Ein siebenundzwanzigster November


Ein siebenundzwanzigster November im Jahre Neunzehnhundertfünfzig. Ein abendlicher Nieselregen in Ostberlin. Ein Dreizehnjähriger Bengel steht wie immer vor der Hauptverwaltung der Mitropa, seinen Vater zu besuchen. Der sonst immer sehr freundliche Pförtner brüllt den kleinen Kerl an: „Hau ab, verzieh dich! Kinder eines Wirtschaftsverbrechers haben hier nichts zu suchen. Lass dich hier nie mehr sehen!“

Da wusste der verwirrte Besucher noch nicht, dass sein Vater, kaufmännischer Direktor, an diesem Morgen zusammen mit fünf Abteilungsleitern von der Stasi verhaftet worden war.  Als er in  das Internat in Birkenwerder zurückkehrte: „Pack deine Sachen, den Sohn eines Wirtschaftsverbrechers dulden wir hier nicht!“

Erst runde sechs Jahrzehnte später sollte das Kammergericht in Berlin in einem Berufungsprozess den Vater und damit seinen erwachsen gewordenen Sohn voll rehabilitieren.

Der Vater kehrte im Januar des Jahres 1951 nach Hause zurück, in einer Urne. Zur Beisetzung waren nur seine Frau in Personalunion auch Stiefmutter des Jungen zugegen, Alles andere war verboten; Stinker in Schlapphüten und Gummimänteln  standen abseits und wachten. Wenige Tage vorher nahm der Junge am Gartenzaun den verdreckten und vollgebluteten Anzug des Vaters  von des Volkes eigener Polizei entgegen.

Längst in den Westen geflüchtet und mit dem C-Ausweis als politischer Flüchtling versehen stahl er sich hin und wieder schwarz auf den Friedhof in der Zone, erhielt das kleine Urnengrab über Jahrzehnte – und diskutierte mit seinem Vater, hielt ihm einmal vor, wie unüberlegt er so früh in eine andere Wirklichkeit wechseln musste. Einmal regnete es ganz plötzlich in einem heftigen Schauer nur direkt am Grab: „So hättste auch nicht reagieren müssen, der Anzug ist völlig verdorben! Da wo du jetzt bist, braucht man keine Geschäftskleidung, hier unten schon. . .“

Siebenundzwanzigster November 1950

 

 

 

 

 

 

Von Einem, der auszog, Hochtürkisch zu lernen . . .


Von Einem, der auszog, Hochtürkisch zu lernen . . .

Welch eine wohlklingende Sprache ist das Iznir- und/oder Istanbul-Türkische. Das klingt so anders als dieser alanyanische Dialekt. So ungefähr wie unser akzentfreies Hochdeutsch im Vergleich mit, na sagen wir beispielsweise nur mit Hochsächsisch.

Jimmy Oezdel startete einen Intensivkurs mit nicht weniger als diesem Anspruch. Halb zog er mich, halb sank ich hin – und meldete mich zu einem allerletzten Versuch, gepflegtes Türkisch zu inhalieren. Von zwanzig theoretisch-praktischen Unterrichtstagen sind nun acht erlebt.

Erlebt in doppeltem Wortsinn, denn montags, mittwochs und freitags Vormittag drückt die Schulbank und nachmittags geht es in die Praxis. Am heutigen Sonntag dräut ein beeindruckendes gök gürültüsü über uns, der Hagel drischt auf die Fensterbänke, ein çimsek erhellt den auch gök heißenden Himmel.

Zwischenfazit: eigentlich mies, gemessen an der Zahl der erlernten Sätze und Wörter.  Eine alte Birne ist eben anders zusammengesetzt als ein jugendfrisches Klein- resp. Großhirn, alte Volksweisheit. Aber bei so praxisnah erarbeitetem Lehrmaterial zusammen mit der Nachfolgegeneration lernen zu dürfen, eine Freude.

Da wird so viel mehr vermittelt und beobachtet: die Körpersprache jedes Teilnehmers, den Austausch untereinander, der Versuch, miteinander zu sprechen – und die pädagogische Hilfe durch Jimmy. Wir kennen einander schon länger, frühstücken hin und wieder und meine Bedenken, als Lernbremse dabei zu sein, die unserem unserem Kontakt schadet – nichts da.

