Berlin Alexanderplatz und seine Geschichte


Berlin Alexanderplatz und seine Geschichte

Meist wird sie verbogen dargestellt, je nachdem, was der Chronist dafür hält oder was ihm vom Schulmeister eingebläut wurde. Meistens falsch und/oder den Zeitläuften entsprechend. Zeit, etwas richtigzustellen. Als einst mit Spreewasser Getaufter muss ich es ja wissen und ihr sollt auch Kenntnis erhalten. Endlich!

Der Alexanderplatz, angelegt im 17. Jahrhundert wurde erst bekannt und erhielt seinen Geburtsnamen durch den Bäckermeister und Konditormeister Alexander Piefke. Schon bald konnte er seinem Namen die Bezeichnung königlichkaiserlicher Hoflieferant hinzufügen. Die Berliner und auch die, welche sich dafür hielten, die Rucksackberliner standen Schlange vor der Piefkeschen Haus- und Hofbäckerei. Piefke wurde reich und berühmt für seine riesigen Windbeutel. 

Hofbäcker Piefkes Windbeutel erzeugte Bärte aus Sahne, wo sonst keine gewachsen sind. Es hätte können so schön sein auf dem Alexanderplatz zu Berlin – und so friedlich! Die marschierenden Pickelhauben verloren ihre Pickel, es gab keinen Hof mehr. Seine Majestät der Kaiser räumte seine Bleibe und verduftete mit einem Güterzug mit dem deutschen Volke Gestohlenen nach Holland. Und tschüss . . . Die Windbeutel blieben, nur die Sahne hatten andere abgesahnt.

Es nahmen sich Leute die Macht, die vorgaben, etwas für das darbende Volk zu tun. Es gab Krawall auf dem Alexanderplatz und es floss Blut, nur keine Groschen und Sechser in die Taschen der Arbeitenden. Das Ergebnis ist bekannt. 

Inflation und Armut, immer kürzer wurden die Schlangen vor Piefkes Hofbäckerei außer Diensten, denn der Hof war verwaist. Aber er backte unverdrossen weiter. Brot dieses Mal. Brot, das morgens für fünf Millionen, aber am Nachmittag schon 30 Millionen Mark kostete. 

Es wurde brauner und brauner auf dem Alexanderplatz. Leichen schwammen im Landwehrkanal herum. Von Bäcker- und Konditormeisters Ladenverglasung blieb nichts, der aufgemalte Judenstern ging mit in die Scherben. Des Inhabers Spur verliert sich. Deutschland erwachte. „Psst, sei leise, der Führer spricht!“ Ich höre sie immer noch, die Ermahnung der Nazissen. Es ging der Witz mit der Straßenbahn – vorne steht der Führer und hinterm ihm steht das Volk, wer nicht hinter dem Führer steht, sitzt im Kasten.

Das Kind von damals hört sie noch, die lauten Töne und kann  sie nicht vergessen. Sehnte sich danach, endlich zehn Jahre alt zu werden, um mitzumarschieren hinter den geflammten Trommeln der . . . . . .jugend. War dann aber nichts mehr.Der Alexanderplatz war auf der einen Straßenseite westlich, auf der anderen sowjetisch. Kaputt. Trümmer.

Die Russlandüberwinterer waren da und mästeten sich an den für das Volk dürftig gewordenen Fleischtöpfen. Sonderbedarfsträger hießen die Bonzen der Einheizpartei. Aber sie bauten einen hohen Turm auf dem Alexanderplatz. Von oben war auszumachen, wie viele der Eingesperrten tagtäglich getürmt sind. Meinen Flüchtlingsausweis C als politischer Flüchtling, den habe ich noch irgendwo.

Den Alexanderplatz, den gibt es noch. Bei einem Besuch in Berlin, ziemlich sicher dem letzten, roch ich ihn, den alten und übertüchten neuen Alexanderplatz. Er roch für mich so, wie die ganze Zone viel zu lange gerochen hat: nach Pisse und Chemie. Lebe wohl Platz und denke auch mal an den, der dir deinen Namen verlieh. 

Meine Geschichte weicht sicher um einiges ab von dem, was in den Büchern steht. Aber sie ist erlebt.

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