. . . ungleiche Zwillinge . . .


“ den extra Scharfen der Beiden erkennst du daran, dass er einen roten Kopf hat!“ Ich danke allen, die es gut meinen mit mir!“ Martina mischt den scharfen Zwilling mit dem Normalo. Jutta macht das mit Leitungswasser.

Heute wollte meine liebe Frau nur einen Eimer Yogurt von Bim mitnehmen, der bisherige Yogurt war schon wieder aufgegessen. Mit im Einkauf die beiden Zwillingsflaschen. Nur für mich; sie mag dieses Gesöff nicht.

Mein Test war gar keine Mutprobe. Der Scharfe schmeckt so intensiv normal würzig, sein Zwilling hingegen wie etwas verdünnte Sauerkohlbrühe. Liegt wohl an einem ausgepichten Schlund.

Also nochmal für Entdecker zum Mitschreiben: Grüne Halskrause und weißen top = Getränk für Anfänger, Roter Hut = Genuss für uns Gourmets! Freund Bernd, du erfuhrst, dass du imTürkenladen fahnden musst; gleich nochmal: Grün gleich schlabbrig, rot gleich Hochgenuss pur!

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Ein typischer Fall von Rassismus in unserer Wahlheimat Türkei


. . . der sich in unregelmäßigen Abständen zu wiederholen scheint. „Luiza, dein Eşim, dein Ehemann also ist doch sicher Türke!“ Oder?? „Wie? In Berlin geboren und mit Spreewasser getauft?“ Unglauben auf seiten der Fragenden. Zumindest muss dieses Subjekt dann doch ein Türken zum Vater gehabt haben. Der spricht aber gar nicht türkisch, die Feststellung.

Doch tut es, dieses Subjekt, biras. Aber noch im Oktober dieses Jahres beginnt Einer mit einem crash Kurs in türkischer Umgangssprache. Ein allerletzter Versuch, dieses Idiom nun doch noch in Ansätzen lernen zu wollen ubd vielleicht löst mir das endlich die Zunge, Fragenden in ihrer Sprache entsprechend zu begegnen. Und nicht mehr stumm leicht genervt herumzustrhen, bis jemand mir die Wichtigkeit übersetzt dabeizustehen . . Dabei habe ich Wurzeln hier und nicht erst seit eineinhalb Jahrzehnten: in Eskişhir, einer der schönsten Städte in der Türkei, steht mitten in der Stadt ein Denkmal von mir! Zwar steht unten dran der Name Nasreddin Hoça, aber das ist doch nicht so wichtig. Oder?

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Anamur und die Schnappschildkröten


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Schnappschildkröten – zu Hunderten bewohnen sie die nasse Umgebung der Burg zu Anamur. Der Touristenachter belief und bekletterte zuvor die unendlich interessante Stätte aus früheren Zeiten, das Anamurium. Acht Freunde hatten sich Anamur als Tagesziel ausgesucht.

Nach mittäglicher Stärkung in einem Lokanta und ausgiebigem shopping in der Anamurgeschäftswelt war die Burg das Ziel des Nachmittags. Die erworbenen Spezereien konnten in Davuts Bus zwischengelagert werden.

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Die Burgruine und das innenliegende Areal – verschlossen wie in den vergangenen und vermutlich auch noch in den nächsten Jahren. Von außen erkennbar neue stählerne Gürtel um besonders gefährdete Türme. Enttäuschung. Niemand da, Ruhe am Bau.

Ein Einsamer auf weiter Flur. Der gestikuliert mit beiden Armen: gel, gel – kommt, kommt! Der übermannshohe Bauzaun öffnet sich einen Spalt – ich kann als Letzter gerade noch meine Haxen retten, wir sind drin! Zwei Muskelarme mit zwei Händen wie Schaufeln stellen sich als Entsandter des Kulturministeriums vor, weisen raumgreifend in die Richtungen, welche fotografiert werden dürfen. Wir bewundern, mit welcher Akribie, welcher Sorgfalt das Restaurieren alt gewordener Mauern vor sicht geht, Stufen werden neu eingearbeitet, strahlen noch neu, Beton ist zur Verarbeitung nicht vorgesehen.

