Der Sonntag des Teleferik

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Der Sonntag des Teleferik

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. . . man gönnt sich ja sonst nichts und deshalb teleferikten wir mit unserer neuen Seilbahn auf unseren Burgberg und begaben uns von der Höhe der Mahalesi hinunter in die Niederungen auf der Butterseite Alanyas.

Denn dort ist die üppige Talstatation unserer neuen Seilbahn; alle Welt habe sie vorgeblich schon ausprobiert; wir vom Dorfe wollten nicht länger zurückstehen. Ein Sonntag mit Seilbahn in die höheren Regionen? Ob es überhaupt ein Plätzchen für den „Phaeton“ gibt? Es gab ihn, der Andrang war mehr aus äußerst überschaubar. Sicher wird diese Feststellung den Unmut der lokalen Hochschreiberin der Saison Zwanzigsiebzehn erregen. Fünfzehn türkische Lira kostet der Aufstieg per Kabine und wer noch´n  Taler drauflegt, den transportiert sie auch wieder hinunter.

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Eine entschleunigte Bummeltour über Felsen, kleine Wäldchen und in die Balkone und Wohnzimmer unten Anwohnender macht die Fünfminutenfahrt in die Höhe und an die Füße der Burg zu Alanya zur kleinen Erholung zwischendurch. Gut so, denn mit Tempo wäre das Vergnügen denn auch allzu kurz. Hindurch den Hintereingang, der zum Haupteingang zum Burggelände umgewidmet war, über gepflegte ausgebaute Wegungen wird der Weg in die höheren Gelände lang und heiß, schließlich ist es erst September.

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In einer lauschig-schwummerigen Nischen, deren gibt es einige, das Auge gewöhnt sich an das Dämmerlicht und mittendrin eine schlanke ranke Trägerin einer schwarzen Burka; mensch gewöhnt sich, es gibt deren deutlich mehr, aber in dieser Umgebung schaut man zweimal, um nicht auf einen schwarzen Fuß zu treten. Schön die alten Gemäuer und ihre Wiederauferstehung nach Jahren des Verfalls.  Alanya, nach wie vor unsere Wahlheimat in der Türkei, du bist attraktiver geworden! Noch attraktiver. Adem Murat bey und Mannen in der Belediye, Lob und Dank für euren Mut zu dieser Investion für uns alle.

Ernst Reuter, euer Vorgänger einst in Westberlin, hatte Alanya schon im Urin oder im Kleinhirn, als er den Mikrophonen anvertraute: VÖLkER DER WELT, SCHAUT AUF DIESE STADT!

Bilder wie meistens von meiner lieben Frau! Danke!

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Wir sind deine Soldaten, Mustafa Kemal!


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Wir sind deine Soldaten, Mustafa Kemal! Gedenktag für Atatürk am Sonntag, 19. Mai in Alanya

„Nimm deine Ohren raus und steck sie in die Schachtel, es wird laut!“  Meine Liebste achtet wie immer auf das Wohlergehen ihres Ehegesponses, das bin ich. Die golden Ladies, die meinige ist ein Teil davon – und so durfte ich mit auf die abendliche Demonstration zu Ehren des Gründers der modernen Türkei. Demonstrationen sind, waren, mein Ding nicht, und dieses seit mehr als siebzig Jahren. Die Lügen des Zonenregimes haben mich empfindlich gemacht.

Die überdimensionierten Lautsprecher am Denkmal wummerten, runde dreizehntausend Menschen, mindestens eben so viele Fahnen und Fähnlein im fackelgeführten Zug. Nanu? Das kann doch nicht sein? Die Dreizehntausend begangen zu tanzen, zu singen – Sprechgesänge, gute Laune, fröhlicher Austausch. Luise übersetzt dem Sprachmuffel – und der, das bin ich, denkt, er sei im falschen Film! Der zu ehrende  Politiker reformierte diese Wahlheimat Türkei, er ist seit Jahrzehnten nicht mehr. Und soviel Empathie; ich kann es nicht glauben.

Abendliche Gäste in der Stadt klatschen Beifall, Autos hupen, es war ein fast unheimliches Event zum Lobe einer Ausnahmeerscheinung in der Politik; Tausende allein in dieser Stadt skandieren. Es werden Lieder gesungen, welche Alleinherrschern übel in die Gehörgänge gegangen sein müssen. Der lange Marsch zum Hafen und zurück ging ohne Umweg in die Beine – und tief ins Herz. Vor der Verabschiedung Händedrücke, manches Mal beidhändig und Dank Fremder für unsere Teilnahme.

