Tropfen auf heiße Steine – eine Reise mit guten Menschen – 14. November 2014 – Teil 1


Ein Gespräch vor der Reise: Oh, wie gut haben es doch diese sogenannten Flüchtlinge! Der Staat erstellt ihnen Zelte, verpflegt sie, ihre Kinder können ohne Aufnahmeprüfung jede Schule in der Türkei besuchen, kostenlos. Selbstverständlich. Dazu gehen die Männer noch in die Dörfer zur Schwarzarbeit. So kommen sie besser zurecht als da drüben in Kobane. Und dazu sind es auch noch Kurden, rutscht es mir aus der vorlauten Gosch. Jaaaaaa! Dieses vorausgesandt frage ich mich, ob es dann noch opportun sei, mit drei übervollen fünfachsigen Lastwagen da noch hinzufahren; immerhin haben die Menschen doch das Paradies auf Erden. Am 08.11. 2014 ging es los, in das vorgebliche Paradies, mit guten Menschen. Ganz bewußt verzichte ich auf den ins Negative abgedrifteten Begriff des Gutmenschen. Nun bin ich – vorzeitig – zurück und werde berichten. Von vielem Guten und noch mehr Schrecklichem. Lest! Lasst euch bewegen, trotzdem weiter zu spenden! Es ist nachts jetzt schon kalt da oben. Lest und lasst es euch nicht verdrießen, tiefer in die Tasche zu fassen. Für uns wird es Weihnachten. Lasst ein wenig hinüber leuchten. Trotzdem. Weshalb trotzdem? Lest, ich habe Vieles schon unterwegs aufgeschrieben. Nachts meist; die Augen blieben nicht immer trocken. Dessen gibt es keinen Grund zum Schämen. 08. November 2014 – einer dieser frühlinghaften sonnigen Tage in Alanya. Die letzten Kartons sind gepackt, die Hände müde. Auch meine. Vom Sortieren von Stinkstiefeln, ja, die waren auch „gespendet“ – für die da hinten werden sie wohl noch gut genug sein. Die können ja alles brauchen. Also auch ungeputzte wegen ihrer spitzen Bauart einst wohl waffenscheinpflichtig. Die Zeit drängt, für eine Zaman oder andere türkische Gazette zum Ausstopfen der Spitzen, für etwas Lederfett drauf reichte es nicht mehr. In Stinkstiefeln schon mal nach der Größe gefahndet? Die Mehrzahl allerdings war akzeptabel und wurde paarweise in Tüten verpackt, Größe außen drauf. Ab in einen dieser großen schwarzen Säcke, welche Martina bereit hielt 09. 11. 2014 Vierzig Hände an zwanzig kräftigen Männerarmen beförderten so um die tausend Kartons und meist ziemlilch schwere Beutel mit Kleildung auf den fünfachsigen Riesenlaster. Wo all diese Leute, Deutche, deutsche Christen, Türken, Kurden fassten zu. Manches Kreuz knackte dabei hörbar. Alles vor der Versammlungsstätte des Heiligen Nicolausvereines auf der Plattform und auf dem Bürgersteig. Wo sie alle hergekommen sind? Mein Eindruck: aus dem Gully! Sie waren so plötzlich da, redeten, rauchten, palaverten nicht lange, sie krempelten die Ärmel hoch! RESPEKT! Das zu einem Drittel gefüllte Riesengefährt spie Dieseldunst auf Gerechte und Ungerechte und fuhr aus Alanya hinaus in die Nacht. Wir waren´s zufrieden. Wer „wir“ sind, waren, das kommt noch. Was da nun rollte, war zum großen Teil von der St. Nikolaus-Gemeinde Alanya akquiriert und jeder Socken, jede Jacke dokumentiert. Das sollte eine große Erleichterung werden. Geldspenden waren genau afgelistet und gegen Quittung zu treuen Händen Murans übergeben. Über Muran wird noch zu sprechen sein. Gleich nach der Prüfung: Peter, ich kriege von dir noch Lira 300.– Spendengeld, her damit, du stehst damit auf dem Übergabeprotokoll. Weiter in Kürze. Anmerkung: es wird kaum Fotos von mir geben! Publicity-Geile haben da schon ganze Arbeit geleistet! Sie wollten eben die Ersten sein! Die graue Masse im Hirn, insoweit vorhanden, kam da mit dem Finger auf dem Auslöser mit Abstand nicht hinterher! Die Würde des Menschen – unantastbar? Sind doch nur Flüchtlinge – meine Interpretation. Sicherheitsbedenken für die beteiligten Protagonisten? Och, haben wir gar nicht dran gedacht…. Gesichter, Nummern der LKW immer schön frisch – für Jedermann. Die absichtlich wenigen Bilder – später!

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