Oder Oğuz, der Waschanlagenbesitzer, ich höre ihn deutlich mein memnun oldum erwidern.

Dann bleibt morgens Zeit, um das Katzenhaus am Damlataş zu umrunden. Auf einer Bank räkelt sich ein Riesenkater, ähnlich unserem Kater Lysator, der wohl nicht mehr kommen wird.  Keinen Zentimenter rückt er, ich helfe nach. Der Kerl drückt sich an mich, hört aufmerksam zu, während ich Sätze und Vokabeln repetiere. Steht auf, es scheint, er tippt sich an die Stirn, ehe er sich schleicht. Scheint den Bildungsfernen anzugehören.

Nachmittags sind gözlar und kulaklar gleichermaßen gefragt. Metro Alanya, unter anderen süpürge, Besen. Die Vokabeln stehen auf jedem Produkt. Sie hängen verkaufsfördernd herum. Ein flotter Feger eilt vorüber, lenkt die Blicke auf sich.

Wir Hochtürkischlerner bringen zwei Mitarbeiterinnen in Verlegenheit, einige von  uns sind gehalten, sie in gepflegtem Hochtürkisch zu fragen, wo die Schuhabteilung ist. Verlegenes Kichern.

Zu welchen Anlässen bekommt Unsereiner die komplette Luxuseinrichtung eines neuen Salons auf Kestels Köyboulevard zu Gesicht, einschließlich der disketen Abteilung für die Trägerinnen des traditionellen Kopftuches. Wann führt dich Osman Incecara durch alle Abteilungen von Bremen`s  Tierklinik. Bremen´s  wird so geschrieben und nicht anders. Weil Osman bey doch in Bremen einst studierte.

Selbst dem geehrten Hause Mudo blieben die Leute mit den Schildern vor dem Bauch nicht erspart, diskret beäugt von diversen Mitarbeitern. In einem Anflug von Verschwendungssucht, ausgelöst durch mit hohem Aufwand antrainierter Hochtürkischfloskeln verguckte ich mich in einen aufwändigen Terrassenleuchter. Er schien mir bezahlbar, so wie er da stand. Als aber die Kerze mit runden hundert Türkiş Lirası den Preis auf ein halbes Tausend rundete, plagte mich der Geiz. Das herrliche Stück steht deshalb noch direkt am Eingang.

Mein Fazit: es ist wie bei einem Gerücht – es bleibt immer etwas hängen. Viel bei mir! Ich würde es wieder tun!

Teşekkür ederim, bende iyiyim Die Vorstellung Dritter

Size arkadaşimi tanıştrahyım/ tanıştırmak isterdim

Hans bey / Karin hanım

Hoş geldiniz. Çok memnun oldum. Nasılsiniz?

Teşekkür ederim. Iyiyij. Siz nasılsiniz?

 

 

 

 

Der fröhliche Tiergesunderhalter . . .


Der fröhliche Tiergesunderhalter . . . – oder Wiederhersteller kranker köpekler, kediler und allem Anderen, was sich auf vier Füßen oder auf zwei Flügeln bewegt. Der Doktor Osman Incekara, Chefveteriner und Inhaber von Bremen´s Tierklinik in Alanya.

Gestern führte er uns, das Hallo MERHABA-TÜRKIYE TEAM…, von Jimmy und Kerstin Oezdel erklärend durch das Veteriner-Hastanisi.

Damit wir das Lesen und das Schreiben der blumenreichen türkischen Hochsprache uns nicht nur am Schultisch anzueignen versuchen. Nach dem Tierischen ging es gleich über den nahrhaften Cumapazari.

Dr. Osman zu erleben ist immer wieder eine Freude. Schon im Dezember wird Katzekatze uns zum nächsten Besuch dort hin begleiten, wir werden Mühe haben, Osman bey zu überzeugen, es ist das Vieh, welches uns adopierte, seine neue Jahresration bekommt .. .

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Eine kleine Frühlingsweise . . .


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. . . nahm mein Herz mit auf die Reise – in den frühlingswarmen Sonntag einen Tag nach Karnevalsbeginn in einem Teil Deutschlands. Unsere Sonntagsreise endete geplant in der immerhin sechzig Kilometer entfernten Stadt Manavgat – wieder einmal. Die lebhafte und fast touristenfreie Stadt Manavgat liegt ungefähr auf halbem Wege zwischen Alanya und Antalya.

