Viel Wirbel auf dem Wasser…


Freundin Bea war mehr geschlaucht als wir hier hinter dem Dimçay, der heute ziemlich wild schäume  dürfte. Bei diesem herrlichen Regen verkniffen wir uns den Weg zur Kontrolle.

Wir sahen den Hortum, den Schlauch auch, aber viel kleiner, weil eben Bea da hinten in Yeşilköy ihn für sich reservierte. Gießen von Hand – heute nicht so notwendig, ein gök gürültüsü, ein kerniges Gewitter nimmt uns die Arbeit aus der Hand – weiter so!

Dienstag 18.10l2016 um 10:30 Uhr – mit der Option auf Verlängerung…. – aber wir lassen uns auch von den weissen erbsenähnlichen Geschossen nicht die Laune verderben…

Aufgebrachter nimmt einer Mutter drei Töchter weg!


Die Mutter in den besten Jahren und sehr auf ihren Stand auf der Sonnenseite bedacht wusste sich nicht mehr selbst zu helfen. Seit Jahren kommen immer wieder Kinder auf die Welt, Väter so gut wie immer unbekannt. Sie machen sich breit und fett und bleiben dicht bei Muttern. Sie wachsen ihr bald über den Kopf; im Hotel Mama fühlen sie sich gewärmt, kriegen regelmäßig zu trinken und zu essen.

Einer konnte das nun nicht mehr mit ansehen, nahm ein Exemplar dieser kurzen kräftigen Türkenhacken zur Hand, trennte mit der scharfen Kante die Anhänglichen und verbrachte sie an einen nur ihm bekannten Ort.

Das ging nicht ohne Abtrennen einiger Gliedmaßen ab, aber alle Beteiligten werden das überleben. Da bin ich als erfahrener Agavenverpflanzer mir sicher. Bei ihrer Rückkehr vom montäglichen Bombolaplünnenverkauf wird meine Liebste anerkennend nicken, mir aber gleich wieder vorhalten: Alter, du hast dir ja schon wieder die Hose vollgemacht, in die Wäsche damit, man sieht ihr an, dass du sie im Garten verdreckt hast.

Aus Gründen der gesetzlichen Persönlichkeitsrechte veröffentliche ich nur ein neutrales Foto aus Wikipedia….

Bildergebnis für Bild Agave

 

 

 

Zeytin – Oliven Jahrgang 2016


….  sieht´s aus, wenn es erstens gepflückt, zweitens gewaschen, drittens Stück für Stück angeritzt und in ihr Behältnis diskutiert ist. Nun ist täglich wohl so einige Wochen Morgenwäsche angesagt. Die Dinger sind ziemlich erbittert und das sollen sie nicht sein, weil sie ungenießbar sind.

„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“, verkünden die Schriftgelehrten in einer anderen Region eine ihrer Weisheiten. Keine Ahnung hatten sie von Zeytin, einer wichtigen Nahrungsquelle hier in unserer Wahlheimat Türkei. Die Eigner uralter und jüngerer Olivenbäume schütteln sie – und deren Frauen klauben die Früchte auf.

Der Untergrund auf meinem Baum der Erkenntnis reif gewordener Oliven ist dornig und uneben, nix mit Schütteln. Stück für Stück gepflückt in der warmen Morgenoktobersonne. Der Operationsvorgang mit einem eleganten Schnitt an jeder Frucht ausgeführt ging dann im Sitzen.

Warum wir uns mühen und nicht aus der Auswahl verschiedener Sorten auf dem Sonntagsmarkt wählen? Weil Erkan und Mahmut, unsere Freunde uns von ihrem Zuhause in Hatay – da ganz hinten – ganz oben – von ihrer anne, ihrer Mutter ein großes Glas entbitterte Oliven mitgebracht haben. Lecker gewürzt mit Gewürzen aus dem Garten – ein rasch verschwundener täglicher Genuss!

