Das anstrengende Leben mit dem Olive


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Der Olive heißt auf türkisch Zeytin und dieser Olive ist seit einer Woche Wohn-, Schlaf-, Fress- und Sch….gast bei mir. Seine Leute sind zusammen mit meiner lieben Frau munter auf dem Balkan unterwegs. Nun, wir haben einander arrangiert, etwas mehr wohl als übel. Jetzt tut das Vieh, was ich gern täte: schlafen!

Ich versuche ja ständig, mich zu emanzipieren, aber es gelingt nicht. Allmorgen ist ganz frisch und neu – des Hundes Lebenslust. Mein schöner Nachschlaf nach dem Schlaf – gestrichen! Ab Nullsechsuhrdreißig ist die Nacht unwiderruflich zu Ende. Reagiere ich nicht auf die nasse Zunge an meiner Hand, befasst sich der Olive mit meinem Zeh. Aua! Begleitet von einer Tonorgie.  Mein Schlafbedürfnis interessiert ihn nicht die Bohne.

Gespielt wird jetzt nicht, befindet Zeytin, ich will raus, komm sofort, lass meinetwegen den Schlafanzug an. Eine Stunde lange schnüffelt da jemand an jeder Mülltonne, hebt an jedem Strauch sein Bein für einige wenige Tropfen, muss ja lange vorhalten. Und kackt! Türken finden das nicht gerade fein, also runter mit dem müden Haupt, einen Stein aufgehoben und den Haufen zugedeckt. Von Türken mit Wohlgefallen vermerkt.

Ein Hund kriegt nichts bei Tisch, alte Volksweisheit. Aber warum habe ich dann immer nur noch die Hälfte meiner abgewogenen Brotration im Magen? Wo der Hund doch nichts bei Tische bekommt? Reichlich haben seine Leute mich mit Hundeknüddeln versehen. Das Vieh frisst sie erst, wenn ich meinen Yoğurt mit ihm teile.

Jetzt herrscht Ruhe, inshallah, aber nur so lange, wie mir ein vollgesabberter Tennisball auf die frische Hose gelegt wird. Dann geht es noch einmal hinaus und, weil es so herrlich ist, gleich am Abend noch ein- oder zwei Mal.

Die Teppiche liegen aufgerollt in der Ecke, gespielt und mit dem Ersatzherrchen gerauft wird auf dem blanken Fliesenboden. Die Aufgabe dürfte irgendwann ihr Ende finden, sollten seine Leute und meine Liebste gelegentlich wieder vom Balkan herunterfinden und sich auf dem heimischen Balkon niederlassen.

Volkes Mund weiß ja davon, dass alte Säcke sich rasch dem Aussehen ihrer Hunde nähern. Bei kritischem Blick in den Badezimmervergrößerungsspiegel zeigt es sich. Meine Bartbehaarung ist genau so strubbelig wie die des Zeytin…

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