Ins Stammbuch geschrieben allen, die ihre Informationen in der Ferne aus grob gestrickter Presse und/oder aus Medien beziehen, deren Schwerpunkt sich in angesagten Lokalitäten besteht. Alanya, unsere Wahlheimat, ist kritisch, ist wach. Seine Menschen sind nur in Ansätzen manipulierbar. Tausende blicken nach Izmir, nach Istanbul, nach überall hin und es wird ihnen nichts entgehen . . .

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Der halbe Arm im Hundefang


Endlich hat ein herrlicher Sommer mit erheblicher Verspätung dieses naßtrockennasse Frühjahr abgelöst, du döst vor dich hin, willst dich umdrehen, geht nicht. Der halbe Arm klemmt im Fang des Olives und hält dich fest. Der Olive ist seit heute mittag wieder unser Leasinghund, seine Leute beschlossen ihren Urlaub.

Der Olive ist schon korrekt, er heißt Zeytin und damit der Olive. Nun pfeift der Wind wieder anders herum. In aller Frühe, wenn Allah wieder einen neuen Tag beginnt für seine lieben Geschöpfe hinieden und die Hähne wieder ihren Hals aufreißen, dann ist die Nachtisch zuende. nur Katzekatze teilt warnende Backpfeifen aus, komm mir nicht zu nahe, Köter.

Nur gut, dass die Generalprobe gestern im Tierheim Gazipasha so gut ablief. Zehra Hanım öffnete, große Freude über das Wiederbegegnen und alsbald kam auch der Riesenbajuware Michael Meindel hinzu, Herr über mehrere Hundert bellende und um Aufmerksamkeit ersuchende Vierbeiner.

Alles aufs Feinste hergerichtet da hinten in Gazıpașa, jedes Freudenpfützchen sogleich entfernt, wir konnten trockenen Fußes hinein und Futtersäcke einliefern. Normalerweise wird täglich ein Futter aus Bulgur, Fleisch, Knochen und mit Gemüse angerichtet und alle werden satt.

Mitarbeiter hatten Offenetürenfeiergesichter und offensichtlich ehrliche Freude an ihrem Tun! Mir schloss sich ein brauner Rüde an, wir verständigten uns nonverbal: wenn du mir von jedem Plätzchen, das du stibitzt, die Hälfte abgibst, verpfeife ich dich nicht. Seine Hälfte nahm er vorsichtig aus meiner Hand. Mehr, mehr Kerl, sonst . . . Es merkte wohl niemand oder übersah es aktiv. . .

Eine fütterte ein Dutzend Welpen mit der Flasche, abends nimmt sie die Brut mit zu sich mit nachhause, Welpen brauchen alle zwei Stunden etwas in den Magen. Kerle voller Runen des Lebens in ihrer Physignomie, vergruben ihre Dreitagebärte im Fell junger Köties – und wurden weich und indenklich.

Noch vor dem offiziellen Run, wenn die Honorationen/Innen, Ordnung möchte sein, eintreffen und die Kameras und Mikrofone erwarten, waren wir schon auf dem Rückzug. Mit noch ein paar mit dem Braunen geteilten Keksen, die wir rasch gemeinsam teilten und verkrümelten. . .

Hundefreund/Innen, Mann Mann, ist die deutsche Sprache kompliziert geworden. Michale Meindl, der Bajuware schickt gerne die wortreiche Anfahrtskizze hin.

Dank und ein paar gute Worte an alle, die da tagtäglich zweihundert Kötis, mal vier Beine versorgen, hin! Lohnt,

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Der Aufstieg


Der Aufstieg von weiter unten ist die Metamorphose eines Boxers zu einem Rückenkissen für die Reise zu einer Wanderung in den Mai nahe Afyon. Die Zeit der bunten Boxershorts ist vorüber.

Entweder sind die Schinkenbeutel zu groß geworden, oder der Träger schlanker. Vorbild sind natürlich die Nahrungsmittelriesen, die Inhaltsschwund vermarkten; vielleicht merkt es Otto Normalververbraucher nicht.

Meine Liebste, ebenfalls auf Nachhaltigkeit getrimmt, schnappt sich die Gepünktete und macht ein Nackenkissen daraus. Ob es ein sozialer Aufstieg für das Prachtstück ist, bleibt heuer unerforscht.

