10 Jahre Cicero – MEHR DENKEN WAGEN!


Es floh einmal eine fleißige Generation Adenauer mit gestärkten Hemden und imprägnierten Seelen ins Morgen, weil das Gestern so braun und böse war. Dann forderte eine kritische Generation Brandt mit wehendem Schopf und suchendem Herzen das Heute, schon weil das ihre Väger ärgerte. Sie wich der Mauerfall-Generation Kohl mit weitem Blick und praktischem Verstand, die kuschelte sich ins Gestern als Gemütlichkeitsecke für verlorene Identifitäten.

Doch was ist heute? Wankt da eine Generation Merkel im Fließgewand der Bewusstlosigkeit, ohne Gestern, Heute und Morgen? Zumindest prägen die Weißräume des Großkoalitionären die politische Kultur so stark, dass sich unser Land anfühlt wie eine Lounge der konfliktfreien Willenslosigkeit. Wie die Kanzlerin sich selbst, so definiert sich die Republik nicht mehr durch das, was sie ist und will, sondern nur noch durch das, was sie nicht ist und nicht will.

Die Große Koalition avanciert damit nicht bloß zur langatmigen Regierungsformation, sie wird zur Signatur unserer Zeit. Vom Elternabend über das Ikea-Wohnimmer bis zum Parteitag wollen sich alle am liebsten auf einem Quadratmillimeter politisch korrekter Mitte treffen. Das öffentliche Streiten ist einem permanenten Koalitionsgespräch gewichen.Medien setzen dazu seltsame Prioritäten, die die kritische Intelligenz immer weniger schätzt, die affirmatiave höher und die inszenatorische am höchsten.

Dereinst tobtze sogar ein Kampf um Argumente, woraufhin Politiker, Journalisten, Staatsbürger über Inhalte Feinde werden konnten. Vorbei. Heute wollen wir einander nur lässig gefallen. Eentspannung ist wichtiger als Entdeckung. Das ist nicht bloß Possierlichkeit der Postmoderne, es ist der Triumph des Oßportunistischen über die Wahrheit. Wenn aber das Kleid des Großkoalitionären alles umschmeichelt, darf man sich dann wundern, dass Politik wie Medien eine Glaubwiürdigkeitskrise durchleiden? Die Menschen durchschauen das schillernde Grokokleid als lichtes Nachthemd.

Das war eine Motivation, als wir vor zehn Jahren mit Cicero Opposition machten. Opposition nicht gegen Parteien und Regenten, sondern gegen die Uniformität des Denkens, gegen die Deformation des Politischen zum Treibholz der Geschichte. Cicero .lud zum Wettbewerb der Ideen und Haltungen. Umso schöner ist es, dass Cicero in diesen zehn Jahren autonomes Denken riskiert hat und mit einer altmodische Suche nach Wahrheit die Supernanny der geistigen Konformität immer mal wieder auf andere Gedanken gebracht hat.

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Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion – Wolfram Weimer, Chefredakteur 2004 – 2010

 

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