Neu Erschaffenes zu zeigen ist das Ziel, in Würde über die Jahrhunderte gealterte Artefakte sollen nicht im Vordergrund stehen, sondern der Stolz des Insiders weist immer wieder auf die sorgsam schon wieder begehbar gemachten Abschnitte hin. Im Eiltempo geht es durch die Baustelle – çabuk, çabuk, schnell, schnell, unsere Finger kleben an den Taschentelefonen.
Mit einem Knall schließt sich die Lücke im Bauzaun wieder hinter uns, einige Lira fallen in die Schwielenhand, ehe wir noch einen Blick in die Bücher in einem kleinen Pavillon werfen dürfen. Die Hiroglyphen in einem vergilbten Dokument bezeichnen penibel die Standorte jeder einzelnen Rose – und exakt in dieser Reihenfolge sollen die Gestaltung des Innenareals wieder bepflanzt werden. Ein bemerkenswert exaktes Detail, kein Diskutieren über die Vermischung der Moderne mit Überliefertem.

Davut, eine interessante Persönlichkeit mit seinem neuen Bus vermittelte uns Anamur mit seinen Kenntnissen und brachte den Touriachter wohlbehalten wieder zurück.

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Sieht rot aus – und schmeckt säuerlich . . .


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Sieht rot aus – und schmeckt säuerlich . . . Was ist das? Lasst uns nicht lange herumraten, ich habe des Rätsels Lösung: rot ausschauend und ziemlich säuerlich ausschauend ist ein Produkt, welches meine liebe Frau mir zuliebe aus „unserem“ Bim mitbrachte. Destilliert und fermentiert aus schwarzen Möhren.

Ungewohnt, sehr erfrischend! Ist schon zur Hälfte genossen.

Weshalb aber findet in meinem Hirn aus diesem Gesöff eine Parallele zur derzeitigen deutschen Politik statt; ich komme einfach nicht drauf. Ausgedrückt diese schwarzen Möhren, ihr Rückstand kommt zum Teil auf den Kompost der Geschichte, denn allzu vielen dieser Möhren ist kein bestens dotiertes Leben mehr auf den warmen Sesseln des Bundestages mehr vergönnt. Mies, was diese Wähler da mit der crémedelacréme da mit ihren alle vier Jahre auf den Stimmzetteln anzettelten.

Die restlichen Flaschen, ähem Politiküsse hingegen sind ja noch im Handel und ihr meist gar nicht vorhandener Inhalt schmeckt eben nicht jedem Trinker, säuerlich eben.

Aber auf den Märkten gibt es ja noch rote Bete, äußerlich etwas dreckig verstecken sie tief in ihrem Innern verborgen traditionelles rotes Gedankengut – soziale Gerechtigkeit zum Beispiel; man sieht es nicht, weil es eine Chimäre zu sein scheint. Zumindest hat der Abführer an die Zwanzigprozentgrenze darüber öffentlich sinniert, fast hätte ich geschwafelt gewählt.

Kompost ist etwas Gutes. Er muss gedeihen, um neues Leben starten zu können. Das dauert. Wenn Mann nicht selbst Hand anlegt, frag deinen Baumarktabteilungsleiter Gartenbau. Oder mich.

. . . sie schläft sich quer durch die Betten!


Längst reicht ihr nicht mehr der Esstisch, die Flurgarderobe, der Liegestuhl, das Soffa! Die Erziehung ihrer Adoptiveltern macht große Fortschritte. Kenner der Materie informierten uns, dass diese Gehirnwäsche niemals aufhört.

Der Esstisch, die Flurgeraderobe, der Liegestuhl, die Liegematte unten, das Soffa tun es nicht mehr alleine. Man muss sich ja völlig entspannen können, dort, wo kein Topf klappert, kein Leisestaubsauger, keine Waschmaschine Lärm erzeugt. Die Erholung dauert nach ausgiebiger Nahrungsaufnahme so ihre zehn Stunden.

