Bein Barte des Yabancı


. . . eigentlich sagt man Anderes dazu, aber in unserer Wahlheimat Türkei gibt es auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl frommer Eiferer – und bei dem Temperament der Hiesigen könnte das verübelt werden – und das wollen wir doch nicht, oder? So bleibt es beim Barte des Fremden eben, der schon sooo lange kein Fremder mehr ist. Sei es drum.

Unser Dorf Kestel, was ja nun Alanya-Kestel heißt, soll schöner werden. Schönheit liegt im Auge des Betrachters und da liegt es auch lange frisch. Aber unsere Hauptstraße, aufwändig und wirklich sehr schön gestaltet mit dem vielen Grün, unsere Hauptstraße hinter dem auf alt getrimmten Stadttore hat das Zeug, die Fith Avenenu, die Könistraße, der Kurfürstendamm, nicht zuletzt die Georgstraße Hannovers zu werden!

Es siedeln sich mehr und mehr sehr feine Etablissements an. Der Metzger hat zwar schon wieder geschlossen, wer geht auch einen Laden, welcher das Tageslicht rigoros ausschließt. Die zum Teil ziemlich aufgemotzte Systemgastronomie hat zwar nur Wenige überzeugt, bisher jedenfalls. 

Große Ausnahme: „Unser“ Citerim, eine freundlich bis herzliche persönliche Atmosphäre, man kennt und mag sich! Dem gegenüber protzt seit einigen Wochen ein Figaro, ein Kuaför, Verzeihung bitte ein Coiffeur – hervorragende Außengestaltung. Auch innen großzügige Vornehmheit. Vielleicht haben mir die vereinten Düfte des Orients die Orientierung geraubt, ich war rasch wieder draußen. Etwas Lüftung täte not! 

Was der Kahlkopf in diesem Tempel der Schönheit suchte? Er hat zwar oben drauf einen gut geräumten Landeplatz, aber die Haarpracht ist ihm ins Gesicht gerutscht und muss da gepflegt werden. Mein Wunsch, schüchtern anzufragen, ob es einen Kundigen gibt – ins Leere. Die Damen innen wuselten, kämmten, wuschen, ondulierten fröhlich schnatternd durcheinander. Was will der denn hier, mögen sie denken.

Zwei Herren denen ich die weiße Würde anvertrauten täte, saßen draußen, erklärten sich gegenseitig die Welt. Ein potentieller Kunde stört da doch nur. Nun muss ich meinen Bart weiter zum Freitagsmarkt nach Alanya tragen. Oder meine liebe Frau bitten, die Schere zu schwingen. „Lass das Fummeln! Sonst schneide ihr dir ein Ohr ab oder einen Hack in den Drahtverhau!“ 

Was Man(n) alles ertragen muss! Ach, ich Armer!

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