Menschen aus unserer Nachbarschaft


Menschen aus unserer Nachbarschaft in unserer Sarağlar  Mahallesi – nun nur noch dieses Mal, dann erst wieder nach langer langer Zeit – oder überhaupt nicht mehr, wer weiß das schon… Alle in der letzten Zeit Vorgestellte sind natürlich nicht alle, so einige aber noch nicht.

Heute noch einmal Einen! Er ist vor wenigen Jahren „über den Regenbogen“ gegangen, wie vor allem die echten und halbechten oder unechten Tierliebhaber das Rätsel des Sterbens  beschönigend umschreiben. Vermutlich, weil es nicht aushaltbar scheint, Sterben als das zu erleben, was das Leben ausmacht, das dieses ein Ende hat – oder ein Weiterleben in einer anderen Dimension. Kommt darauf an, wie wir  geprägt sind – oder uns frei machten von den uns aufoktroyierten Dogmen.

Der Nachbar Hüseyin war in kein Schema unterzubringen. Hüseyin, im Volksmunde der Schneemann, Hände wie Schraubstöcke, irgendwie liebenswert seines ziemlich versteckt angebrachten Herzens wegen. Als wir einzogen und es noch an Strom mangelte, ging er nach Hause, kam nach zwei Stunden wieder mit einer ellenlangen Verlängerungsschnur, sie gibt es noch heute, Strom kam vom Nachbarn, die dankbaren Empfänger luden ihn zu einem Rakı ein, das nahm er wörtlich – und die Flasche war zu drei Vierteln leer, der Rest nebst Flasche kam in seine ausgebeulte Jackentasche. Ein Säufer, ein Raufbold, ein Tierliebhaber, ein Freund von uns – auf Distanz.

Er baute sich in unmittelbarer Nachbarschaft ein Domizil, Domizil wird dem nicht gerecht, eher eine primitive Bruchbude. Strom? Problem yok, ein gebogener Marmeladeneimerhenkel an der Hauptleitung tut es doch auch. Seine Frau und er sangen nicht nur fromme Lieder, da  soll es dem Volksmund nach auch derber zugegangen sein.

Auf seinem uneingezäunten Areal schleppte er in rascher Folge Hunde, Katzen, Pferde an, irgendwo aufgelesen. Er band sie an, pflegte sie gut, insoweit er nüchtern war, vergaß es, wenn er…. Dann dauerten uns die diversen Viecher und wir fütterten und tränkten sie. „Pättärr, du kannst auf dem Gäuli reiten…“ Das fiel mir nicht ein, dürre, wie diese traurigen Klepper waren. Haben wir gerne gemacht. „Geh nicht zu nah an diesen Hund, er ist ein als scharf bekannter Pitbull!“ Das arme Vieh kämpfte tapfer – mit den unzähligen Zecken auf seinem Fell. Und zog mit seinen scharfen Zähnen sanft meine Hand auf sich, alle Zecken konnte ich nicht erwischen und tottreten.

Pättärr, steig ein, lud der Schneemann mich ein und ich Blindfisch tat das. Erst in seiner Karre sah ich das Elend, ein völlig – Verzeihung – Besoffener, mit Flinte im Arm, in einer Hand die Äffässdose, die wievielte entzog sich meiner Kenntnis, ein Grölen aus der Kehle, das die Umwelt weckte und ein Schlangenfahren, Allah beschützte mich, denn dieser Riesenkerl bestand darauf, mich bis nach Hause zu expedieren. Nie wieder stieg ich in seine verbeulte Karre, es waren zwei etwas aus dem Rahmen fallende Kilometer.

Hüseyin lebt nicht mehr. Aber er war Nachbar, zugegeben ein etwas Außergewöhnlicher. Aber ein Nachbar. Ein Mensch wie Samt und Seide! Nur schade, dass er suff…..

 

 

 

 

 

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