„ich will doch nur, dass dein kahler Kopf nicht im Bus so herum hängt!“

Alle drei, meine Liebste, ich, der Nutznießer und die aufgesti

egene Beutelbuxe freuen uns auf die Dreitdageswanderung in den Wonnemonat zwanzigneunzehn. Die Vorfreude auf die FAM-Gruppe ist riesig, Es soll, so wird von Kennern geschwärmt, schöner sein als in Kappadokien.

Mein Rücken wird sich auf der Fahrt andrücken – mit einem Schmunzeln, auf die Herkunft, welch ein Aufstieg – und es gibt noch mehr von den bunten Kleidungsstücken, wer sie mag und die Größe XL vorweist, Postkarte genügt . . .

Alle aufgehängt – in einer Reihe


Alle aufgehängt – in einer Reihe – oder wie man von der Idee zur Lösung gelangt. Oder vom Ruhmstehchen zur Hängepartie. Schaut mal in eure eigenen Schränke mit den Küchenutensilien. Dann wisst ihr, was sich so angesammelt hat.

Einer von uns Beiden hatte die Idee – und meine Liebste kam mit Haken und Brett an. Nun hängen sie. Und wir sehen sie nicht nur zum Morgencay, tagsüber erfreuen sie uns mit ihrem Moin moin und der Nachhilfe in Sachen Seemannsknoten. Innen auf dem Boden der Hinweis auf die Ebbe, oben am Rand steht Flut. Nichts zum Falschmachen dran und die richtige Menge drin!

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Eine volle Mahlzeit fürs Hirn


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Ich musste  ihr nicht einmal drei Schritte hinter ihr folgen, um als Gasthörer in der HEP Universität, zwei Vorlesungen zu erleben.  Unter den Arm geklemmt und mit kernigem Schritt. Alles ganz einfach, gleich in das Thema Sophistik eingeklinkt. Haarspalterei, Rabulistik, Sophisterei, Spitzfindigkeit, Wortklauberei weiß Wikipedia.

Dozent Ramazan bey beherrschte das trockene Dozieren leider überhaupt nicht! Obzwar auf  türkisch vorgetragen konnte ich ihn zum großen Teil verstehen. Mimik, Gestik und Körpersprache ständig in Bewegung viel über Misir, das ist nicht nur Mais, sondern auch  die Bezeichnung für Ägypten, Mezopotamya, Assyrer, Sümer gleich  Syrer, Hitit gleich Hethiter usw.usw.

„Sehr langweilig für dich?“ „Ganz im Gegenteil!“ Altes und längst vergessen gelaubtes Schulwissen drängt, entstaubt, an die Oberfläche. Ramazan bey doziert nicht, er lebt und liebt es, seinen Zuhörern das Thema nahezubringen. Ein Glücksgriff! Cok tessekürler Ramazan bey. Wo ist die Zeit geblieben?

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Ohne Pause geht es in das nächste Thema. Apotheker und Hobbyforscher Mustafa bey  macht die Schilder an der D 400 lebendig, Heimatkunde vom Feinsten, die alten Gemäuer beleben sich, die Altvorderen bevölkern die antiken Stätten wieder, dokumentiert von Jahrhunderten mit ihren Jahrhunderten. Glänzende Augen, glänzendes Wissen über die Burg, über Mahmut Sedi, über Syedra und und und. Glänzende Augen bei den Zuhörern.

Viele Notizen, viele Fragen, qalifizierte Fragen der dreizehn Studentinnen und Studenten – und einem, der darüber hinaus teilnehmen durfte. Zu Beginn des Studiums 60plus war es noch ein Schock = 60 Damen und Herren, abgeschmolzen zu einem guten Dutzend. Die Lernlatte ist höher gelegt von den Initiatoren, die in Altanya verortet sind, jetzt sind die Lerngierigen ab 65 zugelassen. Quo vadis, HEPverantwortliche?

Gazıpașa


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Gazıpașa  ist Alanya so nah wie zum Beispiel Hannover zu Hildesheim. Nur, dass es keinen Dom, keinen Erzbischof, keine Marienburg vorzuweisen hat, verschmerzbar.

Quasi nur wenige Meter öffnet sich für den Besucher eine herrliche, eine umwerfende, eine traumhafte Landschaft. Kritische Durchfahrer sehen nur eine Plasteundelaste-Landschaft. Darüber dann noch endlose Bananenfelder. Hierorts wurde die türkische Bananenköstlichkeit geboren; aus kleinen Früchten wurde die große und süße Frucht herausgemendelt, welche nun türkeiweit und bis in eine Höhe von 250 Metern über NN gedeiht.

