Auwauwauwau – Karnevalsindustrie 2013/14


Die Geschäfte obiger Branche miteinander und untereinander sind in trockenen Tüchern, die alten Kamellen unter dem närrischen Volks vor die Füße geschmissen. Die Braven unter den Christen befinden sich – hoffentlich- auf dem Wege in eine reuevolle Fastenzeit.

Unser großes Ohr, die Schüssel, die alles hört, was der Satellit uns überreichlich mitzuteilen gedenkt, steht wieder fest auf ihrem Sockel.  Fast ging sie in die Knie unter der Vollast aus Europa herübergespülter Karnevalsübertragungen. Prunksitzung in Kötschenbroda, munteres karnevalistisches Treiben in Castrop-Rauxel. Eine Regierungshauptstadt im Hessischen zeigte sich gar närrisch, wie man dort singt und lacht. Na wenigstens zur närrischen, wie man die fünfte Jahreszeit nennt. Ein Sender überbot den anderen mit Lebensfreude unter der Narrenkappe.

Der Himmel über uns hatte ein Einsehen, was zu viel ist ist zu viel und errettete uns mit einem gelegentlichem gök gürültüsü, einem kernigen Gewitter, Das shredderte den sogenannten Frohsinn in schöne bunte Konfettistreifen auf der Glotze. Allein bonmot blieb mir im kahlen Kopfe. Aus der Bütt zu Mainz tönte es: nach dem Ende einer Sitzung mit der Creme der Politiküsse fragt die Bundeskanzlerin laut in die Runde: wo sind meine Krücken? Sofort eilten zwei aus ihren Ecken, kuschten, gaben Pfötchen, leckten ihr die Hand und klopften mit ihren Schwänzen auf den Boden….

Für uns bekennenden Spaßbremsen von hinter dem wild schäumenden Dimçay spie der Satellit ansonsten nr noch schunkelndes und mehr weniger, eher weniger, Erheiterndes auf den Schirm. Schon, weil uns die gar wichtige Frage umtrieb, ob von den Prunkwägen nun Karamellen oder alte Kamellen, also die Übriggebliebenen aus 2013 den Straßenstaub erreichten und gierig aufgeklaubt waren.

Als Spassbremse wird man nicht geboren, sondern die Zeitläufte tun dazu ihre Arbeit. Vor fastd sechsundvierzig Jahren, frisch verheiratet und jugendlich leichtsinnig. Soweit man das von Nordlichtern erwartet, machten meine jugendliche Angetraute und ich uns auf zur überhaupt ersten 1. – (der ersten) Karnevalssitzung überhaupt auf in das Hotel Intercontinental in Hannover, und landeten unsanft in einem goldbrokatenen – Eiskeller. Schmallippig empfing uns tout Hannover. Man goutierte diese beiden Ausgelassenen überhaupt nicht. Fast war es so, als wären wir durch Monokel und Lorgnon fixiert, gewogen und zu leicht befunden.
Nach lediglich einer gefühlten Stunde unter Hochmögenden und Karnevalszuschauern und keineswegs -mitmachern verging uns die Lust an der Freude. Das erhielt sich über die Zeitläufte.
Dafür feiern, nein, vielmehr zelebrieren die Niedersachsen ihr jährliches Schützenfest. Selbst das geehrte Haus Hannover ließ es zuweilen nicht nehmen, seine Anwesenheit beklatschen zu lassen. Einer von Denen steht ja bronzen und hoch zu Ross vor dem Hauptbahnhof unser Landeshauptstadt außer Diensten und dreht dem ankommenden Reisenden den Hintern zu. Ein Anderer machte sich erst in jüngerer Zeit einen bekannten Namen als Prügelprinz.
Apropos Prügel, fast hätte ein unbotmäßiger Motorradfahrer zu Schützenfestzeiten in Hameln, Pyrmont oder so ähnlich – verdient – welche davon bezogen. Als es um meine Fassung geschehen war, mit welchem Bierernst die halbtoten Zylinderträger im Gleichschritt marsch sich mit geschulterten Holzgewehren präsentierten. Die tapferen Marschierer bedachten den lachenden Ledernen mit dem steifen Hut unter dem Arm lediglich mit wütenden Blicken. Sie haben mich nicht getötet.
Zurück zum Karneval. Den schönsten erlebte ich einst in Sassbachwalden im Schwäbischen. Dort heißt der Karneval Fasching. Beim berühmten Affentaler Spätburgunder kommt man scnnell mit tradierten Holzmasken in ruppigen närrischen Kontakt. Herrlich, da simmer dabei, dat is prima! So geht es dort Ort für Ort weiter in den Hotzenwald, ins Alemannische. Urige ungekünzelte frohe Menschen die einer uralte Tradition frönen.
Für 2014 ist bis zum elften November um elf Uhr elf zunächst alles gut und gesund überstanden.
Peter Hockenholz am 06.02.2014

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