Schließlich muss man ja fit sein für die Nacht draußen irgendwo in der Welt. Aber sie belohnt uns auch. Einige Tage zuvor legte sie eine noch körperwarme dicke Ratte auf die Treppe – und bewachte sie. Als relativ gut von ihr erzogene Alte bedankten wir uns – und taten Luftsprünge vor Freude. Aua, das Rheumaknie . . .

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Salım


Salım. Salım hat natürlich auch einen Vaternamen, aber der soll hier nichts zur Sache tun und vileicht erkläre ich das später auch. Pättärr-Luiza! Ich bin Salim. Der Student mit einer Ausbildung im Studienfach Hotelmanagement hierorts an der Fakülte, die später zur Universität wurde. 

In der ersten Etage Alanyum springt er uns über den Weg, immer noch die blitzenden wachen Augen, die Haare wieder etwas übersichtlicher, als er das falsch herum aufsitzende Cappy unseretwegen lüftet. Der Student vor nur noch mühsam nachzuhaltenden Jahren. In der Zeit, als ich noch ehrenamtlicher HIlfsbremser im Deutschunterricht der Fakülte war, sind viele Studentinnen und Studenten zu Freunden geworden, in alle Welt inzwischen verteilt und immer noch in Kontakt.

Vor Jahren besuchten wir ihn und seinen Freund als Praktikanten im Maritim Hotel Reichshof in Hamburg. Das gibt es nicht mehr. Aber die Beiden am Gästempfang zu beobachten war mehr als beeindruckend. Beide arbeiteten nicht etwa im Reichshof! Souverän waren sie der Reichshof, als wären sie die Eigner. Wir beide sehen sie dort noch vor uns.

 Da muss diese Freundschaft vertief worden sein. Beide betrieben neben ihmrm Studium einen bescheidenen Studententreff in der Nähe der Fakültät, ich war häufig Gast dort und noch nebenbeier – aua! – ein Lokal in Alanyas Vergnügungsmeile und hautsächlich drückten sie die aufsteigenden Reihen, ihrem Dozenten zu lauschen, S. spricht immer noch ein verständlilches Deutsch, was dem Sprachmuffel das Kommunizieren erleichtert. 

Er habe vor einigen Jahren geheiratet und schon einen Monat hernach war seine Tochter auf der Welt, S. der Plötzliche. Er wohnt mit seiner Familie in seiner Heimatstadt Diyrbakir, kommt nach Alanya, Arbeit zu finden und fährt in wenigen Tagen vorzeitig ab; eine zu spät einsetzende Saison sei zu früh beendet. Wird lauter, deutlicher einen Namen, dessen übergroßer Einfluss die Misere ausgelöst habe. Wir zucken zusammen, es ist gar nichtr opportun, das auszusprechen, schauen uns um. 

Liegt es womöglich an der Ausleuchtung des Obergeschosses im Alanyum; wir sehen eine blass gewordenes ehemals junge und vorzeitig gealterte Physignomie eines einst frohen Menschen. In mir kocht sie wieder, dieWut nein, nicht ein diffuser Zorn auf einen Unerreichbaren. Sondern auf die Dorftrompete und deren Anhängerinnen, die alles so richtig und so überaus positiv hinaustrompeten. Sind ihnen die Salıms gerade eben aus dem Blickfeld geraten, siehen sie nicht das human capital, welches ungenutzt ist? Sie werden sicher nicht seine persönliche Seite einsehen wollen. Ich nenne diese auch nicht, denn sie ist nichts für zarte Nervenkostüme!!!

Wir haben die Einladung unseres Freundes, der uns wiederfand, angenommen und werden – vielleicht noch vor Einbruch des Winters in Diyarbakir besuchen, seine Familie kennen lernen und er wird uns seine Stadt zeigen. Diyasrbakir soll sehr sehenswert sein, aber es wird vermutlich kein Spaziergang werden . . .

Dienstag, 26.09.2017 Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser, das Handelsblatt briefing heute morgen vom Hanelsblattherausgeber Gabor Steingart


eine Welle der Polarisierung schwappt durch Deutschland. Wie zuvor in Frankreich, Großbritannien und den USA verliert ein Teil der Wähler erst die Geduld und dann die Contenance, was die Wahlverlierer nicht zur Besinnung, sondern erst recht auf die Palme bringt.