Welch eine Vorfreude, vom in einigen Monaten Endprodukt ihnen ein Glas zu überreichen, von den hier lebenden yabancı eigenhändig zurechtgemacht…

Lecker! ich sag´ euch!

Jeister?


Oh wie schön ist Keste!  Hinter dem wild schäumenden Dimcay ist es nach dem schwarzen Walde, neben Hannover und dann noch an der Ostsee in Neustadt in Holstein auch wieder ganz prima. Sprich: am Schönsten. Das eigene Bett nach der ersten Nacht, sonnige Sommertemperaturen am nächsten gar wundervollen Morgen – und eine – ziemlich merkwürdige Überraschung.

Die Welt ist bekanntlich voller Überraschungen – aber wer findet in seiner Hütte wohl schon einen in Hunderttausende kleiner und kleinster Glassplitter vor, ein kleiner Beistelltisch präsentiert sich damit. Erster Schreck: ein Einbruch, die Scheiben sind jedoch unversehrt. Auch stand das Möbel mitnichten in der allgegenwärtigen Sonne, immer brav außerhalb er Sonneneinstrahlung.

Vor Jahren, als wir uns dieses Möbel leisteten, immerhin von einem größeren Möbelausstatter, hob sich die Glasplatte nach wenigen Tagen vom metallenen Untergrund. Logische Aussage des Verkäufers: das ist doch völlig normal hierzulande. Die Hersteller nehmen den billigsten Kleber. Weil ein Kleber, der richtig klebt, viel zu teuer sei.

Das fanden wir bestätigt, als wir unsere Neuerwerbung beim Fachhandel nachkleben ließen. Der Preis dafür war eine Überraschung, keine positive, aber eine haltbare. Nun fegten wir die Myriaden kleiner und kleinster Glasapparate auf – Vorsicht, die nackten Füße!

Lediglich die Ursachenforschung bleibt mal wieder auf der Strecke. Jeister? Eher nur eine Erklärung für jene, welche an Jeister jloben. Also nicht für uns. Auch wissen wir nicht, ob diese Sorte wirklich nur von Mitternacht bis in diese Morgenstunde jeistert…

Könnte es – ich meine ja auch nur – sein, dass ein Jemand in unserer Wahlheimat Türkei, der sogar Sommer- wie Winterzeiten anhält, einfach per ordre de mufti in ausgesuchten Haushalten es mal so richtig krachen lässt? Man weiß ja nie – und aller Segen käme doch von oben? Noch einmal wiederholt: wia jloben nich an Jeister!

Herbstzeitlosendauerregentag an der Ostsee


img_20161009_133543.jpg

Stabile Vollpfosten stehen an der Ostsee herum, warten darauf, das stabile Schiffskörper sie kampflustig rempeln. Nichts da, es ist einer dieser teils nebligen, teils restsonnigen Dauerregentage. Zeit für den alleinigen raschen Rundgang Ostsee-Neustadt Innenstadt-und Ostsee zurück – müde. Voller Eindrücke.

Das erst heute entdeckte Denkmal für die im ersten Weltkrieg umgekommenen neustädter Soldaten. Und für all die späteren. Ganz dicht mußt du herantreten, um den bewegenden und bar allen Bombasts Text von Ingeborg Bachmann zu lesen. Manches aus früherer Zeit sei eben auch dieser geschuldet.

Ein bescheidenes Schild an der Seite einer frommen Einrichtung am Rande der Innenstadt: Rollstuhl-und Kindergartenfahrer mögen unseren hintern Eingang bitteschön benutzen. Frei nachgeschrieben. Die frohe Botschaft: wir besitzen immerhin zwei Türen…

Quatschnasse Hunde zerren den rheumatösen Anhang am anderen Ende der Leine hinter sich her. macht schon hin, wir wolle  ins Warme!

