Ausradieren? – Ausradiert!


  Volksempfänger, im Volksmund Göbbelsschnauze genannt – aus Wikipedia

Manches Mal möchte dir schwindlig werden von den Kurven und Windungen, welche ein Menschenleben so für dich bereit hält. Da kocht nach runden acht Jahrzehnten der Begriff „ausradieren“ auf.  Ausradieren – ein Wort, das einstens der Gröfaz seinen Hinkefuß über die Göbbelsschnauze aus Bakelit den Menschen, die ihm zujubelten, verklickerte. Die ihm nicht zujubelten, wurden – ausradiert.

Gestern überfällt mich diese miese Vokabel in einem Diskussionsbeitrag auf einen sehr seriösen Beitrag im Gesichtsbuch. Offenbar ein Nachkömmling eines bekannten Adelsgeschlechts in Deutschland benutzt die Vokabel unmissverständlich: Reste eines anderen Volkes müssten – eben ausradiert werden. So weit, so schlecht.

Mir stieg die Magensäure hoch, ich empörte mich, ob einem honorigen Mitglied Jener, die sich für die Elite ausgeben, nicht ein zeitgemäßeres Vokubular zur Verfügung stehe. Unbedacht erwähnte ich meine eigenen frühen Erfahrungen. Die Antwort kam prompt, dieses sei ein freies Land und jeder, selbstredend auch er, könne sich ausdrücken wie er es für richtig erachte. Ganz und gar nach Gutsherrenart.

Jener verkniff sich die standesgemäße Frage: „Wann und wo hamse jedient?“ Eine Antwort darauf wäre natürlich beantwortet worden: für Führer Volks und Vaterland noch zu jung, fürs Amt Blank völlig überaltert. Für mich roch es fies aus der kackbraunen Ecke, deshalb habe ich meine beiden Beiträge sofort gelöscht. Wenig darauf war auch der Beitrag des Nachfolgers eines aus den Geschichtsbüchern bekannten Adligen aus dem Gesichtsbuch verschwunden. Ausgetreten wie eine Kippe.

 

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