Rechts und links sind nun die Zuspitzer unterwegs, für die der Wahlsonntag nicht der Schlusspfiff, sondern der Auftakt eines politischen Rachefeldzugs darstellt. Man will den Gegner nicht überzeugen, sondern „jagen“ (Gauland). Die SPD revanchiert sich nur zu gern mit einer Rhetorik des Widerstands. Man will im Bundestag ein Bollwerk (Schulz) errichten, um von dort aus die AfD „zu vertreiben“ (Stegner). Seit Sonntagabend wird zurückgehasst. Und wie nebenbei baut Wahlverlierer Schulz die SPD zur Nichtregierungsorganisation um.

Doch Wahlergebnisse müssen in der Demokratie nicht nur akzeptiert, sondern auch verstanden werden. Hier deshalb eine Lesehilfe für Horst Seehofer, Martin Schulz und andere, die seit Sonntagabend ihre Augen zu Schießscharten verengt haben:

1. Die Energie, die den Aufstieg dieser rechtspopulistischen Partei beförderte, ist in der Mitte der Gesellschaft entstanden. Wenn es nach der Mehrzahl der Wähler ginge, könnte der neue Bundestag schon morgen eine kombinierte Mietpreis-, Flüchtlings- und Modernisierungsbremse beschließen. Die Wut einer Minderheit korrespondiert unterirdisch mit den Ängsten einer Mehrheit, schreibt Bernd Ulrich von der „Zeit“.

2. „Der Flüchtling“ ist – wie zuvor „der Euro“ – das Symbol einer Erhebung, die ein diffuses Unbehagen an der Gegenwart ausdrückt. Eine Welt von Hochgeschwindigkeit und Hyperkomplexität, in der sich Wertschöpfungsketten und Fluchtbewegungen in gleicher Weise virtuos um den Globus schlängeln, ruft Misstrauen und Widerstand auch bei denen hervor, die objektiv profitieren. Ängste werden nicht in Geld berechnet. Es ist daher nicht so leicht, „klare Kante“ zu zeigen, wie die CSU-Führung glaubt, schon deshalb nicht, weil keiner so genau weiß, wo bei diesem unterirdischen Kanalsystem die Kante verläuft. Wer ist nur besorgt und wer schon aggressiv? Wo endet die Hilfestellung für ein Land, das sich womöglich an seiner eigenen Humanität und Globalität verhebt, und wo regiert der alte, der ewige Hass auf das Fremde? Und dann die parteipolitisch nicht ganz uninteressante Frage: Bekämpft Horst Seehofer wirklich die AfD, oder nur wieder Merkel?

3. Schon am Tag nach der Wahl wird deutlich, dass es sich bei der AfD nicht um eine Partei, sondern um eine gesellschaftliche Magenverstimmung handelt. Ohne ihre Mitstreiter auch nur eines Blickes zu würdigen, nahm die Parteivorsitzende Frauke Petry vor laufenden Kameras Reißaus. Sie verkörpert eine Gruppierung, die womöglich selbst nur eine Fluchtbewegung ist. Zurück blieben jene Gestalten, deren Markenzeichen die Käseglocke ist. Darunter riecht es nach Bohnerwachs, Ata und Opas Wehrmachtsuniform. Vielleicht bekämpft man diese Truppe am besten dadurch, dass man ihren Zerfallsprozess nicht zu sehr stört.

Die Politiker der Mitte sind jedenfalls gut beraten, der Dauerempörung zu entsagen. Deutschland hat am Sonntag keine zweite Machtergreifung erlebt, sondern lediglich eine kollektive Unmutsbekundung. Nicht das Abendland ist untergegangen, nur Kanzlerkandidat Schulz. Und Angela Merkel? Würde sich und dem Land einen großen Dienst erweisen, wenn sie vielleicht doch nicht immer alles richtig gemacht hätte. Gefragt ist jetzt demokratische Tapferkeit. Politik ist manchmal nur ein anderes Wort für Schmerztherapie.

Ich wünsche Ihnen einen nachdenklichen Start in den neuen Tag. Herzlichst grüßt Sie Ihr


Gabor Steingart
Herausgeber