Die Banane und die köstlichen Erdbeeren bringen Wohlstand in die Region – und die könne lächelnd auf Hotelhochbauten verzichten, wird uns berichtet.

Letztlich nur wenige Schritte eröffnen das Wunderhinterland. Der Fuß tritt auf Myriaden wilder Stiefmütterchen und unendlich vieler weiterer Frühlingsblüher;die Sonne meint es gut an diesem Wanderfreitag.

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Die einzigen Geräusche erzeugen nur die eigenen Schuhe. Die Steigungen sind moderat und die Augen haben Zeit, die vielen Burgruinen aufzunehmen und die Wolkenformationen weiter oben wahrzunehmen.

Eine Honigindustrie wird passiert, es sind wohl hunderte von Bienenwohnungen, noch wird zugefüttert, ein Sonnentag macht noch keinen Sommer für die Fleißigen.

Eine Ausgrabungsstätte, großes Gestein, schon katalogisiert, welche eine Aufgabe in einem Land, das vermutlich unter jeder Scholle noch seine Vergangenheit verborgen hält. Alles sachkundig erläutert von Halid, Boss von Tam-Tour. Immer wieder führt er Wege, Pfade, Straßen, Teile der alten Seidenstraße einbezogen. Der Abschluss, in einer Erdbeerplantage die köstlichen Früchte selbst vom Strauch zu genießen – hmmmm. Auch die Antwort auf die Nachfrage kam prompt: um diese Köstlichkeit zu erhalten, müssen wir zwei mal in der Woche spritzen, stieß auf Verständnis.

Danke danke Halid und Irfan von Tam Tour , es war ein vermutlich letztes Erlebnis mit euch Beiden. Immer nur noch als Apoplex einer Wandergruppe mühsam Schritt zu halten, als wenn die Wanderschuhe Stahlplatten tragen, dass kann es nicht sein. Wir werden weiter um Gazipasa  und anders wo anzutreffen sein, aber Tempo und Pausen selbst bestimmen können.

 

Goldhochzeit – und der nächste Morgen


Man kann an einen solch einem Anlass nicht den ganzen Tag mit Feiermiene herum- und anderen im Wege stehen; wir haben das Hochzeitshabit noch hängen lassen und sind in Blaumann und ausgefranste und mehr unkleidsame, Klamotten gekrochen.

Meine Liebste räumte nachhaltig die Garage auf uns aus, frei nach dem Motto, ist das Kunst, oder kann das weg? Es konnte viel weg von allem, war über die Jahre aufhebenswert gewesen.

Des Goldhochzeiters job war es, dem so erbärmlich quietschenden Tor wieder Benehmen beizubringen – mit Hilfe eines Produktes, das wir aus Urzeiten als Wagenschmiere kennen lernten – wer gut schmiert, der gut fährt, in unserer Wahlheimat nicht unbekannt. Du kriegst es tatsächlich, wenn du im Sanayi erklärt kriegst, wo. Dann steigst du über eine offene Arbeitsgrube hinüber zum „shop“ – und hast die Auswqahl von drei Qualitäten. Unser und die Tore unserer Mireigentümer rollen noch nicht leise, das können diese Rolltore nicht, aber sie quietschen nicht mehr.

Die Belohnung kam des Abends, wir speisten in der Oberliga! Jeder Bissen ein Genuss! Jedes superleckeres Angebot vom Maitre und seinen Mitarbeitern freundlich kommentiert. Öl aus Ayvalik, das Beste, was die Türkei zu bieten hat, goldgelb und mit vollmundigem Eigengeschmack, köstlichst! Ein Fläschlein als freundliches Geschenk des Hauses, steht jetzt hier in der Küche.

Ein Roter, als besonders trocken offeriert, eine Offenbarung. Er wird in Gelibolu angebaut. Gegenüber von Canakkale und Ort des wichtigsten Krieges der Neuzeit für die Türkei, ein stilles Gedenken, Geschichte lässt einen nicht kalt. Auch nicht die Inschrift am kleinen Museum dort. Lesen. Bewegend, immer wieder.

Wir waren im Gourmetwunderland, prosteten einander zu – auf die noch verbleibende Zeit, ließen Gläser klingen. Glück pur. Die regennassen Kleider auf dem Heimweg, sie trocknen im Bad . . .

Heute früh machten die Becher voll Tee satt . . .

Dankedankedanke der Vielzahl von Menschen, deren gute Wünsche in die Zukunft wirken mögen!!!!