Umgeflaggt – Piratenflagge out


Die schwarze Flagge mit dem einäugigen Piraten weht nicht mehr am „Phaeton“ – sie macht Urlaub in der Schreibtischschublade. Statt dessen … aber das sollte ich erklären. Ein Wohlmeinender aus der deutschen Kolonie zu Alanya riet, doch ein gut sichtbares Symbol an meinem Fahrzeug anzubringen – zu höherer Sicherheit des fahrenden Volkes innen drin. Und das ist meine liebe Frau auf dem Stühlchen des Beifahrenden – oder einer oder eine, die jubelnd und holperresistend mitfährt.

„Mach an einem langen Stab doch eine Türkenflagge dran. Diese Türken freuen sich doch, wenn ein Yabancı sie zeigt!“ Da ich immer unreflektiert mache, was man mir sagt – die Türkeifarben sind dran – und man sieht uns schon von weitem.

So weit, so noch gar nicht gut. Ich stehe dazu, die Nationalfarben unserer Wahlheimat Türkei zu Metro zum Bierkastenholen, zu Türkisens, zu Bim oder sonst wo hin zu echauffieren. Komme aber auf die mehrfachen Flaggenwechsel in einem nun doch schon etwas längeren Lebenslauf. Erst die Hakenkreuze. Der Blockwart von gegenüber in Kleinmachnow und seine noch braunere schlechtere Hälfte kontrollierten, ob auch das Schandmal geflaggt war. Sie kontrollierten auch im Hause, ob Sandeimer und Feuerpatsche herumstanden. Das Verhängnis konnte damit nicht gelöscht werden. Leider.

Dann kam die Hammerzirkelige mit ihrem Auferstanden aus Urinen und einer jahrzehntelangen sogenannten Zukunft zugewandt. Mein Vater überlebte es nicht. Aber immerhin sein leicht vergrößertes Passbild an der Wand. Schwarzrotgülden die konservativadenauersche Republik, welche uns Sch….flüchtlinge widerwillig aufnahm.Erhardt versprach den Wohlstand für alle – und selbiger kam ja auch.

Mit dem Fortschritt der Jahre dann die selbst gewählte Zeit in der Wahlheimat Türkei. Totgeschrieben und bebildert von einer Vielzahl von Medien in Germanien. Mitleid von Mitleidenden, weil wir es gar so mies haben hier.  Weil alles so fürchterlich ist, und nur deshalb führe ich die Flagge gerne. Wir haben unser Herz nicht in Heidelberg sondern in Alanya-Kestel in der Sarağlar Mahallesi hinter dem wild schäumenden Dimçay verloren und nicht nur dort, sondern überall im Lande!

Pättärr Hockenholz

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