit dem Wandernden die frühe Ostsee entlang. Diesig und nass der Wanderweg vorüber an schlafenden Wohnwagenwüsten. Missgelaunte Hunde zerren ihre Leute wieder hinter sich her und maulen den Wanderer und die Jogger an. Es scheint etwas dran zu sein: alte Männer werden werden ihren missgelaunten Kötern immer ähnlicher? Haben wir ausser Katzekatze deshalb keinen Hund? Das sollte diskutiert werden!

Ein einsames Subjekt steht in der Ostsee mit seiner Angel. Brabbelt er vor sich hin, redet gar mit den Fischen? Sein Gesprächspartner hockt im Gebüsch. Pause in Pelzerhaken bei einem doppelten Espresso und einem himmlischen Croissant, Rückweg. Der Fischer im Trüben fischt immer noch. Die Wintersonne verhüllt sich, der Winterschal mich. Eine fata morgana lässt an die rote Sonne denken, welche bei Capri im Meer und zeitgleich in der Ostsee versinkt.

Mir kommt in den Kopf, dass sie am heutigen Sonntage in Bonn versinkt und so diverse Bonzen gleich mitnähme? Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung. Nicht nur meine Erkenntnis aus Kindertagen . . .

Schön‘ Gruss von der Ostsee so zwischen Pelzerhaken und Neustadt, dem Neustadt in Schleswig Holstein . . .

. . . Abend ist es geworden an der Ostseee, tiefe Nebelschwaden über Allem. „Es ist die gespenstische Spinnlenor, die den Haspel dreht im Geröhre;“ Annette von Droste-Hülshoffs Knabe im Moor, vor Unzeiten gelernt in der Volksschule bei Oma Claus, einer Nichtkommunnistin in der Volksschule. Der Knabe latscht nicht mehr durchs Moor, er sitzt warm und trocken Urlaub an der Ostsee . . .