Selbst an einem Sonntag ist hier Leben, unser Ziel, die Bootsfahrt auf dem Fluss bis ins Mittelmeer und wieder zurück konnten wir uns abschminken. Keiner der Eigner der schönen Holzboote war bereit, nur für uns zwei Menschlein die Boote anzuwerfen. „Hat es sich noch nicht bis zu euch herumgesprochen, dass die Saison gelaufen ist? Wer zu spät kommt, den bestraft die Schifffahrt.“

Wir genossen das milde Frühlingssonnenlicht mit den farbigen Lichtern rundum, und das an einem Sonntag, am zwölften November Zwanzigsiebzehn. Zumal heute der Tag des Nichtzählens war. Sonst wird bei uns Beiden jede Kalorie wenn schon nicht auf die Goldwaage, dafür auf die bis zu einem Kilo Gewicht zählende Taschenwaage.

Heute bissen wir mit Genuss ohne Reue in die fetten süßen Kuchenteile. Ab Morgen wird wieder Kohldampf geschoben, nein, gar so schlimm isst man nun wirklich nicht. Aber die Pfunde sind verschwunden und werden nicht herumgetragen, ein gutes Gefühl!

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Die Mahalle hinter dem wild schäumenden Dimcay hat uns zurück, Manavgat, wir kommen gelegentlich wieder! Die Sonne wärmt immer noch, aber in einer dreiviertel Stunde wird es schwarz vor Augen, nach fünfzehn Minuten ist es duster.

Eine kleine Frühlingsweise nimmt mein Herz mit auf die Reise – Richard Tauber sang es, als Deutschland sich noch nicht verdunkelte.

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. . . Einer ist auf den Mast geklettert . . .


. . . um Unsereinen wieder an die große weite Welt anzubinden, kletterte ein Fleißiger auf den nächsten Mast der Türk Telekom. Wir seit einer halben Stunde wieder auf Empfang und wir können lesen und gelesen werden, Sogar das Dampftelefon, das seit Monaten nur angestaubt herumstand, gibt wieder einen Signalton.

„Wir schicken innerhalb von vierundzwanzig Stunden unseren Service. Wir haben die Leitungen geprüft und irgendwer muss da auf dem Schlauch stehen!“ Keine Warteschleife, keine Ausflüchte nach dem Thema, da müssen Sie mal den Stecker reinstecken oder ähnliche äußerst hilfreiche Ratschläge – nichts da. Die Männer kamen,  prüften alles durch, wechselten die Steckverbindungen am Splitter – ja, das sind wir und deshalb kam hier nichts mehr an.

Einer erkletterte den Mast mit einer großen Kabelrolle und erneuerte ein ziemlich langes Stück Leitung. So kennen wir seit Jahren die Türkische Telekom! Die Dauermauler, die in jeder türkischen Suppe ein Haar oder gleich mehrere finden, wird das nicht freuen!

Das meine liebe Frau auch gleich hinter den verrückten Schränken eine Kehrschaufel voll Umwelt entfernte, ein angenehmer Zustand. Schließlich ist gar balde das Christfest, darf das eigentlich noch Christfest heißen; nur mal so nachgefragt . . .

Irgendwo weiß irgendwer irgendwas . . .


Borke von Ceiba speciosa FlorettseidenbaumBlüten von Ceiba speciosa

. . . – Freundin Hanna Barbara Müller aus Berlin, das ist die mit den Kaffeebildern, fand Namen und mehr über den stachligen Gesellen heraus: Danke liebe Hanna!

Florettseidenbaum (Ceiba speciosa)

Steckbrief Florettseidenbaum

wissenschaftlicher NameCeiba speciosa

deutscher Name Florettseidenbaum
Familie Malvengewächse
(Malvaceae)
Gattung Ceiba
Art speciosa
Herkunft Südamerika
Giftigkeit ungiftig
Fruchtart Kapselfrüchte
Geschlecht zwittrig
Häusigkeit einhäusig
Bestäubung Tierbestäubung
Blattanordnung wechselständig
Blattaufbau zusammengesetzt
Blattform gefingert
Blattrand gezähnt
Blütezeit
J F M A M J J A S O N D
Fruchtreife
J F M A M J J A S O N D