Rückweg in Sisis warmes Heim. Nebelkrähen streiten um die reichlich vorhandenen Schlafplätze. Gegen die Oktoberkühle eilen Menschen schweigend ihren warmen Bettchen entgegen. So sie eines haben…. Die anderen müssen eben sehen, wo sie bleiben. Man muß sie ja nicht sehen, wenn man sie nicht sehen will…..

Die schleichende von oben befeuerte Inflation hat auch Neustadt i. Ho. erreicht! Kostete ein Wort der Menschen hier zu Zeiten der harten D-Mark lediglich eine davon pro Wort. Jetzt, zu Zeiten des weich schwabbelnden € mindestens fünf davon. Schaue ich gar fröhlich in die Gesichter, scheinen sich die Pupillen  zu verändern: zu vereisen – oder zu verkalken. So kommt es dem fast Fremden vor, wenn sie ihren Königspudeln oder Kötern widerwillig und zugeknöpft hinterher stieseln.

Nicht Husum, sondern heute zumindest ist Neustadt die graue Stadt mam Meer… Bei aller von ganzem Herzen kommenden Gastfreundschaft –

Aufkeimende Sehnsucht nach den Menschen in unserer Wahlheimat Türkei. Besonders zu denen hinter dem Dimcay. Dem schäumenden!

img_20161009_133833.jpg

 

Wolfgang Bauer


img_20161010_084314.jpg… erst entnahm ich aus der Blechschatel die nicht mehr aktuelle Karte mit den Kommunikationsdaten seiner learn factory, um sie zu entsorgen. Die learn factory war mein siebenter Versuch, mir die Sprache unserer Wahlheimat anzueignen. Vergeblich, wie man weiß, ganz im Gegenteil zu meiner lieben Frau.

Mit welchem Elan Wolfgang Bauer seine learn factory da oben auf dem Berg begann und unten zu einer Institution formte. Unzählige werden traurig gewesen sein, als er sich allzufrüh in die andere Wirklichkeit von Familie, Freunden wie ungezählten Schülern zu verabschieden hatte.

Ich stellte mir vor, wie er ausschreitend seinen letzten Gang ging –  seinem letzten Ziel zu. Ich sehe ihn, langsam ansteigend, dann zügiger auf seinem letzten Weg. Mit ihm alle die Hunde und Katzen, die an diesem Tag ebenfalls einbestellt waren. Vielleicht die Hände auf den Köpfen. Mahnend, nicht hinter ihm in seine Stapfen zu treten.

Nun erinnert er sich wieder seiner. Durch seine couragierte Tochter, die sich, alle Oberlehrer ignorierend, Wolfagang Bauers Facebookaccount bedient, freundlich, stilvoll. Respekt.

.-.-.

Der inspirierende doppelte Regenbogen hier oben wurde heute früh, am 10. Oktober 2016 in Neustadt/Holstein entdeckt und aufgenommen von meiner Frau

…… so sind sie, unsere lieben Hannoveraner……


img_20161007_151514.jpg… kühl bins ans Herz hinan…

img_20161007_151750.jpg… mehr als ein Pfund Salz muss man erst mit ihnen essen – und sie cool in den Arm nehmen und sie fest halten…

img_20161007_151639.jpg… dann hören sie unverhofft auf, zu nölen, finden dich unverhofft doch nicht gar so aufdringlich, ein höfliches Lächeln wärmt dich…

img_20161007_151443.jpg… du bist nach vielfach geübter Distanz zum Hannoveraner geworden…und du machst die Bekanntschaft mit dem höchsten niedersächsischen Lob: gar nicht so schlecht, mit dir zusammenzuleben – woher kommst du gleich noch?…

…während der Fotossession schlich hinter unseren Rücken und sich klein machend doch der Harald Glööckler in den Luisenhof… tschüss Heimat auf viele Jahre, unser liebes Hannover! Unsere Wurzeln liegen doch jetzt hinter dem wild schäumenden Dimçay!